Nachhaltige Geldanlagen: Wo bleibt die qualifizierte Beratung?

Das zu vermitteln reicht indes nicht. „Um glaubwürdig zu sein, sollten die Berater wissen, was tatsächlich in den Produkten steckt und nach welchen Kriterien der Auswahlprozess läuft“, sagt Upgang. Denn vom rein grünen Produkt mit transparenten und klaren Auswahlkriterien bis zu den sogenannten „Greenwashing“-Produkten, denen zwar ein grünes Etikett anhaftet, hinter denen sich aber bei genauerem Hinsehen eigentlich nur eine Marketingmasche verbirgt, gibt es alles.

„Für den Berater ist es peinlich, wenn nach einer Katastrophe wie beispielsweise bei der BP-Bohrinsel oder in Fukushima die Kunden erfahren, dass in ihrem Fonds BP- oder Tepco-Aktien enthalten sind“, so Upgang. Auch für Baer ist es wichtig, genau hinzuschauen. „‚Grün‘ allein ist kein Qualitätsmaßstab“, sagt er.

Um den richtigen Anbieter zu erkennen, müsse der Berater zunächst unterscheiden, ob es sich um Wertpapiere oder Beteiligungen handelt, so Finanzplanerin Upgang. Für letztgenanntes Segment gelten die gleichen Auswahlkriterien wie bei konventionellen Produkten auch. „Zu prüfen sind hier die Leistungsbilanzen des Anbieters, das Betriebskonzept, die Finanzierungshebel, die Kosten und Rahmenbedingungen“, sagt Mehrwert-Geschäftsführer Baer.

Zusätzlich sei es wichtig sich anzuschauen, wie es beim Anbieter um die Erfahrungen mit nachhaltigen Produkten bestellt ist. „Schließlich darf der Berater nicht vergessen, dass viele der Beteiligungen, wie beispielsweise Solarfonds, mit staatlichen Subventionen kalkulieren und es sich noch um eine verhältnismäßig junge Branche mit den immanenten Risiken handelt“, ergänzt Upgang.

Anlagekriterien im Blick haben

Nach welchen Kriterien hingegen die Wertpapiere für einen nachhaltigen Fonds ausgewählt werden, ist im Fondsprospekt festgeschrieben. Entscheidend ist dabei, nach welchem Ansatz das Fondsmanagement die Titel selektiert. Am weitesten verbreitet sind laut dem Forum Nachhaltige Geldanlagen in Deutschland positive Anlagekriterien, auch unter dem Begriff „positives Screening“ bekannt.

Hierunter fallen die Anlagestrategien „Best-in-Class“, eine Methode, bei der von vornherein keine Unternehmen oder Branchen ausgeschlossen werden, „Themeninvestments“ wie erneuerbare Energien, Wasser oder Holz, sowie andere „positive Screenings“, unter denen beispielsweise nachhaltiges Berichtswesen oder die Teilnahme an Initiativen zu verstehen ist. Auf über 85 Prozent aller nachhaltigen Assets under Management trifft mindestens einer dieser Ansätze zu.

Daneben gibt es negative Anlagekriterien, auch „negatives Screening“ oder „Auswahl nach Ausschlusskriterien“ genannt. Bei diesem Ansatz werden Branchen, Unternehmen oder auch Staaten aus dem Investmentuniversum ausgeschlossen, die bestimmte soziale, ökologische und Unternehmensführungs-Kriterien nicht erfüllen, den ethischen Ansprüchen bei der Geschäftspolitik nicht entsprechen oder gegen internationale Normen und Standards verstoßen. Das sind beispielsweise Kinderarbeit, Menschenrechtsverletzungen, Rüstung, Korruption, Kernkraft, Glücksspiel oder Tierversuche.

Seite 5: Welche nachhaltigen Versicherungsprodukte angeboten werden

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