Immobilienportal versus Makler

Foto: Monika Müller
Lydia Ishikawa

Ein Teil der Immobiliensuche findet im Internet statt. Das kann funktionieren. Doch für eine nachhaltige Entscheidung vor allem beim Kauf einer Immobilie ist der persönliche Kontakt immer noch von großer Bedeutung. Sechs Gründe, warum ein Makler die bessere Wahl ist als ein Immobilienportal. Gastbeitrag von Lydia Ishikawa

Die Digitalisierung hat den Alltag vieler Menschen stark verändert. Das gilt auch für die Suche nach Miet- oder Kaufobjekten: Viele Menschen schauen sich auf Internetportalen um, wenn sie umziehen beziehungsweise ein Haus (oder Wohnung) kaufen möchten. Keine Frage, diese Entwicklung birgt Vorteile, bringt sie doch eine größere Transparenz in einen komplexen Markt und bietet die Möglichkeit, sich schnell einen Überblick über die Situation und über entsprechende Angebote zu verschaffen.

Doch in der Immobilienbranche ist es wie in allen anderen Lebensbereichen auch: Der Wandel darf niemals um seiner selbst stattfinden, sondern muss eingebettet sein in eine sinnvolle Abwägung, wann neue Technologien wirklich hilfreich – und wann eben traditionelle Dienstleistungen die bessere Wahl sind. Das trifft auch auf die Frage zu, ob Käufer und Verkäufer sich tatsächlich allein auf ein Immobilienportal verlassen sollten.

Natürlich gibt es Fälle, in denen Portale das Mittel der Wahl sind, etwa bei der Suche nach einer vorübergehenden Mietwohnung. Doch die Zusammenarbeit mit einem Makler bietet gegenüber Portalen im Internet erhebliche Vorteile. Das sind die sechs wichtigsten:

1.   Ein Makler kennt die Marktsituation

Wer eine Immobilie kauft oder verkauft, für den sind alle Informationen über den derzeitigen Markt bares Geld wert. Denn was Immobilienportale nicht abzubilden vermögen, ist die detaillierte Kenntnis über die regionale Situation am Immobilienmarkt. Ist zu erwarten, dass die Preise in der näheren Zukunft steigen oder womöglich sogar fallen werden? Wie sind die Aussichten, ein Objekt womöglich zu vermieten oder weiter zu verkaufen? Das sind Fragen, die ein Makler beantworten kann.

2.   Ein Makler kann den Wert einer Immobilie realistisch einschätzen

Der Immobilienmarkt ist unübersichtlich. Und jede Immobilie in der Preisfindung individuell zu bewerten. Das kann keine Software und kein Algorithmus der Welt leisten. Ein Makler jedoch kann mithilfe seiner jahrelangen Erfahrung und seiner Expertise in der Regel sehr gut abschätzen, welchen Wert eine Immobilie tatsächlich hat. Dabei kommt es auf die Lage, die Fläche, die Bausubstanz, aber auch auf viele andere Dinge an. Für Eigentümer einer Immobilie ist es sehr schwer, den marktüblichen Wert zu bestimmen. Man schätzt den Wert entweder zu hoch ein und verschreckt damit potenzielle Käufer, oder man schätzt die Immobilie zu niedrig ein und verhilft hierdurch dem Käufer zu einem „Schnäppchen“. Die Investition in einen Makler dürfte sich alleine durch diesen Aspekt in der Regel amortisieren.

3.   Ein Makler kennt die Gesetzeslage sowie Fallstricke

Ein guter Makler beschränkt sich nicht allein auf die Abwicklung eines Kaufs oder Verkaufs. Er oder sie wird immer auch die Rolle eines Beraters darstellen, der in einer Branche engagiert ist, die für viele Menschen fremd ist. Die meisten haben nur ein oder zweimal im Leben mit größeren Immobilien-Transaktionen zu tun und sind schnell mit steuerlichen oder rechtlichen Themen überfordert, zumal es häufig bei Käufen um sehr viel Geld geht. Umso wichtiger ist es, sich hier den professionellen Rat eines Fachmanns zu holen, der idealerweise eine entsprechende Zertifizierung und Ausbildung sowie angemessene Referenzen vorzuweisen hat. Ein guter Makler ist weder Steuerberater noch Jurist; doch kann er sehr wohl Fachleute dort empfehlen, wo sie nötig sind.

4.   Ein Makler kümmert sich um alle wichtigen Dokumente

Ein guter Makler weiß sehr gut, welche Unterlagen für den Hausverkauf notwendig sind und kümmert sich deshalb darum, diese Dokumente zu organisieren, vorauszufüllen, zu sortieren und aufzubewahren. Sobald ein Kauf vereinbart wurde, kann der Makler auch gemeinsam mit einem Notar einen Kaufvertrag aufsetzen. Zudem begleitet er Käufer und Verkäufer zur notariellen Beurkundung des Kaufvertrags. Abschließend kümmert er sich auch um die Übergabe des Objekts an den Käufer. Dieses Management von Dokumenten und Terminen ist ein wichtiges Plus eines Maklers gegenüber der anonymen Transaktion über ein Portal.

5.   Ein Makler kennt sich mit Immobilienfinanzierungen aus

Die meisten Käufer gehen nach dem Entschluss zum Erwerb eines Hauses oder einer Wohnung zu ihrer Hausbank. Das muss nicht das schlechteste sein. Aber Makler haben bereits hunderte solcher Projekte abgewickelt und wissen daher, wie es gelingen kann, einen Kauf optimal zu finanzieren. Die Konditionen für Kredite können bei Banken durchaus auseinander gehen, auch die Voraussetzungen zur Vergabe eines Kredits können unterschiedlich sein. Ein Makler ist kein Finanzierungsberater, aber auch hier ist er die Vertrauensperson, die als Schnittstelle zwischen einem Käufer und dem Finanzierungspartner fungieren und eine Rolle erfüllen kann, die auf Portalen nicht zu finden ist und für den es den persönlichen Kontakt mit einem erfahrenen Fachmann braucht.

6.   Ein Makler betreibt Marketing und ist exzellent vernetzt

Masse bedeutet nicht zwangsläufig Klasse. Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass viele Menschen ein Angebot auf einem Immobilienportal sehen und damit zumindest ein Grundinteresse dokumentieren; und umgekehrt finden sich im Netz auch spannende Angebote. Doch daraus nun das richtige für den Käufer oder Verkäufer herauszufiltern, ist eine große Kunst, die sehr viel Zeit kostet und die Erfahrung und Wissen braucht. Ein Immobilienmakler ist jene Person, in der Angebot und Nachfrage aufeinander treffen können. Ein gut vernetzter Makler – und die meisten ausgebildeten, etablierten Experten auf diesem Gebiet verfügen über ein exzellentes Netzwerk – haben in der Regel bereits eine Liste oder Kartei mit Kaufinteressenten auf der einen und Verkaufsobjekten auf der anderen Seite und ist in der Lage, beide Seiten zusammen zu bringen. Die Zusammenarbeit mit einem solchen regional verwurzelten Makler macht also unbedingt Sinn.

Fazit

Wer also nicht selbst ein ausgewiesener Immobilienexperte ist, sollte sich von der Vorstellung verabschieden, den aufwendigen Prozess, der hinter Vermarktung und Verkauf einer Immobilie steckt, ohne professionelle Hilfe abwickeln zu wollen. Die Kosten für einen Makler werden in der Regel immer lohnenswert sein, weil Kunden dadurch einerseits Zeit sparen, weil der Makler im Gegensatz zu den Laien genau weiß, was zu tun ist; andererseits gibt die Zusammenarbeit das beruhigende Gefühl, beim Preis des Objekts nicht einer fatalen Fehleinschätzung unterlegen zu sein, die womöglich zehntausende von Euros kosten kann. Und zu guter Letzt sparen Kunden mit der Zusammenarbeit mit einem Makler nicht nur Zeit und Geld, sondern auch etwas, was man bei einem Immobilienkauf nicht unterschätzen sollte: Nerven.

Die Frankfurterin Lydia Ishikawa lebte 15 Jahre in Japan, bevor sie 1991 wieder mit ihrer Familie zurück in ihre Geburtsstadt kam und ihr Unternehmen Lydia Ishikawa Immobilien GmbH gründete. Ihr Fokus liegt unter anderem auf der Betreuung von Mitarbeitern internationaler Firmen, die für mehrere Jahre nach Deutschland versetzt werden (Expats).

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