Anzeige
29. Juli 2010, 15:16
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Hypothekendarlehen: Maskerade bei Zinsangabe

Bisher galt der Effektivzins eines Hypothekendarlehens als Orientierung, um die tatsächlichen Kosten des Kredits einzuschätzen. Nun öffnet jedoch eine Änderung der Preisangabeverordnung der Irreführung der Kunden Tür und Tor.

Maske-topteaser-shutt 21611650 in Hypothekendarlehen: Maskerade bei Zinsangabe

Seit dem 11. Juni diesen Jahres ist die neue Verbraucherkreditrichtlinie der EU in Kraft. Sie soll dafür sorgen, dass Kreditkunden die Angebote besser vergleichen können. Im Zuge der Umsetzung der europäischen Vorgaben hat die Bundesregierung auch die Preisangabeverordnung neu gefasst und dabei eine folgenschwere Regelung getroffen. Bisher galt die Regelung, dass sich der Effektivzins auf die Dauer der Zinsbindungsfrist bezieht. Nun aber heißt es: Wenn die Rückzahlung länger dauere als die Zinsbindungsfrist – was bei Hypothekendarlehen meist der Fall ist – sei für die Restlaufzeit der aktuelle Zins für variable Darlehen in die Berechnung einzubeziehen.

„Konkret: Wenn der aktuelle Zins für Darlehen mit achtjähriger Zinsbindung bei 3,55 Prozent und für variable Darlehen bei 2,5 Prozent liegt, darf die Bank im Effektivzins beide Zinssätze mischen“, rechnet die Sachverständigen-Societät Vogelsang & Sachs vor. Dies drücke im Angebot den Effektivzins auf wundersame 2,92 Prozent. Diverse Kreditinstitute hätten sich bereits dieser Konditionentrickserei bedient, bei der der angegebene Effektivzins sogar unter dem Nominalzins liegt, was eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit ist.

„Jahrelang wurde Finanzierungswilligen dringend angeraten, bei Baukreditangeboten stets den Effektivzins zu vergleichen, und nun wird dieser dank groben Pfuschs bei der Gesetzgebung über Nacht zu Makulatur“, moniert Peter Sachs, Baufinanzierungs-Sachverständiger bei der Sachverständigen-Societät Vogelsang & Sachs, Friedrichsdorf. Mehr noch: „Die Banken, die weiterhin den Effektivzins nach der bisherigen transparenten Methode ausweisen, verstoßen gegen die neue Preisangabeverordnung und riskieren damit eine Abmahnung.“ Die nun vorgeschriebene Berechnungsweise gehe vollkommen an der Realität vorbei, da die Fortführung von Baudarlehen zu variablen Zinsen hierzulande unüblich ist. Zudem taugt der aktuelle variable Zins nicht als Grundlage für eine Berechnung, die sich auf einen Zeitraum in zehn Jahren und mehr bezieht.

Sachs fordert eine umgehende Rückkehr zur alten Berechnungsmethode. Ansonsten müsse sich der Gesetzgeber fragen lassen, warum er eine transparente Regelung durch ein Konstrukt ersetzt, das jeden Vergleich zur Farce macht. (bk)

Foto: Shutterstock

Anzeige
Newsletter bestellen Alle News zu Objekten, Standorten und Finanzierungen... werktags 16.30 Uhr!

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 11/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Biotech-Fonds – Kfz-Policen – Versicherungen für Wohneigentum – Family Offices

Ab dem 19. Oktober im Handel.

Cash.Special 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Herausforderungen 2018 – bAV-Reform – Elementarschadenversicherung – Digitale Geschäftsmodelle

Ab dem 24. Oktober im Handel.

Versicherungen

xbAV Beratungssoftware mit neuem Geschäftsführer

Boris Haggenmüller verantwortet als Geschäftsführer seit September 2017 das operative Geschäft der xbAV Beratungssoftware GmbH. Zuvor war er der verantwortliche Prokurist des Tochterunternehmens der xbAV AG.

mehr ...

Immobilien

Baufinanzierung: Die Service-Champions

Welche Banken bieten deutschen Kunden den besten Kundenservice bei der Baufinanzierung? Die Kölner Beratungsgesellschaft Servicevalue hat Kunden der Banken hierzu befragt. Eine Bank konnte besonders überzeugen und sicherte sich einen “Gold-Rang”.

mehr ...

Investmentfonds

Finanzbranche befürchtet Blasenbildung an Märkten

Die Politik der Europäischen Zentralbank hat bereits zur Blasenbildung an den Finanzmärkten geführt, oder wird dies noch tun. Dessen ist sich die Finanzbranche sicher. Die Mehrheit wünscht sich den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik, hält dies jedoch gleichzeitig für unwahrscheinlich.

mehr ...

Berater

Insurtechs: Die fairsten digitalen Versicherungsmakler aus Kundensicht

Welche digitalen Versicherungsmakler werden von ihren Kunden als besonders fair wahrgenommen? Das Kölner Analysehaus Servicevalue hat gemeinsam mit Focus-Money die Kunden von 24 Anbietern befragt. Neun von ihnen erhielten die Note “sehr gut”.

mehr ...

Sachwertanlagen

IPP-Fonds der Deutschen Finance schütten aus

Der Asset Manager Deutsche Finance aus München kündigt für seine beiden Fonds IPP Institutional Property Partners Fund I und Fund II Auszahlungen für das Geschäftsjahr 2016 an die Privatanleger an.

mehr ...

Recht

IDD: Umsetzung könnte in Teilen verschoben werden

Wie der AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung e.V. mitteilt, könnte sich der Umsetzungstermin von Teilen der europäischen Richtlinie Insurance Distribution Directive (IDD) verschieben. Die delegierten Rechtsakte sollen nach dem Willen des europäischen Parlaments demnach erst im Oktober 2018 in Kraft treten.

mehr ...