Investmentmärkte noch krisenresistent

Mit einem Transaktionsvolumen von knapp 17,3 Milliarden Euro in den ersten drei Quartalen bleiben die deutschen Investmentmärkte unbeeindruckt von den Finanzmarktturbulenzen auf Kurs. Das Ergebnis des Vorjahreszeitraums wurde um rund ein Drittel gesteigert. Das berichtet BNP Paribas Real Estate (BNPPRE).

Wolkenkratzer1„Mit einem Investmentumsatz von 6,02 Milliarden Euro hat das dritte Quartal die bereits sehr guten beiden ersten Quartale noch einmal leicht übertroffen. Deutschland profitiert nach wie vor von den guten gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Stabilität im Vergleich zu anderen Ländern. Bislang sind noch keine größeren Auswirkungen der Finanzmarktturbulenzen zu spüren. Verantwortlich hierfür ist auch, dass sich das Marktgeschehen weiterhin stark auf Core-Immobilien konzentriert, an denen vor allem eigenkapitalstarke Investoren interessiert sind“, erläutert Piotr Bienkowski, Geschäftsführer der Immobilienberater BNPPRE Deutschland. Nicht nur für ausländische Investoren, die ihren Anteil am Umsatz auf 38 Prozent gesteigert haben, sondern auch für heimische Investoren, die auf 62 Prozent kommen, sei Deutschland ein ausgesprochen wichtiger Markt.

Größtes Interesse an Einzelhandelsimmobilien

Der größte Teil des Transaktionsvolumens entfällt nach BNPPRE-Zahlen mit 13,82 Milliarden Euro (80 Prozent) auf Einzeldeals. Portfolioverkäufe mit mehr als zwei Immobilien kommen auf 3,48 Milliarden Euro (20 Prozent). Auf das größte Investoreninteresse träfen nach wie vor Einzelhandelsimmobilien mit 49 Prozent des Umsatzes. „Die weiterhin gute Verbraucherstimmung, die gerade in Krisenzeiten stabileren Cash-Flows hochwertiger Einzelhandelsobjekte im Vergleich zu anderen Objektarten, sowie die absolute Größe des deutschen Marktes stehen für sichere Investments und treiben den Markt an“, so Bienkowski. Knapp ein Viertel des Transaktionsvolumens sei laut BNPPRE in Büroobjekte investiert worden, wobei Core-Investments den Markt weiterhin klar dominierten. Auf den weiteren Plätzen folgten Logistikimmobilien mit einem Anteil von fünf Prozent und Hotels mit 4,5 Prozent am Investmentumsatz.

An den Big-Six-Standorten (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln und München) wurden nach BNPPRE-Zahlen knapp 8,27 Milliarden Euro umgesetzt (plus 21 Prozent). Vor allem Frankfurt, mit einem Umsatz von 2,14 Milliarden Euro (plus 88 Prozent) an der Spitze, sowie die zweit- und drittplazierten Städte Hamburg mit 1,64 Milliarden Euro (plus 45 Prozent) und München mit 1,57 Milliarden Euro (plus 41 Prozent) konnten demnach kräftige Zuwächse verbuchen. Auch Düsseldorf legte spürbar auf 738 Millionen Euro (plus 27 Prozent) zu. Dagegen mussten Köln mit 615 Millionen Euro (minus 14 Prozent) und Berlin mit 1,55 Milliarden Euro (minus 27 Prozent) Einbußen hinnehmen. Der starke Rückgang in Berlin erklärt sich dabei vor allem aus dem ungewöhnlich guten Ergebnis 2010, das in diesem Jahr kaum zu wiederholen ist.

Die Renditen haben laut BNPPRE an einigen Standorten noch einmal leicht nachgegeben, befinden sich insgesamt aber eindeutig in der Stabilisierungsphase. Die niedrigsten Renditen weist München auf (4,75 Prozent), gefolgt von Hamburg (4,8 Prozent) und Frankfurt (4,9 Prozent). Ebenfalls knapp unter der Fünf-Prozent-Marke liegt demnach Berlin mit 4,95 Prozent. Höher liegen Düsseldorf (fünf Prozent) und Köln mit 5,3 Prozent.

„Da eine ganze Reihe von großen Deals kurz vor dem Abschluss steht, ist für 2011 weiterhin ein Investitionsvolumen von mindestens 22 Milliarden Euro realistisch. Auch für das kommende Jahr sprechen viele Elementarfaktoren für nach wie vor lebhafte Investmentmärkte. Allerdings kann momentan niemand seriös einschätzen, ob sich die Finanzkrise weiter verschärft und damit Finanzierungen wieder spürbar erschwert werden, was sicherlich erhebliche Auswirkungen auf die Immobilienmärkte hätte. Aber selbst wenn der Ernstfall eintreffen sollte, werden deutsche Core-Immobilien auch 2012 auf große Nachfrage treffen. Hierfür spricht einerseits, dass alternative Assetklassen zunehmend unattraktiv würden, andererseits, dass core-orientierte Anleger in der Regel über umfangreiches Eigenkapital verfügen und Finanzierungen leichter realisieren können. Darüber hinaus würden die im europäischen Vergleich stabilen Rahmenbedingungen den Standortvorteil Deutschlands, gerade in einem Krisenszenario, weiter erhöhen“, fasst Bienkowski zusammen. (te)

Foto: Shutterstock

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