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12. Dezember 2012, 16:10
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WGF: Insolvenzverfahren unter Eigenverwaltung

Die WGF Westfälische Grundbesitz- und Finanzverwaltung AG hat einen Antrag auf Eigenverwaltung im Rahmen der Insolvenzordnung gestellt. Der erst gestern veröffentlichte Jahresabschluss für 2011 weist einen Bilanzverlust von über 71 Millionen Euro aus. 

Pino Sergio-127x150 in WGF: Insolvenzverfahren unter Eigenverwaltung

Pino Sergio, WGF

Die WGF unter Führung ihres Vorstandsvorsitzenden Pino Sergio ist auf Hypothekenanleihen spezialisiert. Die am 14. Dezember 2012 anstehende Rückzahlung für die Zeichner der Anleihe WGFH06 (43 Millionen Euro Zeichnungsvolumen) ist nun bis auf weiteres ausgesetzt, gab das Unternehmen gestern bekannt.

Einer WGF-Mitteilung zufolge hat der Vorstand “im Interesse der Anleger” beschlossen, aufgrund des Verlustes einen Antrag auf Eigenverwaltung gemäß den Paragrafen 270, 270 a der Insolvenzordnung zu stellen. Im Unterschied zu einer klassischen Insolvenz übernimmt in diesem Verfahren kein Insolvenzverwalter die Sanierung, sondern der Vorstand selbst in Zusammenarbeit mit einem vom Gericht bestellten Sachwalter. Im Rahmen einer gerichtlichen Überwachung betreibt das Unternehmen in Eigenverwaltung die Sanierung mit der Folge, dass Einzelvollstreckungen für diesen Zeitraum unzulässig sind. Zum vorläufigen Sachwalter wurde Professor Rolf Rattunde bestellt.

Ziel des gesamten Verfahrens sei es, “die Bevorzugung von Einzelinteressen zu vermeiden und zu verhindern, dass die Immobiliensubstanz der WGF AG durch Bedienung kurzfristiger Interessen – beispielsweise mit Notverkäufen werthaltiger Immobilien – beschädigt wird.” Es gehe darum, die vorhandenen Immobilienwerte im Interesse der Anleger und des Unternehmens zu schützen.

Der Aufsichtsrat (AR) habe dem Vorstand der WGF in seiner Sitzung vom 7. Dezember 2012 trotz der schwierigen Lage ausdrücklich sein Vertrauen ausgesprochen, so die Unternehmensmitteilung weiter. Die Entwicklung sei im Wesentlichen marktbedingt. Hinzugekommen sei Mitte 2011 durch “ungerechtfertigte Mediendarstellungen ein Reputationsschaden, der die durch zwei Banken bereits zugesagte Platzierung von Genussscheinen zur Stärkung der Eigenkapitalbasis stoppte”.

Eigenen Aussagen zufolge will die WGF mit Unterstützung einer Unternehmensberatung im Rahmen des Insolvenzverfahrens ein Sanierungskonzept erarbeiten, das die bereits begonnene Neuausrichtung des Unternehmens als Projektentwickler auf eine langfristig solide Basis stellt. Der bisherige Geschäftsbereich Immobilienhandel soll durch den Bereich Projektentwicklung für institutionelle Investoren und Family Offices abgelöst werden. Im Bereich Projektentwicklung weise WGF nach eigenen Angaben eine “hohe Kompetenz” auf. Projekte von rund 1,1 Milliarden Euro Volumen seien in Arbeit beziehungsweise in Verhandlung mit interessierten Kooperationspartnern.

Da die Projektentwicklungs-Tochter Ilse Bau und Planung GmbH ist von der Eigenverwaltung nicht betroffen ist, kann laut WGF “auch in der Sanierungsphase planmäßig und ohne jede Einschränkung weiter entwickelt und gebaut werden”. Auch die Finanzierung sei gesichert.

Der AR-Vorsitzende Professor Hans-Peter Schwintowski, sehe, so die Mitteilung, gemeinsam mit allen AR-Mitgliedern Chancen für eine Sanierung des Unternehmens, da das Geschäftsmodell insbesondere mit der Neuausrichtung als Projektentwickler weiterhin stimmig sei: Die Wertschöpfung bei Immobilien durch Neubau und/oder Revitalisierung, Weiterentwicklung und gewinnbringenden Verkauf an Investoren. (te)

Foto: WGF

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2 Kommentare

  1. Dem Kommentar von Herrn Schulze zustimmend, ist es jetzt an der Zeit, dass ein unabhängiger Insolvenzverwalter den Anlegern eine wahrheitsgetreue Interpretation der veröffentlichten Bilanz vorlegt. Unverständlich ist dabei, dass es als plausibel dargestellt wird, dass der Vorstand weiterhin für die Insolvenzverwaltung in Frage kommt.
    In der WGF-Pressemitteilung vom 11.12.12 heißt es: “Die Entwicklung sei im Wesentlichen marktbedingt. Hinzugekommen sei Mitte 2011 durch ungerechtfertigte Mediendarstellungen ein Reputationsschaden, der die durch zwei Banken bereits zugesagte Platzierung von Genussscheinen zur Stärkung der Eigenkapitalbasis stoppte.” Woanders (premiumpresse.de): “nachdem durch einen Reputationsschaden wegen ungerechtfertigter Darstellung der WGF AG in einigen Medien die Kurse von Anleihen der WGF AG abgestürzt waren, somit neue Hypothekenanleihen zur Refinanzierung der strategischen Neuausrichtung an den Märkten nicht mehr zu platzieren waren”.
    Es bedarf
    Die aktuelle Diskussion und Offenlegung der Gründe für den drastischen Ausfall der WGF06 sind richtungsweisend für die anstehende Entwicklung auf dem Markt hypothekenbesicherter Anleihen. Emittenten sowie Anleger zugleich ziehen ihre Schlüsse aus dem aktuellen Gespräch. Wichtig ist dabei, dass die kritische Beurteilung des Geschehenen auf rationalen und fundierten Einsichten basiert. Es bedarf einer tiefergehenden Behandlung der Situation, um essentielle Zusammenhänge in einem globalen Bild sichtbar zu machen. Daher veröffentlichten wir bereits vergangene Woche eine Analyse der WGF-Anleihen sowie anderer, ähnlich gefährdeter Anbieter. Nachzulesen unter: http://essenceoffinance.com/de/2012/12/11/wgf_insolvenz/

    Kommentar von Krystian Bandzimiera — 13. Dezember 2012 @ 16:17

  2. Interessant ist, dass im Aufsichtsrat neben Prof. Schintowski (Inhaber eines Lehrstuhls mit Schwerpunkt Wirtschaftsrecht (!!!) an der Humboldt-Universität in Berlin) auch ein von der BaFin geprüfter Dr. Wolfram Gerdes (ehemaliger Vorstand einer Versicherung bzw. heute einer Zusatzversorgungskasse) sitzt. Im Jahr 2011 war auch Prof. Gerke (der in Medien immer als Finanzguru beschrieben wird) Aufsichtsrat der Gesellschaft. Wie kann man nicht sehen (wollen), dass die WGF systematisch an die Wand gefahren wird – und das mit Geldern von Privatanlegern. Aber anstatt dass die Verantwortlichen im Vorstand und im Aufsichtsrat zur Rechenschaft für Betrug, Bilanzfälschung und Insolvenzverschleppung gezogen werden (der Geschäftsbericht ist seit Monaten überfällig), dürfen die Herren Vorstände einfach das Geschäft weitermachen. Die Verantwortungslosigkeit ist zudem klar im Geschäftsbericht (oder besser Rechtfertigungsbericht) nachzulesen: dort wird berichtet, dass die Schuld sind, die das System 2011 schon durchschaut es als Schneeballsystem bezeichnet haben. Das ist eigentlich unglaublich. Da wird es vor Gericht noch für alle Beteiligten viele schöne Stunden geben.

    Kommentar von Markus Schulze — 12. Dezember 2012 @ 23:33

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