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6. Juni 2017, 13:45
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Berlin ist nicht nur Mitte

Man muss nicht einmal in den internationalen Vergleich gehen – wobei Berlin das als Hauptstadt und veritable Weltmetropole durchaus zulassen würde. Dennoch schneidet die Stadt als relativ preiswert ab, auch neben den anderen großen deutschen Städten. Ist Berlin noch zu günstig? Gastbeitrag von Einar Skjerven, geschäftsführender Gesellschafter der Skjerven Group.

Einar-Skjerven-Kopie in Berlin ist nicht nur Mitte

Einar Skjerven, geschäftsführender Gesellschafter der Skjerven Group: “Der allgemeine Eindruck vom hochpreisigen Berlin speist sich oftmals aus dem Niveau, das im Ortsteil Mitte vorherrscht.”

Kaum steigen die Immobilienpreise, wird ringsum die Bildung einer Blase prophezeit. Wichtig ist aber, einen Preisanstieg nicht isoliert zu betrachten. Um eine Überbewertung zu erkennen, sollte man auch das jeweilige Verhältnis zum Lohnniveau im Auge haben.

Deutschlandweit steigen die Löhne seit Jahren stabil an. Hinzu kommt, dass – anders als etwa vor der Subprime-Krise in den USA – die Privatverschuldung der Deutschen vergleichsweise gering ist. Ein Beispiel: In Portugal betragen die Schulden der privaten Haushalte fast 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, das belegen Zahlen der nationalen Banken und Statistikämter.

Wachstum ohne Blase

In der Bundesrepublik hingegen liegt der Wert bei lediglich 60 Prozent. Wollte man die Immobilienpreise in der Hauptstadt für überbewertet erklären, und so von einer Blase sprechen, müsste man das Lohnniveau und das immer noch enorme Potenzial der Hauptstadt ignorieren.

Dieses Potenzial besteht auch darin, dass in Berlin nach wie vor neuer Wohnraum benötigt und gebaut wird. Wenn es diesen Bedarf gibt, ist der Wertverlust bei Neubauten, der Teil einer Blase sein kann, sehr unwahrscheinlich.

Der allgemeine Eindruck vom hochpreisigen Berlin speist sich oftmals aus dem Niveau, das im Ortsteil Mitte vorherrscht. Zwar liegen die Bodenrichtwerte selbst dort noch weit unter denen in beispielsweise Teilen Münchens, trotzdem sorgen sie für Unkenrufe, die sich auf die gesamte Stadt beziehen.

Immobilienmarkt ist so facettenreich wie Bevölkerung

Zu Unrecht, sage ich. Während die Richtwerte in Berlin-Mitte bei durchschnittlich 2.000 Euro pro Quadratmeter liegen, sind sie in anderen zentralen Stadtteilen wie Charlottenburg zum Teil nur halb so hoch. Denn Berlin hat mehr zu bieten als die Friedrichstraße und Unter den Linden.

Wie kaum eine andere Stadt der Republik vereint die Spreemetropole alle wirtschaftlichen Vorteile eines internationalen Handels- und Finanzzentrums mit Kultur, Kiez und Stil. Besonders in Bezirken wie Friedrichshain- Kreuzberg, aber auch in den Ortsteilen Schöneberg, Wedding und Moabit gibt es eine einzigartige Mischung von jungen Kreativschaffenden, Akademikern und Unternehmern, die die Lagen umso wertvoller macht.

Eine weitläufige, bunte und vielseitige Stadt wie Berlin kann man nicht nach einem einzigen Ortsteil bewerten – und der Immobilienmarkt der Hauptstadt ist genauso facettenreich wie ihre Bevölkerung. Es fordert ein gutes Gespür, um sich nicht verunsichern zu lassen. Aber ich bin mir sicher: Der Berliner Immobilienmarkt hat noch viel Luft nach oben.

Gastbeitrag von Einar Skjerven, geschäftsführender Gesellschafter der Skjerven Group.

Foto: Skjerven Group

 

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