Büroknappheit – unterschätzte Gefahr für die Wirtschaft

Der Bau von neuen Gewerbeimmobilien steht gerade in den Ballungszentren im ständigen Konkurrenzkampf mit Wohnimmobilien. Aufstrebende Unternehmen haben deshalb oft nicht die räumlichen Möglichkeiten zu expandieren. Die zunehmende Büroknappheit stellt eine ernstzunehmende Gefahr für die gesamtdeutsche Wirtschaft dar. Ein Gastbeitrag von Lukas Pieczonka, McMakler

Lukas Pieczonka, McMakler: „Die Immobilien, die 2018 fertiggestellt werden sollen, sind bereits zu 60 Prozent vermietet.“

Wirtschaftsimmobilien werden immer beliebtere Investitionsobjekte, das zeigt das aktuelle Frühlingsgutachten des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA). Im letzten Jahr stieg die Investitionssumme um enorme 9,8 Prozent. Das entspricht einem Wert von 58,1 Milliarden Euro, von dem allein 24,4 Milliarden Euro in Büroimmobilien investiert wurden. Über die Hälfte davon wurden in den sogenannten sieben A-Städten investiert, dazu zählen Berlin, München und Hamburg. Trotzdem warnt der Präsident des ZIA, Andreas Mattner, dass sich die Büroknappheit in den Metropolen immer weiter verschärfen wird.

Konkurrenzkampf zu Wohnimmobilien macht Büroimmobilien-Segment zu schaffen

Die Problematik der Büroimmobilien liegt nicht darin, dass es keine Investoren gibt, sondern vor allem im Konkurrenzkampf zu Wohnimmobilien. Bauprojekte im Bereich Wohnen werden staatlich weiterhin priorisiert. Aufgrund des vom BMAS vorhergesagten Bevölkerungsanstiegs ist dies verständlich, allerdings werden wirtschaftliche Aspekte außen vorgelassen. Auch das Institut der deutschen Wirtschaft prognostiziert, dass die Zahl der Bürobeschäftigten weiter steigen wird. So sind die Beschäftigtenzahlen in den Metropolen München und Berlin seit 2013 um jeweils 13 und 17 Prozent gestiegen.

Andreas Schulten, Vorstand der Bulwiengesa AG, macht deutlich: „Die zunehmende Büroverknappung kann deutliche Konsequenzen für die wirtschaftliche Entwicklung der Städte haben. Unternehmen könnten gezwungen sein, bestehende Expansionen zu verschieben oder neue Flächen an anderen Standorten anzumieten.“

Der Konkurrenzkampf lässt sich auch an der Bodenflächennutzung Deutschlands erkennen. Wo im bundesdeutschen Durchschnitt die Bilanz nicht schlecht ausfällt, ist der Blick in die Wirtschaftszentren eher mäßig vielversprechend. Das Statistische Bundesamt gibt an, dass den 13.669 Quadratkilometer an Wohnbaufläche knapp über 6.000 Quadratkilometer Industrie- und Gewerbefläche gegenüberstehen. Wobei Bürofläche nur ein Anteil der Gewerbefläche ausmacht.

Problem der Vorvermietung

Die Zahlen der Großstädte zeigen aber ein anderes Bild. In Hamburg gibt es fast zweieinhalb Mal so viel Wohnbaufläche wie Industrie- und Gewerbefläche. In Berlin sind es sogar mehr als drei Mal so viel Wohnbaufläche. Demzufolge stellen die Immobilienweisen in ihrer Frühjahrsprognose auch einen Rückgang von 16,5 Prozent bei der Fertigstellung von Bürofläche fest. Neben dem Mangel an Neubauten haben gerade junge Unternehmen das Problem der Vorvermietung. So sind 2017 nur ein Viertel der entstandenen Flächen überhaupt als Leerstand ausgeschrieben. Die mangelnde Bautätigkeit und Vorvermietung mindert also zwangsläufig den allgemein zugänglichen Leerstand, der in einer Gefahr für das Wachstum resultiert.

Seite zwei: Berlin kämpft extrem niedrigen Leerständen

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