7. November 2019, 15:30
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Berlin erobert sich Spitzenplatz im Städteranking

Das HWWI/Berenberg-Städteranking hat eine neue Nummer eins. Gleich drei Großstädte im Osten Deutschlands können sich in den Top 10 behaupten.

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Berlin erobert sich den Spitzenplatz im Ranking von HWWI und Berenberg.

Berlin setzt sich zum ersten Mal an die Spitze der 30 größten Städte Deutschlands. Leipzig erzielt erneut den zweiten Platz im Gesamtranking, Dresden kommt auf den siebten Platz. Bei München zeigen sich erste Grenzen des Wachstums: Die bayerische Landeshauptstadt wächst nicht mehr so dynamisch wie in der Vergangenheit und rutscht auf Platz 3.

Bereits zum sechsten Mal haben das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) und die Privatbank Berenberg die Wettbewerbsfähigkeit der 30 größten Städte Deutschlands untersucht. „Die Zukunftsfähigkeit Deutschlands hängt maßgeblich von den ökonomischen und demografischen Entwicklungen seiner großen Städte ab. In ihnen konzentrieren sich die wirtschaftlichen Aktivitäten unseres Landes, hier wird das Wachstum ganzer Regionen forciert und angetrieben“, sagt Dr. Hans-Walter Peters, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter von Berenberg. „Es ist erfreulich zu sehen, dass es die größten Städte im Osten Deutschlands, also Leipzig und Dresden und insbesondere auch Berlin, 30 Jahre nach dem Mauerfall geschafft haben, sich im deutschen Städtevergleich ganz oben zu positionieren und gute Zukunftsaussichten aufweisen.“

Die Bedeutung der Städte als Lebens- und Wirtschaftsraum nimmt weiter zu. Derzeit leben 23 % der deutschen Bevölkerung in den 30 größten Städten. Hier wachsen Produktivität und Bevölkerung schneller als im Bundesdurchschnitt.

Untersucht werden die Städte hinsichtlich ihrer gegenwärtigen ökonomischen Leistungsfähigkeit (Trendindex), ihrer zukünftigen demografischen Entwicklungen (Demografieindex) sowie wesentlicher Standortfaktoren wie Bildung, Innovation, Internationalität und Erreichbarkeit (Standortindex). Da das Bildungsniveau der Stadtbevölkerung hoch ist, und sich Universitäten und Forschungseinrichtungen überwiegend in urbanen Zentren ansiedeln, können Unternehmen wissensintensiver Branchen hier auf ein umfangreiches Angebot an qualifizierten Arbeitskräften zurückgreifen. „Regionale Ballungszentren steigern den Austausch sowie die Arbeitsteilung und Spezialisierung in der Wissensökonomie, was sich positiv auf die Entwicklung der Städte auswirkt“, sagt HWWI-Direktor Prof. Dr. Henning Vöpel.

Die Ergebnisse im Detail

Berlin schafft es nach einem fünften Platz in 2017 an die Spitze der 30 größten Städte. Die Hauptstadt punktet mit einem hohen prozentualen Bevölkerungsanstieg (+4,1 %), dem höchsten Wachstum bei der Erwerbstätigkeit aller 30 Städte (+6,8 %) sowie einer deutlichen Verbesserung der Produktivität. „Berlin hat sich zu einer der dynamischsten Städte Deutschlands entwickelt. Gute Standortfaktoren, insbesondere die Internationalität und Erreichbarkeit, tragen zur positiven Entwicklung bei“, sagt Peters. Die Zukunftsperspektiven für die Hauptstadt sind ausgezeichnet: Bis zum Jahr 2030 wird ein weiterer hoher prozentualer Zuwachs bei der Bevölkerungszahl sowie ein weiterer absoluter Anstieg bei den Erwerbspersonen (+101.000) erwartet. Auch die unter 20-jährige Bevölkerung wird sich in Berlin überdurchschnittlich positiv entwickeln. „Da Fachkräfte zum entscheidenden Engpassfaktor im Wettbewerb um die Ansiedlung von Unternehmen werden können, wird die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit einer Stadt zunehmend von den Entwicklungen bei der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter bestimmt“, sagt Vöpel.

Leipzig behauptet sich auf dem zweiten Platz und verfehlt den Sieg nur knapp. Keine andere Stadt konnte in den letzten Jahren ihre ökonomische Leistungsfähigkeit so dynamisch verbessern wie die größte Stadt Sachsens. Mit knapp 7 % verbucht sie zudem das größte Bevölkerungswachstum aller 30 Städte in den letzten Jahren. Und dieser Trend wird sich fortsetzen, denn auch bei den Bevölkerungsprognosen bis 2030, insbesondere bei den unter 20-Jährigen sowie den Erwerbspersonen, liegt Leipzig in den Prognosen ganz vorn. Die hervorragenden Entwicklungen im Trend- und Demografieindex sind in Leipzig im Vergleich so hoch, dass das schlechtere Abschneiden im Standortindex seit Jahren überkompensiert wird. „Die unterdurchschnittlich ausgeprägten Standortfaktoren Bildung und Innovation, Internationalität und Erreichbarkeit in Leipzig haben deutliches Entwicklungspotenzial nach oben“, so Vöpel.

München verliert seinen Spitzenplatz (2017 und 2015) und rutscht von Platz 1 auf Rang 3 im Gesamtkranking ab. In der bayerischen Landeshauptstadt machen sich erste Grenzen des Wachstums bemerkbar. Für die in den letzten Jahren stark gewachsene Metropole mit dem höchsten Produktivitätsniveau aller Städte sind weitere Steigerungsraten deutlich schwieriger zu realisieren als für Berlin und Leipzig, deren Produktivitätsniveaus 30 % bis 40 % unter dem von München liegen. Trotz alledem sind die ökonomischen Zukunftsaussichten der bayerischen Landeshauptstadt weiterhin glänzend. „München ist nicht zuletzt aufgrund des Anteils hochqualifizierter Arbeitskräfte und wissensintensiver Branchen sehr gut aufgestellt“, so Vöpel.

Frankfurt am Main belegt im diesjährigen Gesamtranking Platz 4. Bei den Standortfaktoren kann die Mainmetropole ihren Vorsprung vor München knapp verteidigen und steht hier das sechste Mal in Folge ganz oben. „Frankfurt konnte vor allem beim Anteil der akademisch ausgebildeten Beschäftigten, einer hohen Internationalität sowie einer guten Erreichbarkeit punkten. Darüber hinaus sind die demografischen Prognosen bei der Bevölkerungsentwicklung, vor allem bei den unter 20-Jährigen und den Erwerbspersonen, für die Bankenmetropole hervorragend“, erklärt Peters.

Gute Zukunftsaussichten eröffnen sich auch für Köln (Rang 5) und Hamburg (Rang 6), da sie in allen Bereichen ausgeglichene Bedingungen für Unternehmen und Menschen anbieten. „Diese Städte offenbaren keine wesentlichen Schwächen und zeigen in den Rankings seit Jahren eine weitgehende Konstanz“, sagt Peters.

Wuppertal (Rang 14) und Augsburg (Rang 8) sind die größten Aufsteiger und springen gegenüber dem Ranking 2017 um elf bzw. zehn Plätze nach vorn. Wuppertal kann sich erstmals dank einer sehr positiven Produktivitäts- und Erwerbstätigenentwicklung, hoher Fertilitätsquoten (Geburtenziffer) und einer positiven Prognose zur Entwicklung der unter 20-jährigen Bevölkerung in der vorderen Hälfte des Gesamtindexes platzieren. Bei Augsburg ist der Sprung in die Top 10 im Gesamtindex insbesondere auf deutlich verbesserte demografische Prognosen zurückzuführen.

Höhere Abstufungen gegenüber dem vorigen Ranking mussten Wiesbaden (minus neun Ränge) sowie Braunschweig und Bielefeld (jeweils minus sechs Ränge) hinnehmen. Wiesbaden verlor in allen drei Indizes. Braunschweigs Abstieg fußt auf Verlusten im Demografie- und Standortindex, während Bielefeld neben dem Demografie- auch im Trendindex deutlich niedriger eingestuft wurde.

Im unteren Drittel des Feldes entwickeln sich Mönchengladbach (Rang 22) und das langjährige Schlusslicht Chemnitz (Rang 26) erfreulich und platzieren sich vier bzw. drei Ränge weiter vorn als noch vor zwei Jahren. Gelsenkirchen (Rang 30) liegt wie im vorherigen Ranking auf dem letzten Platz.

Resümee

„Viele der 30 Großstädte sind sehr gut, andere deutlich schlechter für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet. Positive Zukunftsaussichten haben diejenigen Städte, die Bevölkerung und Unternehmen hervorragende Standortbedingungen bieten und den Strukturwandel hin zur Wissenswirtschaft erfolgreich vollziehen“, resümiert Peters. „Erfreulich ist, dass sich die Entwicklungspfade der Städte, die am unteren Ende des Rankings stehen und Defizite aufweisen, gegenüber den sich erfolgreich entwickelnden Städten an der Spitze erstmals leicht angeglichen haben. Der Abstand zwischen dem Spitzenreiter und dem Schlusslicht hat sich gegenüber dem letzten Ranking leicht verringert.“

Foto: Shutterstock

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