Nur durch Nachverdichtung werden sich die Preise wieder normalisieren

Der Wohnraummangel in unseren Großstädten ist ein Dauerthema. Schon seit mindestens drei Jahren wird darüber gesellschaftlich immer wieder kontrovers diskutiert, ohne dass wirksame Veränderungen geschehen. Lassen Sie uns daher einmal gemeinsam Gedanken dazu machen, wie das Preiswachstum in unseren Metropolen sich zumindest ein wenig wieder auf ein Normalniveau einpendeln könnte. Ein Gastbeitrag von Patrick Herzog-Smethurst, Geschäftsführer der DKW Gruppe.

Patrick Herzog-Smethurst, Geschäftsführer der DKW Gruppe.

Es ist nur bedingt sinnvoll, in Großstädten wie München, Frankfurt am Main und Berlin nach den letzten Großflächen zu rufen, die in irgendeiner Weise problembehaftet sind. Mal ist die Eigentumsfrage nicht eindeutig geklärt, ein anderes Mal müsste ein Gelände erst aufwendig dekontaminiert werden.

Neue Konzepte werden benötigt

In einzelnen Fällen gibt es solche „Filetgrundstücke“ noch, sie werden aber immer seltener. Statt danach zu suchen, wäre es für unsere Städte eine enorme Entlastung, dort nachzuverdichten, wo es möglich ist: nämlich im Kleinen.

Längerfristig betrachtet wird insbesondere in den Ballungsgebieten der eigene Pkw eine zunehmend geringere Rolle spielen. Eine verbesserte ÖPNV-Anbindung, mehr E-Bikes und bald auch E-Scooter lassen die Anzahl benötigter Parkplätze schrumpfen.

Gerade in Berlin wurden in der Nachkriegszeit viele Innenhöfe als Parkfläche genutzt. Es wäre ein Leichtes, dort Wohnhäuser zu bauen. Es müssten eben nur Bewohner, örtliche Politik und Entwickler an einem Strang ziehen. Pro Großstadt könnte dieser Weg schon einmal einige tausend Wohnungen schaffen.

Potenzial von einer Million Wohnungen

Das gilt ebenso für den Ausbau von Dächern, wurden doch gerade die klassischen Mehrfamilienhäuser mit Giebeldach mit großen Dachböden ausgestattet, in denen die Bewohner dann in ihren Kammern meistens nur alte Matratzen lagerten. Gegenwärtig wäre der Ausbau von Dachgeschossen eine riesige Chance. Immer wieder ist zu hören, dass solche Planungen an Kleinigkeiten scheitern.

Mal ist ein Dachausbau in ursprünglichen Bauplänen nicht vorgesehen, ein anderes Mal haben Nachbarn Angst vor kurzzeitigem Baulärm. Dabei ist eine wärmeisolierte Dachgeschosswohnung mit entsprechender Raumhöhe gerade bei jungen Leuten beliebt und schafft Platz.

Zählen wir bebaubare Innenhöfe und aufstockbare Häuser zusammen, kommen wir auf ein gigantisches Potenzial von einer Million Wohnungen in unseren Städten. Eine erstaunliche Größenordnung, die gerade vor übertriebenen Preisen und Mieten schützen könnte.

Bundesregierung hinkt eigenen Versprechen hinterher

Die Bundesregierung hatte zu Beginn ihrer Amtszeit versprochen, 1,5 Millionen Wohnungen zu bauen. Bisher hinkt sie diesem Versprechen deutlich hinterher. Umso wichtiger sind daher regionale Aktivitäten der Städte – auch im Bereich des sozialen Wohnungsbaus, der weiteren Raum schaffen würde. Jüngsten Zahlen zufolge könnte Berlin in Kürze bis zu 100 Grundstücke aus dem Bundesbesitz erhalten.

Da der Berliner Senat mit seinen kommunalen Wohnungsbaugesellschaften nicht gleichzeitig so viele Grundstücke bebauen kann, wäre es angebracht, ungenutzte Flächen auch der freien Wirtschaft zur Verfügung zu stellen. Gerade erfahrene Entwickler verfügen über das Know-how, um zügig Wohnraum zu schaffen.

 

Foto: DKW Gruppe.

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