21. Oktober 2019, 17:58
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Unsichtbaren Wohnraum nutzen

In deutschen Metropolen sind viele ältere Bestandswohnungen zu groß, denn die Bevölkerung wird vor allem in Großstädten immer mehr zur Single-Gesellschaft. Es werden daher mehr kleinere Apartments statt großzügig geschnittener Wohnungen benötigt. Doch anstatt die Flächeneffizienz im Bestand zu verbessern, wird sie aktiv verhindert. Schuld daran ist unter anderem die verstärkte Ausweisung von Milieuschutzgebieten.

Altbau-Berlin-Kopie in Unsichtbaren Wohnraum nutzen

Albauten in Berlin: Die Deutschen kaufen mehrheitlich Bestandsimmobilien.

Seit zehn Jahren werden von Jahr zu Jahr immer mehr Wohnungen gebaut. Trotzdem fehlt Wohnraum in den Metropolen. Die Zahl der Einwohner in Deutschland ist seit 1990 um zwei Millionen gestiegen. Durchschnittlich leben zwei Personen in einem Haushalt. Eigentlich müssten also eine Million neue Wohnungen ausreichen, um den Bedarf zu decken. Seit 1991 wurden jedoch sage und schreibe sieben Millionen neue Wohnungen gebaut. Wo sind also die sechs Millionen Wohneinheiten geblieben, die rechnerisch eigentlich zu viel gebaut wurden? Ein Problem sind sicherlich Zweit- und Dritt-Wohnungen. Das andere ist der Ort der Neubauten: Durch die fortschreitende Urbanisierung stehen rund zwei Millionen Einheiten abseits der Metropolen leer. Hier wurde in den vergangenen 20 Jahren schlicht am Bedarf vorbei neuer Wohnraum geschaffen. Aber das größte Potenzial, neuen Wohnraum in den Metropolen ohne Neubau zu schaffen, bietet die Nutzung des sogenannten unsichtbaren Wohnraums.

Familien werden kleiner

Was ist damit gemeint? Es handelt sich dabei um Wohnungen, die für die Bewohner zu groß sind, weil sie nicht mehr die ganze Wohnfläche benötigen. Dies ist immer öfter der Fall. Familien werden kleiner, immer mehr Menschen in den Großstädten wohnen allein. Nur die Bestandswohnungen werden nicht den neuen Anforderungen angepasst. So wohnen rund vier Millionen Ein-Personen-Haushalte in Wohnungen, die größer sind als 80 Quadratmeter.

Berlin ist kein Vorbild

Aber die Politik, vor allem in Berlin, zeigt derzeit keinen Willen, dieses Potenzial zu heben – trotz des zunehmenden Wohnraummangels. Das Gegenteil ist sogar der Fall. In der Hauptstadt wird es mit der verstärkten Ausweisung von Milieuschutzgebieten aktiv verhindert. Viele Wohnungen in diesen Vierteln sind Altbauwohnungen, die über keine gute Flächeneffizienz verfügen. Dies zu ändern, ist schwierig, denn Grundrissänderungen sind in Milieuschutzgebieten grundsätzlich genehmigungspflichtig und werden regelmäßig versagt. Das Gegenmittel dafür ist einfach und bekannt: Den Umbau zu kleineren Wohnungen fördern, statt ihn zu verbieten. Insbesondere beim Milieuschutz könnten und sollten Ausnahmeregelungen geschaffen werden, wenn durch Umbauten mehr Wohneinheiten entstehen.

Autor Dr. Esfandiar Khorrami ist Partner und Rechtsanwalt bei Bottermann Khorrami.

Foto: Shutterstock

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