7. März 2019, 05:21
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Wulff Aengevelt: “Ideologischer Irrweg Bestellerprinzip”

Karl Schiller, erster sozialdemokratischer Bundesminister für Wirtschaft der BRD, würde sich vermutlich im Grabe umdrehen angesichts der Gesetzesinitiative zur Einführung des Bestellerprinzips auch beim Immobilienkauf.

Statement von Dr. Wulff Aengevelt, Aengevelt Immobilien

Wulff Aengevelt: Ideologischer Irrweg Bestellerprinzip

Dr. Wulff Aengevelt: “Das Bestellerprinzip bedeutet einen immensen Schaden für die Verbraucher.”

Als hochrenommiertem Wissenschaftler und Professor für Wirtschaftstheorie wäre Schiller klar gewesen, dass zeitnah nur ein für breite Kreise gezielt miet- und kaufpreisgerechtes Wohnungs(über)angebot die aktuellen knappheits- und energiesparbedingten Preiserhöhungstrends durch gezielt vermehrte Auswahlmöglichkeiten bremsen kann.

Die von breiten Branchenkreisen abgelehnte Ausweitung des Bestellerprinzips baut dagegen keine einzige neue Wohnung, sondern bedeutet für den Verbraucher stattdessen eine Vielzahl gravierender Nachteile:

Kaufpreise steigen weiter

1. Analog zum Vermieter preist auch der Immobilienverkäufer die zukünftig allein auf seine Schultern verlagerte Maklercourtage in der Regel preiserhöhend ein.

Einer Umgehung eines dahin gehenden Verbotes kann nicht Wirksam vorgebeugt werden. Für den Käufer bedeutet dies also einen weiter steigenden Kaufpreis.

2. Durch die Kaufpreiserhöhung steigen in der Folge auch die von der öffentlichen Hand in den letzten Jahren in 14 von 16 Bundessländern mehrfach exorbitant erhöhte Grunderwerbsteuer und die Notarkosten. Diese Mehrkosten muss ebenfalls allein der Erwerber stemmen.

Seite zwei: Finanzierung wird erschwert

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2 Kommentare

  1. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. (iwd) müssen Haus- und Wohnungskäufer im internationalen Vergleich, in Deutschland sehr hohe Maklerprovisionen zahlen.

    Durch die Einführung des Bestellerprinzips würde die Courtage vom Verkäufer bezahlt und die Kaufnebenkosten würden deutlich sinken.

    Nach Recherche des iwd werden für den Kauf einer Großstadtwohnung im Wert von 250.000 Euro in Deutschland, Polen und Österreich jeweils 6 Prozent des Kaufpreises als Provision fällig – in allen anderen Ländern ist die Courtage zum Teil deutlich günstiger.

    Auf Verkäufer und die Makler würde wohl zunächst eine Mehrbelastung zukommen, denn es ist zu erwarten, dass nach Einführung des Bestellerprinzips die Aufträge für die Makler erst einmal zurückgehen, weil die Verkäufer nicht bereit sind, die gesamte Provision zu übernehmen und deshalb versuchen, Kosten zu sparen.

    Die Immobilienbranche ist sich dessen natürlich bewusst, weshalb Sie aktuell mit allen Mitteln versucht gegen die Einführung des Bestellerprinzips vorzugehen.

    Außerdem wird mit Sicherheit die Höhe der Provisionen sinken, weil die Verkäufer sich alternative Angebote einholen was zur Folge hat, dass diese den Preis und die Leistung verhandeln können.

    Makler sind dann gezwungen durch entsprechende Dienstleistungsangebote wie z.B. bei Finanzierungsfragen zu überzeugen.

    Dies hat sich in Großbritannien und den Niederland sehr bewährt.

    Verkäufer werden vermutlich versuchen, die Maklerkosten über den Verkaufspreis abzuwälzen.

    Dies wird ihnen jedoch kaum vollständig gelingen.

    Die Käufer werden somit vom Bestellerprinzip profitieren.

    Unterm Strich ist durch den Wegfall der Käuferprovision in jedem Fall eine Entlastung für den Käufer zu erwarten – und das erleichtert den Erwerb von Wohneigentum.

    Kommentar von Marianne — 7. März 2019 @ 16:54

  2. PRO Bestellerprinzip!

    Gegendarstellung zu den Totschlagargumenten sowie fadenscheinigen Behauptungen der Immobilienmakler und Lobbyisten gegen das Bestellerprinzip.

    “Bestellerprinzip bei Immobilienverkäufen bringt keinen Vorteil für Käufer”.

    “Da die Maklerkosten beim Bestellerprinzip auf den Kaufpreis aufgeschlagen werden, erweist Ministerin Barley dem Hauskäufer einen Bärendienst. Sie verteuert den Kauf sogar noch, da die Nebenkosten noch größer werden”.

    Was glauben Sie, wie hoch die Maklerkosten in Zukunft sein werden, wenn diese rein vom Besteller / Verkäufer zu tragen sind?

    Erst ab diesem Moment werden Makler vergleichbar und es entsteht ein Wettbewerb wie es in allen anderen Branchen selbstverständlich ist.

    Bisher haben die Regeln für Maklerverträge in Deutschland nur wenig mit ‘marktwirtschaftlichen Grundsätzen’ zu tun.

    Es ist gut, wenn diese letzte verbliebene Art des konkludenten Dienstleistungsvertrags verschwindet und durch professionelle Regeln ersetzt wird. In keinem anderen Dienstleistungsbereich im bundesdeutschen Rechtssystem gibt es derart seltsame Regeln.

    Aufgrund des dann entstehenden Marktes ist der Verkäufer in der Verhandlungsposition.

    Es entsteht ein preislicher Wettkampf. Die Folge wird sein, dass sich schnell herausstellen wird welcher Aufwand zum Verkauf einer Immobilie tatsächlich entsteht.

    In Großbritannien, Frankreich, der Schweiz, den Niederlanden, Belgien und Norwegen gibt es das Bestellerprinzip schon seit Jahren. Das hat natürlich Auswirkungen. So liegen Provisionen in den Niederlanden nur mehr bei ungefähr ein bis zwei Prozent.

    Zudem hat bis heute noch kein Makler die Frage beantwortet, wie man es rechtfertigen kann, dass der Verdienst der Makler aufgrund der sehr stark angestiegenen Immobilienpreise explodiert ist.

    Der Aufwand zum Verkauf einer Immobilie ist speziell durch das Internet jedoch sicherlich gesunken, im Vergleich zu vor 15 – 20 Jahren.

    Die Sache mit der Maklercourtage hat in Deutschland eine besondere Tradition. Sie beruht auf über 100 Jahre alten eher schwammigen Regeln im Bürgerlichen Gesetzbuch und richtet sich nach regionalen Gepflogenheiten. Oft hat das mit der Marktsituation oder mit dem tatsächlichen Aufwand, den ein Makler für eine Vermittlung betreiben muss, wenig zu tun. Und vor allem: Käufer zahlen für eine Leistung, auf die sie praktisch keinen Einfluss haben.

    Selbstverständlich spricht nichts dagegen, im zweiten Schritt einen Freibetrag von 500.000Euro bei der Grunderwerbsteuer einzuführen.

    Zusätzlich muss dann auch mal hinterfragt werden, ob die Kosten für den Notar für ca. 1-2h Arbeit gerechtfertigt sind, dem ist sicherlich auch nicht so.

    Somit ist die Einführung des Bestellerprinzips nur als erster Schritt zu sehen.

    Das Argument, dass der Verkäufer die Provision einfach auf den Verkaufspreis aufschlägt, würde voraussetzen, dass er aktuell nicht zum höchst möglichen Preis anbietet!?

    Sorry aber dies ist einfach Quatsch!

    Aufgrund des Immobilienbooms wird aktuell immer ein Verkaufspreis über dem Marktpreis angesetzt und dieser dann in kleinen Schritten gesenkt bis ein Käufer anbeißt.

    Die Maklerprovision kommt hinterher nur noch oben drauf und ist vom Käufer zusätzlich zu stemmen.

    Wenn rein der Verkäufer die Maklergebühr zu tragen hat, ist dieser in Verhandlungsposition und die Maklerprovision wird selbstverständlich nur noch ein Bruchteil von der jetzigen sein.

    Selbst wenn der Verkäufer nun die geringere Maklergebühr auf den Kaufpreis aufschlägt wird der Käufer profitieren.

    Hierzu existiert eine Beispielrechnung von der WELT: (Link darf leider nicht gepostet werden)

    Ergebnis: “Bestellerprinzip beim Kauf spart 850 Euro Zinsen pro Jahr”

    Beispielrechnung siehe WELT bei einem Kauf einer Immobilie für 400.000Euro

    Grund ist der niedrigere Zinssatz für den Käufer bei einem Bestellerprinzip.

     effektiver Jahreszins – Käufer zahlt Provision: 2,01

     effektiver Jahreszins – Käufer zahlt Provision: 1,74

    Es stellt sich die Frage, warum die Immobilienbranche regelrecht Sturm läuft gegen diesen Vorschlag, wenn doch angeblich sowieso “der Verkäufer die Provision dann auf den Verkaufspreis aufschlägt”?!

    Entsteht da bei den Immobilienmaklern plötzlich Mitleid in Bezug auf die Käufer, ihrem aktuell zahlenden Klientel? (Ironie)

    Es ist der Immobilienbranche zwar egal, von wem sie das Geld bekommt, aber nicht, wieviel.

    Zukünftige Verkäufer einer Immobilie werden dann zukünftig mit Sicherheit hinterfragen, ob ihnen die marginale Arbeit eines Maklers tatsächlich einen fünfstelligen Betrag wert ist.

    Interessanterweise ist es übrigens im Profibereich längst üblich, dass der Auftraggeber, mithin der Verkäufer, den Vermittler bezahlt. Die großen Player wie etwa JLL lassen sich bei der Vermittlung eines größeren Wohnungsportfolios oder einer Büroimmobilie so gut wie nie auf eine Käufer-Provision ein, weil sie wissen, dass darunter ihr Image massiv leiden würde. Sie würden ständig Gefahr laufen, dass sich der Käufer übervorteilt fühlt, was kein Profi-Investor akzeptiert.

    Das Image der Wohnungsmakler dagegen ist sprichwörtlich im Keller.

    Der Grund dafür liegt in der Bezahlung, die von unbeteiligten Marktteilnehmern verlangt wird, die überhaupt nichts mit der Vertragsanbahnung zu tun haben. Doch davon wollen die Makler nichts wissen. Bedauerlicherweise. Gerade ein Bestellerprinzip könnte doch dafür sorgen, dass das Binnenverhältnis zwischen Verkäufer, Vermittler und Käufer transparent und fairer wird.

    Kommentar von Hans — 7. März 2019 @ 16:54

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