Energierohstoffe: Öl bereits zu teuer

Rohstoffe glänzten im Jahr 2010. Einzige Ausnahme war der Energiesektor. Im Vergleich zu anderen Segmenten haben sich Öl und Co. lediglich unterdurchschnittlich verteuert. Auch für 2011 halten sich die Erwartungen im Rahmen.

Oil Rig gezeichnet - onlineDie Commodity-Spezialisten von der Commerzbank kennen die Ursachen. „Wir sehen auch für das kommende Jahr nur ein begrenztes Potenzial für Preissteigerungen. Am Ölmarkt dürfte sich die Angebotslage zwar im Jahresverlauf etwas einengen, aber im historischen Vergleich bleiben die frei verfügbaren Kapazitäten der OPEC hoch und rechtfertigen Preise deutlich über 90 US-Dollar je Barrel nicht“, sagt Eugen Weinberg, Leiter Commodity Research bei der Commerzbank. Die Sorte Brent kostet derzeit rund 93,5 US-Dollar je Barrel.

Zu den anderen Energieträgern heißt es: Der Preis für Kohle dürfte durch den steigenden Importbedarf der Schwellenländer gut unterstützt bleiben. Erdgas der Sorte Henry Hub wird von einer weiteren Nachfragebelebung profitieren können, aber im Vergleich zu anderen Energieträgern dank der positiven Produktionsentwicklung günstig bleiben, erwartet Weinberg.

Prognose liegt bei 80 US-Dollar pro Fass

Beim Ölpreis ist ein Rückgang zu erwarten: „Wir erachten ein Preisniveau von 80 US-Dollar je Barrel als neuen Gleichgewichtspreis. Mit diesem Preisniveau können sowohl Produzenten als auch Konsumenten gut leben. Die Produzenten außerhalb der OPEC sind auf ein derartiges Preisniveau angewiesen, damit weiterhin in neue Projekte investiert und somit der Produktionsrückgang in veralteten Feldern kompensiert wird. Viele der zuletzt gefundenen Ölfelder liegen in schwerer zu erschließenden tieferen Erdschichten und zum Teil deutlich unter dem Meeresspiegel“, so der Rohstoff-Research-Chef.

Diese zu fördern, sei mit erheblich höheren Kosten verbunden. Zudem dürften die Grenzkosten der Ölproduktion in tieferen Gewässern nach Einschätzung Weinbergs bedingt durch die erhöhten Sicherheitsvorschriften nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko in vielen Nicht-OPEC-Ländern erheblich steigen.

Die Ölproduzenten der OPEC haben es kaum besser. Sie arbeiten zwar zu deutlich niedrigeren Kosten oder sind wie Angola oder Nigeria kaum mit Sicherheitsstandards bei der Ölförderung in tiefen Gewässern konfrontiert. Die meisten OPEC-Mitglieder sind aber zur Finanzierung ihrer gestiegenen Ausgaben für Importe ebenfalls auf deutlich höhere Ölpreise angewiesen. (mr)

Foto: Shutterstock

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