Braucht Osteuropa mehr Disziplin?

In den letzten Monaten hatten die osteuropäischen Emerging Markets mit politischen Rückschlägen zu kämpfen, die nun auch den wirtschaftlichen Fortschritt und die Aktienmärkte zu beschädigen drohen. Das befürchtet Marcus Svedberg, Chefökonom des schwedischen Vermögensverwalters East Capital.

Marcus Svedberg, East Capital
Marcus Svedberg, East Capital

Konkret lautet seine Analyse: „Es ist kein Desaster, aber ein beunruhigender Trend, der zu einer Krise führen könnte, wenn in den nächsten Monaten nicht gehandelt wird. Ein Gegenmittel dazu wären disziplinarische Maßnahmen seitens der EU.“

Der East-Capital-Experte nennt als Beispiele etwa Ungarn und Rumänien, die beschuldigt werden, die Macht auf Kosten von anderen Institutionen, etwa Zentralbank und Verfassungsgericht zu zentralisieren. Die Tschechische Republik sei mit Korruptionsaffären an den höchsten Stellen beschäftigt und auch die Balkanstaaten hätten einige turbulente Wahlmonate hinter sich.

Politische Prozesse machen es noch schlimmer

„Wenn man weiter nach Osten geht, begegnet man zunehmend autoritären Tendenzen der amtierenden Regierungen. Sei es der politisch motivierte Prozess gegen Julia Timoschenko in der Ukraine, oder die Anklage gegen die Punkband Pussy Riot in Russland. Diese Entwicklungen haben einen direkten negativen Einfluss auf Wirtschaft und Finanzen“, sagt Svedberg.

Der ukrainische Aktienmarkt ist mit fast 30 Prozent Minus in diesem Jahr der schlechteste in Osteuropa. In Serbien und Slowenien sieht es nach Einschätzung Svedbergs nicht viel besser aus. An den politischen Problemen leiden auch die Staatsanleihen. In Slowenien ist der Zinssatz für zehnjährige Bonds innerhalb eines Monats von 5,4 Prozent auf sieben Prozent angestiegen.

Svedberg erklärt: „Das große Risiko ist, dass Langzeitinvestoren bei diesen Ländern zögerlicher werden, denn Auslandsinvestitionen sind eine enorme Kapitalquelle für die meisten Länder in Osteuropa. Sind die Investoren über die politische Stabilität besorgt, könnte das die Zuflüsse stark belasten. Dennoch ist nicht alles schlecht. Viele dieser Länder sind EU-Mitglieder und damit auch anstehenden Disziplinierungsmaßnahmen ausgesetzt. Ich bin davon überzeugt, dass die meisten Länder sowohl politisch als auch wirtschaftlich wieder die Wende schaffen – so wie die letzten Male.“ (mr)

Foto: East Capital

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