Italien: Politische Ruhe gegen die Krise

Viele Experten erwarten baldige Neuwahlen in Italien. Dabei könnte gerade eine stabile Regierung dem Land helfen, wie Gilles Guibout, Portfoliomanager für europäische Aktien bei Axa Investment Managers, meint.

„Eine längere Amtszeit für Letta würde für eine gewisse Stabilität und vielleicht auch für eine Normalisierung der Risikoprämien sorgen. Die italienischen Aktienkurse könnten dann steigen“, analysiert der Fondsmanager. Und weiter: „Vielleicht noch wichtiger als die Ernennung Enrico Lettas zum neuen italienischen Premierminister ist die überraschende Wiederwahl des 87-jährigen Giorgio Napolitano zum Staatspräsidenten. Indem er sich schließlich doch zu einer zweiten Amtszeit bereit erklärte, verfügt er als Präsident jetzt über eine außergewöhnliche Autorität. Dies könnte ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem Präsidialsystem sein.“

Protestpartei fördert Disziplin der Regierenden

Die Entwicklung zeige, wie komplex die Lage in Italien sei, so Guibout. Am Ende sei doch eine Koalitionsregierung zustande gekommen, die konkrete Strukturreformen durchführen soll: „Dazu zählt auch eine Reform des vielkritisierten italienischen Wahlsystems. Alle sind noch immer schockiert wegen des enormen Erfolgs der 5-Sterne-Bewegung von Beppe Grillo. Seine Protestpartei ist jetzt die stärkste Oppositionskraft. Die Angst vor einer Machtübernahme Grillos dürfte der neuen Regierung eine deutlich längere Lebensdauer bescheren als viele Beobachter meinen, die bereits jetzt baldige Neuwahlen vorhersagen.“ (mr)

Foto: Shutterstock

 

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