4. Juni 2013, 09:54
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Trügerische Ruhe: Die europäischen Peripheriestaaten stecken immer noch tief in der Schuldenkrise

Anfang Mai sanken die Renditen fünf und 10-jähriger spanischer Anleihen auf den niedrigsten Stand seit dem vierten Quartal 2010. Ursprünglich ausgelöst worden war diese Rallye zweifellos von der Zusage Mario Draghis, „alles Notwendige zu tun, um den Euro zu retten“.

Gastbeitrag Mike Riddell, M&G Investments

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Mike Riddell, M&G Investments

Durch die Verbesserung der Wirtschaftsdaten aus der Eurozone im zweiten Halbjahr 2012, die zumindest teilweise auch auf die Äußerung von Draghi zurückzuführen ist, erhielt dieser Trend dann zusätzlichen Auftrieb. Allerdings hat sich die Rallye an den Peripheriemärkten auch 2013 noch fortgesetzt, obwohl sich die Wirtschaftsdaten in den letzten Monaten eigentlich wieder deutlich verschlechtert haben. So wächst die Kluft zwischen den konjunkturellen Fundamentaldaten einerseits und dem Bewertungsniveau andererseits derzeit rasant.

Ist Spanien zahlungsfähig?

Vor allem an der Zahlungsfähigkeit Spaniens habe ich nach wie vor meine Zweifel – denn aus meiner Sicht ist ein Staat dann zahlungsunfähig, wenn das Verhältnis Staatsverschuldung/BIP kontinuierlich ansteigt. Natürlich kann die EZB mit liquiden Mitteln einspringen, damit Spanien seine Verbindlichkeiten refinanzieren kann. Und natürlich befinden sich viele andere Industrienationen in derselben Situation.

In Japan beispielsweise klettert das Verhältnis Staatsverschuldung/BIP momentan zügig gen 300 Prozent. Im Vergleich dazu wirkt die Schuldenlast Spaniens fast schon mickrig. Doch das Beispiel Griechenlands lehrt uns, dass Verbindlichkeiten von Staaten der Eurozone restrukturiert werden können (und auch werden), wenn das entsprechende Land als insolvent angesehen wird. Bereits 2010 hatten wir prognostiziert, dass Spanien genau dieses Szenario bevorsteht.

Das Problem: Da die Kreditkosten Spaniens zurzeit höher sind als das nominale Wirtschaftswachstum des Landes, bedarf es für eine Stabilisierung der Staatsverschuldung im Vergleich zum BIP eines Primärüberschusses, so dass nicht nur die Hauptausgaben des Landes durch die Einnahmen gedeckt sind, sondern zumindest teilweise auch die Zinsausgaben. Allerdings weist Spanien zurzeit ein hohes Haushaltsdefizit (seit 2009 durchschnittlich 10,2 Prozent) und somit auch ein beträchtliches Primärdefizit auf.

Arbeitslosenquote auf neuem Rekordhoch

Entgegen der bisherigen Wachstumsprognosen des IWF befindet sich Spanien zudem immer noch in einem Konjunkturabschwung – allein im ersten Quartal dieses Jahres stieg die Arbeitslosenquote auf ein neues Rekordhoch von 27,2 Prozent an. Zwar wird bei den meisten langfristigen Wachstumsprognosen schlicht und einfach das langfristige durchschnittliche Wachstum der entsprechenden Staaten zugrunde gelegt, doch angesichts der hohen Verschuldung des spanischen Staates sowie des dortigen Privatsektors dürfte das Wachstumspotenzial Spaniens auf lange Sicht bei lediglich 1 Prozent p.a. liegen. Dazu trägt auch eine ungünstige demografische Entwicklung bei.

Hinzu kommt noch ein weiterer Faktor: Nach Meinung unserer Analysten ist es nicht undenkbar, dass selbst einige jener spanischen Banken, die vom Staat bereits rekapitalisiert worden sind, noch weitere Finanzspritzen benötigen, obwohl die meisten „faulen“ Kredite und Wertpapiere aus dem Immobiliensektor inzwischen zur spanischen „Bad Bank“ Sareb transferiert wurden.

Seite zwei: Kreditkosten Spaniens über Wachstumsrate

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1 Kommentar

  1. Es braucht nur etwas zu passieren, daß die Märkte das Vertrauen in spanische Staatsanleihen verlieren lässt, dann werden auch die Käufe der EZB einen Zinsanstieg kaum noch verhindern können.
    Wenn dieser zu hoch ausfällt, dann könnte es für die Banken zu zusätzlichen Belastungen kommen, wenn diese Staatsanleihen niedriger bewerten müssen.
    Hoffentlich wird dann keine Kettenreaktion losgetreten…

    Kommentar von Rüdiger — 11. Juni 2013 @ 15:14

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