„Deflationsszenario muss für Anleger nicht schädlich sein“

Das Gespenst der Deflation geht um. Aber ist denn das Deflationsrisiko tatsächlich so groß und – vor allem – wäre es so gefährlich? Gerhard Rosenbauer, Geschäftsführer der auf Rentenanlangen spezialisierten Investmentboutique Inprimo Invest, argumentiert gegen die übertriebene Angst.

Gerhard Rosenbauer, Inprimo Invest: „Wer mit einem gut diversifizierten Rentenportfolio vier bis fünf Prozent erwirtschaftet, generiert echten Vermögenszuwachs.“

Deflation bedeutet, dass Preise fallen und die Geldmenge schrumpft. Das Gegenteil ist der Fall. Mögen auch derzeit die Verbraucherpreise nur sehr gering ansteigen – die Vermögenspreise tun es umso mehr. Auch die ohnehin eng gefasste Geldmenge M1 – quasi das Geld, über das jederzeit verfügt werden kann – stieg im dritten Quartal 2014 um 6,2 Prozent. Und in Spanien können wir derzeit beobachten, dass selbst bei einer Inflationsrate unter 0,5 Prozent die Wirtschaft um rund zwei Prozent wachsen kann.

Von deflationären Tendenzen profitieren

Weder befinden wir uns also in einer deflationären Periode noch muss sie ein Horrorszenario sein. Richtig ist: Bei einer Deflation gewinnen die Gläubiger, nicht die Schuldner. Aber in alternden Gesellschaften wie der unseren werden nun einmal diejenigen, die entweder Renten beziehen oder Ansprüche auf solche haben, immer mehr. Und sie alle profitieren von deflationären Tendenzen, weil ihre Kaufkraft in der Zukunft nicht abnimmt, sondern vielleicht sogar steigt.

Das muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass der Konsum auch tatsächlich in die Zukunft verschoben wird. Entscheidend sind die Präferenzen der Verbraucher. Es verzichtet schließlich auch kaum einer auf das neueste Smartphone Modell, bloß weil er weiß, dass es in zwei Jahren billiger zu haben sein wird. Ein Gutteil der Bevölkerung kann und wird also mehr ausgeben und so die Nachfrage ankurbeln.

Happy Deflation?

Zumindest ein starkes Gegengewicht zur Warnung der Deflationspaniker, das – unstrittige – Ansteigen der realen Schuldenlast würde die gesamtwirtschaftliche Nachfrage abwürgen. Auch für Anleger muss das Deflationsszenario nicht schädlich sein. Sie dürfen nicht vergessen, dass die Renditen, die sie mit ihren Anlagen erzielen, mangels Inflation mehr oder weniger der realen Renditen entsprechen.

In den frühen 90er und frühen 2000er Jahren sahen zwar die nominalen Zinssätze gut aus, real lagen sie aber unter Null. Wem es also gelingt, mit einem über alle Regionen, Schuldner und Laufzeiten gut diversifizierten Rentenportfolio vier bis fünf Prozent Rendite zu erwirtschaften, generiert einen echten Vermögenszuwachs.

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Wir sollten uns also davor hüten, das Deflationsgespenst immer weiter aufzublasen und damit der Politik die Rechtfertigung an die Hand zu geben, über das Ankurbeln der Notenpresse den Schuldenberg langsam per Entwertung abzubauen. Vielleicht steigt ja zusammen mit einer real immer drückenderen Schuldenlast auch der Leidensdruck, die Überschuldung durch strukturelle Maßnahmen abzubauen.

Foto: Inprimo Invest

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