Japan: Analysten bleiben optimistisch

In Japan ist die Mehrwertsteuer zum 1. April von fünf auf acht Prozent gestiegen. Experten wie Alex Treves von Fidelity Worldwide Investment halten trotz dieser Belastung für den Konsum an ihrem positiven Ausblick für Nippons Aktienmarkt fest.

„Die höhere Mehrwertsteuer in Japan hat keine nachhaltige Wirkung auf Aktien“, sagt Treves, Leiter japanische Aktien bei Fidelity Worldwide Investment. Der Anstieg der Mehrwertsteuer belaste nur kurzfristig Konsumwerte, da die Situation deutlicher stabiler sei als etwa bei der letzten Erhöhung 1997.

,,Diese Mehrwertsteuererhöhung ist die erste seit 17 Jahren, aber die negativen Erfahrungen der letzten Erhöhung in 1997 sorgen für Unsicherheit bei einigen Investoren. Allerdings gibt es mehrere wichtige Unterschiede: Denn anders als heute befand sich Japan damals inmitten einer Finanzkrise, die durch exzessive Schulden der Privathaushalte und der Unternehmen hervorgerufen wurde. Außerdem belastete zu der Zeit die Asienkrise die Kapitalmärkte“, sagt der Experte.

Politik sorgt für Entspannung

1997 hätten sich darüber hinaus private Kapitalinvestitionen in Japan auf einem zyklischen Hoch befunden. Aktuell sei in diesem Bereich noch viel Luft nach oben. Ein weiterer Unterschied aus Sicht von Treves: „Die Regierung musste 1997 einen harten Sparkurs einschlagen, während das Kabinett von Ministerpräsident Shinzo Abe vor kurzem ein 5,5 Billionen Yen schweres Konjunkturprogramm auf den Weg gebracht hat. Geldpolitische Maßnahmen der Bank of Japan sollten zusätzlich weiter für Entspannung sorgen.“

Unbestritten sei jedoch, heißt es weiter, dass die Erhöhung der Mehrwertsteuer kurzfristig Einfluss auf einige Branchen und einzelne Unternehmen haben werde. Dazu zählt Treves den Einzelhandel, die Nahrungsmittel-, Kosmetik- und Gesundheitsbranchen, genauso wie Immobilien und das Baugewerbe.

Positiver Ausblick für japanische Aktien

„Das bedeutet, dass die Effekte der Mehrwertsteuererhöhung kurzfristig Druck auf die japanischen Märkte ausüben könnten. Vor der Steuererhöhung war in Reaktion darauf eine stärkere Konsumnachfrage festzustellen, was bedeutet, dass eine Abschwächung in den kommenden Monaten unausweichlich sein wird. Der nachlassende Konsum dürfte aber nur von kurzer Dauer sein. In der zweiten Jahreshälfte erwarte ich wieder eine Erholung, was sich auch auf die Beschäftigung und die Einkommensverhältnisse positiv auswirken sollte“, prognostiztiert Treves.

Japans konjunkturelle Entwicklung bewertet der Aktienkenner positiv: „Insgesamt sehen wir weiter eine positive Entwicklung bei den Firmengewinnen in Japan, mit soliden Ergebnissen, die einhergehen mit signifikanten Dividenden- und Aktienrückkaufankündigungen. Die Gesamtergebnisse sind beständig von Quartal zu Quartal gestiegen. Positive Gewinnrevisionen lassen erwarten, dass der Aufwärtstrend anhält. Im Licht der jüngsten Marktkorrektur bedeuten die inzwischen attraktiveren Bewertungen die Chance, in die Schwäche hinein zu kaufen. Obwohl die Aktienkurse angesichts in- und ausländischer Makrofaktoren und geopolitischer Risiken volatil bleiben dürften, bleiben wir bei unserem positiven mittel- bis langfristigen Ausblick für japanische Aktien.“ (mr)

Foto: Shutterstock

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