Metzler: Italien noch nicht gerettet

Italien wird von Investoren zurzeit optimistisch betrachtet: Aktien haben seit Jahresbeginn zweistellig zugelegt und Staatsanleihen bieten immer weniger Zinsen. Die Analysten vom Frankfurter Bankhaus Metzler zweifeln dennoch an einem dauerhaften Aufschwung.

Die italienische Börse verzeichnet mittlerweile ein Jahresplus von rund elf Prozent, der deutsche Dax dagegen ein Minus von 3,1 Prozent. Die Staatsanleiherenditen sind von 4,10 Prozent zum Jahresbeginn auf 3,36 Prozent gefallen.

Vorschusslorbeeren für neue Regierung

„Hauptsächlich darf sich wohl der neue Regierungschef Matteo Renzi den Sentimentschub auf seine Fahnen schreiben. Mit ihm wird die Erwartung weitreichender Reformen verbunden“, schreiben die Metzler-Experten in ihrem aktuellen Marktkommentar.

Sie weisen aber auch darauf hin, dass etwa die Ratingagentur Moody’s Italien schwächer als den Rest der Eurozone einschätzt: „So bemängelt die Agentur vor allem fehlende Reformen am Arbeitsmarkt. Strukturelle Probleme wie niedrige Produktivität, Wettbewerbsnachteile und hohe Steuerbelastungen würden neben der Rigidität des Arbeitsmarktes dafür sorgen, dass sich die Bonität Italiens auf absehbare Zeit nicht merklich verbessern werde.“

Und auch politisch droht nach Ansicht der Analysten Unruhe: „Anti-europäische Parteien gute Chancen, bei der Europawahl eine Mehrheit zu erreichen. Eine Euro-kritische Stimmung könnte auch Matteo Renzi und seine Reformvorhaben vor ernsthafte Probleme stellen. Die Performance Italiens ist zwar beeindruckend, sollte jedoch keinesweg überbewertet werden. Italien ist noch lange nicht über den Berg.“ (mr)

Foto: Shutterstock

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