Draghis schwammige QE-Version könnte Marktunsicherheit anheizen

Der flexible Ansatz der Europäischen Zentralbank beim Kauf von Euroraum-Anleihen im Volumen von 1,1 Billionen Euro läuft Gefahr, den Prozess für Investoren undurchsichtiger zu machen.

Am 9. März startet die EZB das Anleihenkaufprogramm.

 

Ab Montag und für die nächsten 19 Monate werden die EZB und die 19 nationalen Zentralbanken (NZBen) des Euroraums Anleihen von Gegenparteien am Sekundärmarkt kaufen. Innerhalb gewisser Grenzen haben ihre Handelsabteilungen Spielraum, was sie kaufen und wann. Anders war das Verfahren bei der Federal Reserve, die einen Kalender für die Käufe in den USA herausgab.

„Potenzial für seltsame Markteffekte“

„Es gibt großes Potenzial für eine Reihe seltsamer Markteffekte“, sagt Lyn Graham-Taylor, Stratege für Festverzinsliche bei Rabobank International in London. „Umgekehrte Auktionen würden den Prozess sauberer machen.“

Spielraum für Notenbanken

Die EZB wird den NZBen bei ihren Käufen im Heimatmarkt Spielraum gewähren, so besteht eine gewisse Wahlmöglichkeit zwischen Staatsanleihen und Papieren staatsnaher Emittenten. Sie hat auch vermieden ein Ziel für die Duration der gekauften Papiere festzusetzen, eine Messzahl für die Empfindlichkeit von Anleihepreisen auf Veränderungen des Renditeniveaus.

Bond-Käufe nach fester Kapital-Quote

„Das Eurosystem wird bei der Koordinierung seiner Käufe einer internen Benchmark folgen, wobei es gewisse Flexibilität für die NZBen beim Kauf ihrer Anteile innerhalb der in Frage kommenden Instrumente gibt“, schrieb die EZB in einer Erklärung auf ihrer Website. Die Bond-Käufe werden in etwa entsprechend dem Kapital erfolgen, das jede Mitglieds-Notenbank bei der EZB beigetragen hat, jedoch muss diese Richtlinie nicht jeden Monat streng eingehalten werden.

Markt befürchtet Grauzonen

„Es bleiben Grauzonen“, schrieben Analysten von ABN Amro Bank NV um Nick Kounis, am Donnerstag in einer Mitteilung. „Zwar werden Käufe von Staatsanleihen und Papieren staatsnaher Emittenten dem EZB-Kapitalschlüssel folgen. Jedoch hat die EZB weiteren Spielraum.“ Draghi hatte bereits im Januar gesagt, dass die EZB für monatlich 60 Milliarden Euro Anleihen des öffentlichen und des privaten Sektors kaufen werde.

Renditen auf neuen Tiefständen

Die Renditen im gesamten Euroraum waren nach der Ankündigung der EZB vom 22. Januar auf neue Tiefs gesunken. Die Flexibilität habe gewisse Vorteile, sagt Luca Cazzulani, leitender Stratege für festverzinsliche Papiere bei UniCredit SpA in Mailand. Sie könnte den Zentralbanken dabei helfen herauszufinden, wo die Käufe am einfachsten getätigt werden können.

Wettbewerb von Banken

Wettbewerb für die Papiere könnte von Banken kommen, die Bonds für die Erfüllung von aufsichtsrechtlichen Vorschriften benötigen, Pensionsfonds, die zu ihren Verbindlichkeiten passende Papiere brauchen, und andere Zentralbanken, die europäische Wertpapiere im Rahmen ihres Bilanz-Managements kaufen.

Feste Grenzen für das Aufkaufprogramm

Es gibt jedoch einige feste Grenzen für das Programm. Nur Wertpapiere mit einer Restlaufzeit von mindestens zwei Jahren und maximal 30 Jahren und 364 Tagen zum Kaufzeitpunkt kommen in Frage. Und Anleihen mit Renditen unterhalb des Einlagensatzes von minus 0,2 Prozent werden ausgenommen sein, erklärte Draghi am Donnerstag.

Gespannte Erwartungen auf den Start am 9. März

Unter dem Programm werden nicht mehr als 25 Prozent einer Bondemission und 33 Prozent eines nationalen Emittenten erworben. Dabei werden bestehende Positionen aus früheren Wertpapier-Kaufprogrammen auf diese Obergrenzen angerechnet, erklärte die EZB. Nun wartet der Markt gespannt auf den ersten Aktionstag, das Programm soll am 9. März starten.

Foto: Shutterstock/Jorg Hackemann; Quelle: Bloomberg

 

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