Schweiz berechnet Kosten des Franken-Tsunami

Zwei Monate nachdem die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Franken-Deckel abgeschafft hat, bereiten die Währungshüter ihre ersten Konjunkturprognosen vor, die die Auswirkungen dieses Schritts berücksichtigen.

Die starke Aufwertung des Franken nach Aufgabe des Mindestkurses dürfe die Schweizer Wirtschaft erheblich getroffen haben.

SNB-Präsident Thomas Jordan stellt den Ausblick am Donnerstag bei seiner geldpolitischen Lagebeurteilung vor.

“Die starke Aufwertung des Franken nach Aufgabe des Mindestkurses dürfte die Schweizer Wirtschaft erheblich getroffen haben”, sagt Martin Güth, Ökonom bei der LBBW in Stuttgart. “Wir gehen davon aus, dass die SNB weiterhin eine abwartende Haltung einnehmen wird. Sollte der Franken jedoch aufwerten, wird sie erneut an den Devisenmärkten intervenieren oder sogar die Zinsen erneut senken.”

SNB-Direktorium wendet sich an die Öffentlichkeit

Nach der Aufgabe des Mindestkurses des Franken zum Euro – ein Schock, der vom Swatch-Chef Nicolas Hayek als “Tsunami” bezeichnet worden war – hat das drei Mitglieder umfassende SNB-Direktorium am Donnerstag Gelegenheit, sich gemeinsam an die Öffentlichkeit zu wenden. Sie werden eine Pressekonferenz abhalten und brechen so mit der bislang üblichen Praxis, der zufolge eine solche Veranstaltung erst im Juni vorgesehen wäre.

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Die Notenbank wird den Einlagensatz diese Woche bei minus 0,75 Prozent belassen, sagten 21 von 26 befragten Ökonomen in einer monatlichen Bloomberg-Umfrage voraus. Der Rest erwartet, dass die SNB die Kosten anheben wird. Die Volkswirte rechnen auch mit einem unveränderten Zielband für den Dreimonats-Libor von minus 1,25 Prozent bis minus 0,25 Prozent.

Eidgenössische Devise um mehr als 15 Prozent verteuert

Als die SNB am 15. Januar den Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro aufhob, verteuerte sich die eidgenössische Devise gegenüber mehr als 150 von Bloomberg beobachteten Währungen um mehr als 15 Prozent. Dies verursachte bei einigen Finanzfirmen starke Verluste.

Auch nahm dadurch die Wahrscheinlichkeit einer höheren Arbeitslosigkeit und einer Konjunkturabschwächung in einem Land zu, das die Finanzkrise besser als viele europäische Nachbarn verkraftet hatte.

Seite zwei: „Es hat sehr viel Kritik gegeben“

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