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29. Juli 2015, 09:07
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Pillen für das Depot – Wachstumstreiber Generika

Sie wirken so gut wie das Original, kosten weitaus weniger, und so gut wie jeder von uns greift auf sie zurück: Die Rede ist von Generika.

Marktkommentar: Jérôme Pfund, Sectoral Asset Management

Sectoral

Jerome Pfund, Sectoral Asset Management

 

Während für die Verbraucher vor allem deren medizinischer Nutzen zählt, interessieren sich Investoren für die Renditechance, die in den Nachahmermedikamenten steckt.

Laut Aussage des Reports „Global Outlook for Medicines Through 2018“ des Marktforschungsinstituts IMS for Healthcare Informatics werden die Ausgaben für Generikamedikamente bis 2017 weltweit auf jährlich mehr als 400 Milliarden US-Dollar anwachsen. Dies entspricht einer jährlichen Steigerungsrate von rund 10 Prozent seit 2012. Der Anteil der Generika am Gesamtmarkt für Medikamente wird innerhalb von nur fünf Jahren von rund 27 Prozent im Jahr 2012 auf geschätzte 36 Prozent im Jahr 2017 klettern, so die Prognose der IMS-Experten.

Auslaufender Patentschutz in Milliardenhöhe bei biologischen Medikamenten

Es gibt mehrere Gründe für dieses Wachstum. Einer davon sind die neuen Märkte, die sich Generikaproduzenten auf dem Feld der komplexen Moleküle und Biosimilars –das sind biologisch hergestellte Generika – derzeit erschließen. Während die Entwicklung von Medikamenten auf biologischer Basis bis vor kurzem noch ausschließlich den klassischen Biotechfirmen vorbehalten war, verbuchen Generika- und Spezialpharmafirmen mit Zulassungen in den USA und Europa wichtige Erfolge.

Zahlreiche biologische Markenmedikamente werden bis 2020 ihren Patentschutz verlieren. Beispielhaft sei Herceptin von Roche erwähnt, das bei Brust- und Magenkrebs zum Einsatz kommt und dessen Patent noch dieses Jahr ausläuft. Fast 70 Milliarden US-Dollar beträgt der kombinierte Marktwert der biologischen Medikamente mit auslaufendem Patentschutz in Europa und den USA.

Nur jeder zehnte Chinese kann sich ein Markenmedikament leisten

Ein weiterer Wachstumstreiber ist die steigende Nachfrage nach Gesundheitsprodukten und -dienstleistungen in den Schwellenländern. Allein für China, das schon heute zu den drei größten Gesundheitsmärkten weltweit zählt, rechnen Experten mit einem jährlichen Wachstum von durchschnittlich mehr als 12 Prozent bis 2018. Insbesondere die dortige Mittelschicht profitiert von Einkommenssteigerungen und wachsendem Wohlstand. Viele Menschen zieht es in die Großstädte. Doch diese Veränderungen haben ihren Preis: Der ungesundere Lebensstil, der damit einhergeht, beschert Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder Herzleiden einen zweifelhaften Aufschwung.

Generika stellen hier – anders als in der westlichen Welt – häufig den einzigen Zugang zu medizinischer Versorgung dar. Ein Blick auf das Reich der Mitte verdeutlicht dies auf beeindruckende Weise: Gäbe es dort keine Generika, hätten 90 Prozent der Chinesen keinen Zugang zu Medikamenten. Nach Angaben des IMS Institute for Healthcare Informatics sind lediglich noch 10 Prozent der in China verabreichten Medikamente Markenprodukte. In seinem Ausblick bis 2017 geht das Institut davon aus, dass in zwei Jahren mehr als 60 Prozent der medizinischen Ausgaben in den Schwellenländern auf Generika entfallen werden.

Vermehrter Einsatz von Generika hilft dabei, die Gesundheitsausgaben zu drosseln

Das Wachstum des Generikamarktes wird jedoch noch anderweitig beschleunigt. Anstehende Gesundheitsreformen – vor allem in den Industrienationen – werden zugunsten einer höheren Nutzungsrate von Generika ausfallen. Dank der günstigeren Preise von Generika bedeutet deren verstärkter Einsatz für Regierungen und Krankenkassen erhebliches Einsparpotenzial in Hinblick auf die Gesundheitskosten. Und diese explodieren derzeit – nicht zuletzt aufgrund der demographischen Entwicklung in vielen Industrieländern. So haben zum Beispiel Frankreich, Italien oder auch Japan beim Einsatz von Generika hohen Nachholbedarf.

In Japan beispielsweise, einem Land mit einer vergleichsweise überalterten Bevölkerung, liegt die Nutzungsrate von Generika noch unter 40 Prozent. Deutschland liegt hier mit knapp 80 Prozent schon deutlich höher – Ergebnis gesundheitspolitischer Einschnitte in der Vergangenheit sowie des existierenden Anreizsystems für Ärzte. Doch auch hierzulande ist das Einsparpotenzial noch nicht gänzlich ausgeschöpft. Der Verband ProGenerika geht davon aus, dass die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland durch den verstärkten Einsatz von Generika allein in diesem Jahr um 2,3 Milliarden Euro niedriger ausfallen könnten.

Die Summe dieser Treiber sorgt für erhebliche Marktdynamik. Jüngstes Beispiel hierfür ist die Ankündigung der israelischen Ratiopharm-Mutter Teva, für 40,5 Milliarden US-Dollar das Generikageschäft des Konkurrenten Allergan zu übernehmen. Für Anleger bedeuten solche Entwicklungen ausgesprochen interessante Gewinnmöglichkeiten.

Autor Jérôme Pfund ist Gründer und CEO von Sectoral Asset Management.

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