Absolute-Return schließt Zinslücke

Die US-Notenbank wird heute mit hoher Wahrscheinlichkeit den Leitzins anheben. Bereits in der vergangenen Woche kündigte die EZB an, die Anleihenkäufe ab April 2017 zu drosseln. Der Rademacher-Kommentar

Tim Rademacher sieht Absolute-Return als gutes Mittel gegen Kursverluste bei Anleihen.
Tim Rademacher sieht Absolute-Return als gutes Mittel gegen Kursverluste bei Anleihen.

Im Zyklus hinkt die EZB, aber auch der europäische Rentenmarkt, den USA um rund zwei Jahre hinterher. Dennoch ist auch in der Eurozone die Zinswende immer stärker absehbar. Hierauf haben sich auch immer mehr Investmentstrategen der Frankfurter Fondsgesellschaften festgelegt. Die Gründe liegen auf der Hand. Zum einen dürfte auch in Europa die Fiskalpolitik lockerer werden. Zum anderen dürfte die Inflation aufgrund höherer Rohstoffpreise und des schwächeren Euros in den kommenden Quartalen spürbar anziehen.

Bund-Future auf dem Rückzug

Für europäische Rentenanleger sind steigende Renditen langfristig sicher wünschenswert und eine Entlastung. Allerdings drohen kurzfristig abermals deutliche Kursverluste bei den Anleihen, was der Bund-Future bereits jetzt eindrucksvoll signalisiert. So sank die Notierung des Terminkontrakts, der ungefähr den Kurs einer zehnjährigen Bundesanleihe mit einem Kupon von sechs Prozent abbildet, seit Anfang September von 167 auf 162 Punkte. Ein sehr deutlicher Kursverlust, der im aktuellen Niedrigzinsumfeld kaum aufzuholen ist.

Da der Rentenmarkt mittelfristig weiter schwächeln dürfte, sind sinnvolle Alternativen gefragt, um die Zeit zu überbrücken, bis die Preise für Anleihen wieder ein attraktives Kursniveau erreicht haben. Immer wieder werden dabei Aktien als Lösung propagiert. Allerdings sind diese für viele konservative Investoren deutlich zu schwankungsanfällig, weshalb sie nur mit entsprechend niedriger Gewichtung beigemischt werden können. Vielmehr sind Produkte gefragt, die auch bei niedrigster Volatilität nahezu konstante Renditen liefern können.

Sicherheit erfordert komplexe Strategien

Bei diesem Anforderungsprofil verfügen Absolute-Return-Strategien über eine besondere Attraktivität. Sie können nicht selten, unabhängig von der Entwicklung am Renten- und Aktienmarkt, jährliche Renditen von drei bis sechs Prozent erzielen. Da der maximale Draw-Down bei diesen Produkten in der Regel sehr überschaubar ist, eignen sich Absolute-Return-Fonds sehr gut, um als Ersatz für festverzinsliche Papiere eingesetzt zu werden.

Allerdings schwächelten einige Absolute-Return-Produkte zuletzt, weshalb es innerhalb des Sektors stark auf die Qualität der Asset Manager ankommt. Diese müssen in der Lage sein, sich ständig an die veränderten Marktbedingungen anzupassen und neue ertragreiche Konzepte zu entwickeln. Da die Börsen immer schnelllebiger werden, wandeln sich einst profitable Ansätze nicht selten zu Flops. Entsprechend sind bei den Fondsgesellschaften Experten gefragt, die stets neue Opportunitäten identifizieren.

Für institutionelle Investoren besonders geeignet

Die anspruchsvollen Absolute-Return-Strategien sind besonders für professionelle Investoren geeignet, da diese noch am besten die Systematik dieser Produkte durchschauen und bewerten können. Nicht umsonst war zuletzt aus Frankfurt zu hören, dass Fondsmanager diese Alternative vermehrt nutzen, um Anleihen in ihrem Portfolio zu substituieren. Privatanleger sollten aber ebenfalls die Vorteile der Assetklasse nutzen, wenn Sie Liquidität relativ sicher parken möchten. Insgesamt gibt es viele Anteilsklassen, die speziell auf diese Gruppe ausgerichtet sind. Dabei liefert die vergangene Performance immer noch einen guten Hinweis für die zukünftig zu erwartende Wertentwicklung des Fonds.

Tim Rademacher ist leitender Redakteur im Bereich Investmentfonds bei Cash. und analysiert die Geschehnisse am Kapitalmarkt direkt vom Finanzplatz Frankfurt aus.

Foto: Dirk Beichert

 

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