12. Juli 2016, 09:01
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Axa IM zum Rentenmarkt: Es braut sich was zusammen

Der Fluch immer weiter sinkender Zinsen kommt einer depressiv machenden Hydra gleich. Denn die niedrigen Sätze sind gleichermaßen ein Reflex als auch eine Antwort auf die deflationäre Wachstumsschwäche – nicht zuletzt aber auch einer der Gründe dafür.

Axa IM zum Rentenmarkt: Es braut sich was zusammen

Chris Iggo, Axa IM, analysiert die aktuelle Verfassung an den Rentenmärkten.

Flache und negative Zinskurven sind die Zukunft an den Anleihemärkten. Dieser Ansicht ist Chris Iggo, CIO Fixed Income bei Axa Investment Managers. „Das ist sicherlich die Richtung, wo die Reise hingeht, solange die Notenbanken ihre Kaufprogramme fortführen, sich das Wirtschaftswachstum und damit die Inflationserwartungen abschwächen und die Aussichten für die langfristigen Zinsen gedrückt sind.“ Alles zusammen genommen habe die Laufzeitprämien an den Anleihemärkten gesenkt und zu einer Flucht der Investoren in sichere Häfen geführt. „Die Europäischen Zentralbank quetscht den Markt für Bundesanleihen aus, so dass die Renditen selbst für 15-jährige Bundespapiere negativ sind“, erklärt Iggo die Situation an den Kapitalmärkten.

Dagegen habe sich die Lage bei britischen Staatsanleihen seit dem Brexit-Votum Ende Juni deutlich verändert. „Die Investoren schauen nun darauf, wie schnell die Bank von England die Sätze Richtung null bringen kann. Und ob sie will oder nicht, das wird in der Folge zu neuen Käufen britischer Staatsanleihen führen“, ist der Axa-IM-Experte überzeugt. Seit dem Brexit-Votum habe sich die Zinskurve britischer Staatspapiere von US-Treasuries wegbewegt und dafür stärker deutschen Bundesanleihen angenähert. Grund dafür sei die Annahme der Investoren, dass sich die Geldpolitik Großbritanniens der der EZB angleichen werde. In diesem Sog würden Iggo‘s Einschätzung zufolge schließlich auch die Renditen von US-Staatsanleihen sinken, da sie dementsprechend bei Investoren, die auf Staatsanleihen setzten, begehrt seien.

Die flache Zinskurve spiegelt laut Iggo die sinkenden Zinserwartungen der Investoren wider und drücke auf die Laufzeitprämien. „Die Furcht vor steigenden Zinsen wird der Furcht vor möglichen Kapitalverlusten untergeordnet. Der Preis für den sicheren Kapitalerhalt sind niedrigere Renditen (im langfristigen Bereich).“ Doch welche Botschaft ergibt sich aus der starken Risikoaversion, die an den Märkten zu beobachten ist, für Investoren? „Ich bin ein großer Freund der Binsenweisheit, dass niedrige Renditen kein Hindernis sind für eine gute Performance“, sagt Iggo. „Doch die unerwünschten Konsequenzen der beschriebenen Situation an den Kapitalmärkten sind negativ. Man braucht nur an die Prognosen zu denken, welche drastischen Folgen die niedrigen Zinsen zum Beispiel für britische Pensionseinrichtungen haben werden.“

Aber auch in Zusammenhang mit der Entwicklung von Kapitalanlagen ist die Botschaft der Anleihemärkte für Iggo eine eher schlechte. „Traditionell ist eine inverse Zinsstrukturkurve ein Frühindikator für eine nahende Rezession – auch wenn dieses Mal der Hintergrund aufgrund der politischen Situation ein etwas anderer ist:  Man sollte nicht die Tatsache ignorieren, dass die Zinskurve nicht nur immer flacher wird, sondern im langfristigen Bereich in vielen Fällen beziehungsweise Märkten auch immer negativer wird. Wenn die konjunkturellen Aussichten aus dieser Perspektive heraus schlecht beurteilt werden, wird das mehr und mehr auch Auswirkungen auf die Credit-Spreads und die Aktienbewertungen haben.“ (tr)

Foto: Axa IM

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