30. Juni 2016, 09:01
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Brexit oder nicht – Brüssel hat ein ernstes Problem

Die Sommer von 2011, 2012 und 2015 bildeten die bisherigen Höhepunkte der Euro-Krise, die nur mit Abschaffung des Europäischen Stabilitätsgedankens und dem willig gezückten Portemonnaie der EZB eingedämmt werden konnte.Der Brexit könnte in der EU Auswirkungen haben wie ein wild gewordener Elefant im Porzellanladen. Die Halver-Kolumne

Halver-Robert-Baader-Bank-BBO4957 in Brexit oder nicht – Brüssel hat ein ernstes Problem

Robert Halver, Baader Bank

Wirtschafts- und finanzpolitisch angeschlagen ist die EU ohnehin schon wie frühere Boxgegner von Muhammad Ali. Bei derart gravierenden politischen Problemen hat auch die ungehemmte Geldschöpfung der EZB keine Chance mehr. Sind dies nicht genau die Zutaten für einen Horrorfilm an den europäischen Finanzmärkten, der nicht nur einen heißen Sommer 2016, sondern auch einen heißen Herbst, Winter, usw. nach sich zieht? Im Prinzip ja, aber…heißt es bei Radio Eriwan. Denn es sind Zweifel erlaubt, wie lange es dauert, bis die Briten ausgetreten sind bzw. ob sie überhaupt austreten.

Argument 1: Die Briten wissen, dass sie eine Fehlentscheidung getroffen haben

 Ja, die Stimme des Volkes – Vox Populi – hat gesprochen. Das ist die größtmögliche Legitimation in einer Demokratie. Doch bei Entscheidungen dieser dramatischen Tragweite hinterlässt es einen faden Beigeschmack, wenn eine kleine Mehrheit eine große Minderheit dominiert. Großbritannien ist gespalten. Und viele Briten realisieren nun, was sie getan haben. Sie sind auf die Rattenfänger der Brexit-Befürworter reingefallen, die ihnen mit Lügen und Beschönigungen eine durch und durch böse EU-Welt verkauft haben, von der sie wirtschaftlich profitiert haben. Das zentrale Wahlversprechen, wonach die bisherigen Zahlungen Großbritanniens in die EU-Vereinskasse demnächst dem britischen Gesundheitssystem zugutekommen, wurde bereits einkassiert hat. Diese Lüge wird man den Herren Johnson oder Farage ähnlich wie Orangenmarmelade auf englischen Toast immer wieder auf ihr politisches Butterbrot schmieren.

Insel der Verdammten

Nach Brexit wird Großbritannien wirtschaftspolitisch zur Insel der Verdammten. Ihr renommierter Finanzplatz wird rasiert wie Schafe auf der englischen Weide im Juni. Die Häuserpreise werden fallen und die Arbeitslosigkeit steigt. Ihr Triple A-Rating, das Großbritannien verteidigen konnte wie die Kronjuwelen ist ebenso wie das British Empire Vergangenheit. Auch die Brexit-befürwortenden Engländer können immer weniger leugnen, dass sie auf egomanische Populisten hereingefallen sind, deren Wirtschaftssachverstand das Niveau einer Packung englischer Butterkekse kaum übertrifft.

Und dann gibt es da noch die reale Gefahr, dass nach Verlust des British Empire jetzt auch noch das Vereinigte Königreich zerschlagen wird wie früher die Sowjetunion. Die Schotten und Nordiren sind nämlich stinksauer, dass sie in Brexit-Geiselhaft genommen werden, obwohl sie deutlich stärker für Bremain als die Engländer für Brexit gestimmt haben.

Schließlich hätte der ehemals stolze britische Löwe Ähnlichkeiten mit meinem alten Kater zu Hause: Dieser hat mittlerweile weder Zähne noch Schwanz und kastriert ist er auch noch. Geradezu symptomatisch für die Krise des Landes ist das Ausscheiden der englischen Fußballmannschaft gegen Island.

Seite zwei: Kommt der “Regrexit”?

Weiter lesen: 1 2 3 4 5

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 02/2019

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Arbeitskraftabsicherung – Denkmalobjekte – Betriebsrente – Digital Day 2019

Ab dem 24. Januar im Handel.

Cash. 01/2019

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Fonds Finanz – Robotik – Moderne Klassik – Finanzanalyse

Versicherungen

GKV: Spahn will mehr Wettbewerb zwischen Kassen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will es den Bürgern leichter machen, zwischen einzelnen gesetzlichen Krankenkassen zu wechseln. Das schrieb der CDU-Politiker in einem am Sonntag veröffentlichten Gastbeitrag für das “Handelsblatt”.

mehr ...

Immobilien

Vorsicht beim Kauf zwangsversteigerter Häuser

Im angespannten Immobilienmarkt bieten Zwangsversteigerungen die Möglichkeit, ein Haus unterhalb des Marktwertes zu erwerben. Die besonderen rechtlichen Rahmenbedingungen bergen jedoch erhebliche Risiken.

mehr ...

Investmentfonds

“Chancen ergeben sich aus der Ineffizienz der Kapitalmärkte”

Lohnt es sich trotz der ernüchternden Ergebnisse in 2018 in Value-Strategien zu investieren? Darüber hat Cash. mit Andreas Wosol gesprochen. Wosol ist Head of Multi Cap Value & Senior Portfolio Manager des Amundi European Equity Value.

mehr ...

Berater

“Deutsche Commerz”: Mitarbeiter kämpfen gegen Fusion

Gewerkschaften machen von Anfang an Front gegen ein Zusammengehen von Deutscher Bank und Commerzbank. Sie fürchten den Verlust Zehntausender Jobs und die Schließung zahlreicher Filialen. Verdi will nun Kräfte bündeln. Auch die EU-Kommission meldet sich zu Wort.

mehr ...

Sachwertanlagen

BaFin-Kampfansage an Vermögensanlagen

Die BaFin hat verschiedene Arten von Vermögensanlagen-Emissionen in Bezug auf Bedenken für den Anlegerschutz “verstärkt im Blick”, genauer gesagt: fast alle. Sie droht sogar “Produktinterventionen” an, also Verbote. Ein Hammer. Der Löwer-Kommentar

mehr ...
22.03.2019

RWB Group wird 20

Recht

BFH kippt den Bauherrenerlass

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat eine uralte steuerliche Restriktion für geschlossene Fonds kassiert. Darauf weist die Beratungsgesellschaft Baker Tilly jetzt hin. Es gibt Vorteile für die heutigen Fonds, aber auch eine Fußangel.

mehr ...