Elektro-Hybrid-LKWs: Biogas aus Algen?

Im November hat die diesjährige Sitzung des wissenschaftlichen Fachbeirats der ÖkoWorld Lux. S.A. in Mainz stattgefunden. Gastbeitrag von Caroline Glatte Ökoworld

Caroline Glatte berichtet über die neusten Trends beim SRI-Investing.
Caroline Glatte berichtet über die neusten Trends beim SRI-Investing.

Dieser Fachbeirat unterstützt das Nachhaltigkeits-Research von Ökoworld bei der Beobachtung und Bewertung der Forschung und Entwicklung im Klima- und im Wassersektor und bei der Einschätzung von Produkten und Technologien für die Fonds Ökoworld Water for Life und Ökoworld Klima.

Aktuelle Themen und Trends

Elektro-Hybrid-LKWs auf deutschen Autobahnen? Biogas aus Abwasser und Algen? Bauen mit Stroh und Hanf?

Im Fokus der diesjährigen Beiratssitzung stand die Herausforderung, wie die im Dezember 2015 in Paris gesetzten internationalen Klimaziele eingehalten werden können. Dafür hat das SRI-Team der Ökoworld mit Wissenschaftlern verschiedener Fachbereiche anhand aktueller vorgetragener Forschungsergebnisse diskutiert, wie der Abbau (fossiler) Rohstoffe und der Ausstoß von Treibhausgasemissionen begrenzt werden können.

Güterverkehr mit Elektro-Hybrid-Antrieb

Klar ist, das Transportwesen muss ökologisch nachhaltiger werden, um die Nutzung fossiler Brennstoffe sowie die Luftverschmutzung zu reduzieren. Die vollständige Übertragung des Güterverkehrs auf die Schienen, ist in Deutschland derzeit allerdings nicht möglich. Bei Auslastung des bestehenden Schienennetzes, könnte der Verkehr auf den Straßen um lediglich zehn Prozent verringert werden. Die Bahnstrecken reichen also nicht aus; die Autobahnen sind jedoch bereits vorhanden.

Deshalb brauchen wir innovative Lösungen: eine erste Autobahn-Teststrecke mit Oberleitungen für Elektro-Hybrid-LKWs ist in Schweden bereits in Betrieb.

Algen – unterschätzte Organismen

Innovativ ist auch die Nutzung von Algen. In zweierlei Hinsicht: bestimmte Algen eignen sich zur Klärung von Abwasser und anschließend zur Produktion von Biogas. Eine Lebenszyklusanalyse der Methode zeigt, dass die Kultivierung der Algen zwar eine größere Fläche benötigt und damit auch einen höheren Wasserverdunstungsgrad aufweist. Im Vergleich zur konventionellen Abwasserbehandlung spart sie jedoch Primärenergie sowie Emissionen ein.

Zudem steht die Kultivierung von Algen zur Produktion von Biogas nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion, wie es bei Biomasse aus Energiepflanzen wie Mais der Fall ist. Die Gärreste aus der Biogasanlage können anschließend als Dünger für die Landwirtschaft verwendet werden.

Einzelne Testanlagen sind bereits in Betrieb, die industrielle Nutzung ist allerdings im Moment noch nicht wirtschaftlich.

Nachhaltiges Bauen

Die Nutzung nachwachsender Rohstoffe spielt insb. auch im Bausektor eine tragende Rolle. Alternative Baustoffe bspw. Holz, Stroh oder Lehm und biogene Dämmstoffe wie Zellulose oder Hanf weisen in der Lebenszyklusanalyse eine bessere Ökobilanz auf, als konventionelle Stoffe wie z.B.  Zement oder Glaswolle, deren Herstellung wesentlich CO2- intensiver ist.

Durch eine nachhaltige Forstwirtschaft sowie eine mehrfach stoffliche Verwertung (sogenannte Kaskadennutzung) des nachwachsenden Baustoffs Holz, kann die ursprüngliche Kohlenstoffspeicherung – auch in Gebäuden – aufrechterhalten werden.

Zum Verbrennen (thermisches Recycling) ist der Rohstoff Holz jedenfalls viel zu wertvoll.

Kein Eisberg in Sicht?

Prof. Dr. W. Lucht vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung betont, dass die ohnehin nicht konstante, sondern natürlichen Schwankungen ausgesetzte Erde, durch den zunehmenden Kohlenstoffgehalt in der Atmosphäre stark beeinflusst wird.

Auf lange Sicht besteht die Gefahr, die planetaren Grenzen zu überschreiten und das natürliche Gleichgewicht zwischen Eiszeit und Warmzeit zu zerstören.

Aber auch schon heute merken wir diese Veränderungen in der Erdatmosphäre in Form von Gletscherschmelze, Flutkatastrophen und Dürreperioden in vielen Teilen der Welt.

Was zu tun ist

Die Hoffnung in der menschengemachten Klimakrise liegt darin, dass sie von den Verursachenden auch wieder gestoppt werden kann. Wir brauchen eine Ökonomik vereinbarter Knappheit, die bewirkt, dass Ressourcen nicht bis zuletzt aufgebraucht, sondern im Boden gelassen werden.

Voraussetzungen dafür sind sowohl effiziente Technologien, als auch ein suffizienter Lebensstil, um Rebound-Effekte zu vermeiden, Das heisst, dass Kosteneinsparungen durch Effizienzsteigerung nicht zu weiterem oder sogar erhöhtem Konsum führen.

Unternehmen, Politik und jede/r Einzelne ist aufgefordert den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern, um Ressourcen zu schützen und den rasanten Klimawandel doch noch aufzuhalten.

Caroline Glatte ist Sustainability Analyst bei der Ökoworld

Foto: Ökoworld AG

 

 

 

 

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