Anzeige
31. Januar 2017, 13:42
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Italien steht wieder auf der Kippe

In Italien hat sich die Situation auf dem Markt für Staatsanleihen wieder zugespitzt. Dies wirkt sich auch auf den Schweizer Franken aus. Gastkommentar von Florian Weber

Italien in Italien steht wieder auf der Kippe

In Italien nehmen die Unsicherheiten auf dem Kapitalmarkt zu.

Die Entscheidung des italienischen Verfassungsgerichts, große Teile des derzeitigen Wahlgesetzes für verfassungskonform zu erklären, eröffnet die Tür für Neuwahlen bis zum Sommer. Dies führte zu einem weiteren Anstieg der Renditedifferenz zwischen italienischen Staatsanleihen und ihren deutschen Pendants.

Franken unter Aufwertungsdruck

Die zunehmende politische Ungewissheit in Italien hat den Trend für höhere Anleiherenditen noch nicht aufgehalten, ist aber ein wichtiges Risiko. Derzeit ist die die Unsicherheit aber bereits in einem stärkeren Schweizer Franken zu beobachten – der Franken wird unter 1,07 zum Euro gehandelt.

Matteo Renzi und MoVimento 5 Stelle fordern Neuwahlen in der ersten Jahreshälfte 2017. Es ist nicht klar, was der Ausgang einer Wahl sein könnte. Das neue Wahlgesetz wird kaum eine politische Stabilität im Parlament garantieren, da keine Partei nahe an der 40-Prozent-Schwelle liegt, die den Mehrheitsbonus auslösen und somit die Kontrolle über das Unterhaus ermöglichen würde. Das wahrscheinlichste Szenario ist wieder ein zersplittertes Parlament, jedoch liegt das größere politische Risiko in der Übernahme der Macht durch das MoVimento 5 Stelle mit ihrer populistischen und Anti-Euro-Agenda.

Spanien viel stabiler als Italien

Dieses höhere politische Risiko in Italien führt zu einem deutlichen Anstieg der Renditedifferenz von italienischen zu deutschen Staatsanleihen. Sie steigt seit Juli 2016, während die Renditedifferenz von spanischen zu deutschen Staatsanleihen auf dem niedrigsten Niveau der letzten drei Jahren nahezu unverändert blieb. Die höhere Risikoprämie für italienische Anleihen verstärkt das Risiko wegen der erwarteten Reduktion der EZB-Anleihekäufe. Der Markt wird wahrscheinlich Ende des zweiten oder Anfang des dritten Quartals eine weitere Reduzierung der EZB-Anleihekäufe einpreisen. Dies würde zu höheren deutschen Anleiherenditen und einem Anstieg der Renditedifferenz zwischen italienischen und deutschen Anleihen führen.

Die Unsicherheit ist bereits in einem stärkeren Schweizer Franken zu beobachten, welcher nun unter 1,07 Franken zum Euro handelt. Für 2017 sollte sich der Franken weiter gegenüber dem Euro aufwerten, da die politische Unsicherheit in Europa nach wie vor hoch ist und der Zinsunterschied zwischen Eurozone und der Schweiz niedrig ist. Politische Risiken sollten auch in den nächsten Monaten ein wichtiger Treiber für Währungen bleiben. Zwar deutet die EUR-USD-Volatilitätslaufzeitenstruktur darauf hin, dass FX-Investoren das Risiko aus den französischen Präsidentschaftswahlen bereits beginnen einzupreisen, jedoch ist das Level noch deutlich unter dem Niveau der Krisenjahre 2011/2012.

Notenbank hat drei Möglichkeiten

Wenn politische Risiken im Euroraum eskalieren, werden die Währungen voraussichtlich sehr stark reagieren. Die Nationalbank muss dann zwischen drei Optionen wählen: 1. Stärkerer Schweizer Franken, 2. FX-Interventionen und 3. tieferer negativer Leitzins. Die SNB kann zögern, in den Devisenmärkten zu intervenieren, da anderenfalls die Schweiz von der neuen Trump-Administration als Währungsmanipulator bezeichnet werden könnte.

Florian Weber ist Fixed Income Strategist bei der Bank J. Safra Sarasin AG, Basel

Foto: Bank J. Safra Sarasin 

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 11/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Megatrend Demografie – Indizes – Naturgefahren – Maklerpools

Ab dem 16. Oktober im Handel.

Cash.Special 3/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Riester-Rente – bAV – PKV – Bedarfsanalyse

Ab dem 22. Oktober im Handel.

Versicherungen

Risiko-LV: Kunden gewinnen, Abschlussquoten steigern

Risiko-Lebensversicherungen machen laut Branchenzahlen mehr als ein Fünftel des Neugeschäftes der deutschen Lebensversicherer aus. Was Anbieter tun können um sich im Wettbewerb erfolgreich aufzustellen, hat das Marktforschungsinstitut Heute und Morgen untersucht.

mehr ...

Immobilien

Ab auf die Insel: Privatinsel in Irland steht zum Verkauf

Wer schon immer von einer eigenen Insel geträumt hat, könnte sich diesen Traum in Irland erfüllen – das nötige Kapital vorausgesetzt. Die Privatinsel “Horse Island” steht zum Verkauf, mitsamt einem gerämigen Anwesen. Sogar ein Hubschrauberlandeplatz steht zur Verfügung.

mehr ...

Investmentfonds

Alzheimer-Forschung: Was der aktuelle Stand für Investoren bedeutet

Alzheimer betrifft allein in den USA und Europa 15 Millionen Menschen, Tendenz steigend. Bis heute wurde kein Wirkstoff gefunden, mit dem sich Alzheimer verlangsamen lässt. Die Ursachen sind ungeklärt, verschiedene Thesen werden aktuell diskutiert. Der hohe Bedarf an Behandlungsmethoden birgt ein großes Potenzial für Investoren. Gastbeitrag von Mina Marmor, Sectoral Asset Management

mehr ...

Berater

JDC bietet Webinare zur neuen DIN-Norm in der Finanzberatung

Die neue DIN 77230 “Basis-Finanzanalyse für Privathaushalte” ersetzt die bisherige DIN SPEC 77222. Die neue Norm nimmt sich, wie ihr SPEC-Vorläufer, die Basisanalyse der Finanzen von Privathaushalten vor. Jung, DMS & Cie. bietet deshalb Webinare für Vertriebspartner an, um auf die neue DIN-Norm zu schulen. 

mehr ...

Sachwertanlagen

G.U.B. Analyse: „A“ für RWB Global Market Fund VII

Das Hamburger Analysehaus G.U.B. Analyse bewertet die Emission „RWB Global Market Fund VII der RWB Private Capital Emissionshaus AG mit insgesamt 81 Punkten. Das entspricht dem G.U.B.-Urteil „sehr gut“ (A).

mehr ...

Recht

Falling down: Wer haftet bei rutschigen Bürgersteigen?

Der Herbst und das liebe Laub. Was im Sonnenschein auf den Bäumen noch schön aussieht, kann am Boden schnell zur Gefahr werden. Wird Laub nicht beseitigt und führt zu Unfälle, kann’s teuer werden. Mal ganz abgesehen von dem drohenden Ärger mit der Justiz. Worauf Mieter und Hausbesitzer jetzt achten sollten.

 

mehr ...