Neuwahlen in UK: Börsen schätzen Situation falsch ein

Die britische Premierministerin Theresa May will sich mit den angekündigten Neuwahlen am 8. Juni ein klares Mandat der Briten für die Brexit-Verhandlungen verschaffen. Die Fonds-Experten beurteilen die Reaktion der Börsen als Fehleinschätzung.

Dominic Rossi, Fidelity
Dominic Rossi, Fidelity, sieht Reaktion der Börsen als ungerechtfertigt an.

„Die Aktienmärkte tendierten gestern schwächer. Grund dafür war der Anstieg der britischen Währung. Hinter der positiven Reaktion des Pfunds auf die Ankündigung vorgezogener Neuwahlen in Großbritannien steht die Annahme, dass der Brexit aufgeschoben und möglicherweise ein zweites Referendum abgehalten wird. Beides ist jedoch völlig unzutreffend – die Börsen schätzen die Situation falsch ein. Der Brexit wird kommen, und die Premierministerin will nur erreichen, dass die britische Regierung bei den Verhandlungen freie Hand hat. Von daher wird der Anstieg des Pfunds, den wir gestern gesehen haben, nur von kurzer Dauer sein“, sagt Dominic Rossi, Chefanlagestratege für globale Aktien bei Fidelity International.

Börsen wurden überrascht

Und Ian Spreadbury, Rentenfondsmanager bei Fidelity International, legt nach: „Eigentlich würden die nächsten Parlamentswahlen in Großbritannien erst 2020 stattfinden. Allerdings bestand immer die Möglichkeit, dass Premierministerin Theresa May vorgezogene Neuwahlen ausrufen würde. Der Zeitpunkt hat die Börsen jedoch überrascht. Die Renditen britischer Staatsanleihen (Gilts) zogen an und das Pfund gewann an Wert, nachdem der Markt zunächst schwächer eröffnet hatte. Wir gehen gegenwärtig davon aus, dass Theresa May eine genügend breite Mehrheit erringen wird, um sich eine stärkere Verhandlungsposition gegenüber den EU-Staaten zu verschaffen. In dem sehr unwahrscheinlichen Fall, dass May die Mehrheit verfehlt, verlöre sie vermutlich ihr Amt als Parteivorsitzende, und die britische Währung würde wohl sofort unter Druck geraten. Eine Flucht in Qualität auf breiter Front würde zu einem Rückgang der Gilt-Anleiherenditen führen – wie schon nach dem Referendum im vergangenen Jahr. Kurzfristige Unsicherheit sollte indessen dafür sorgen, dass die Bewegungen bei den Renditen relativ begrenzt bleiben.

Bank of England sollte an expansiver Politik festhalten

Die Bank of England hat ihre jüngsten Staatsanleihekäufe und zum größten Teil auch das Programm zum Ankauf von Unternehmensanleihen abgeschlossen. Wir gehen trotzdem davon aus, dass sie die Marktbedingungen auch künftig nicht ignorieren und in dieser Phase an einer expansiven Politik festhalten wird. Ein mögliches Anwachsen der Renditeaufschläge bei Unternehmensanleihen würde dadurch gedämpft.

Auch in der Positionierung der Marktteilnehmer spiegeln sich die erhöhten Risikoaufschläge für die globalen politischen Gefahren wider. Wir werden uns an den Kreditmärkten weiterhin vorsichtig verhalten und in erster Linie auf Papiere setzen, von deren Qualität wir besonders überzeugt sind, sowie auf weniger zyklische und Schuldverschreibungen.“

Foto: Fidelity

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