8. März 2017, 06:35
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Wirtschaftsdynamik in der Schweiz enttäuscht

Aus der Schweiz wurde jüngst ein relativ schwaches BIP-Wachstum vermeldet. Dies steht im Gegensatz zu vielen vorlaufenden Konjunkturindikatoren. Gastkommentar von Ursina Kubli Bank J. Safra Sarasin AG

Kubli-Ursina-Sarasin-750 in Wirtschaftsdynamik in der Schweiz enttäuscht

Ursina Kubli analysiert die Entwicklung der schweizer Wirtschaft.

Für das laufende Jahr sind wir vorsichtiger als der Konsens und prognostizieren ein jährliches Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent. Bewahrheitet sich dieses verhaltene Wachstum in der Schweiz dürfte die SNB die Maßnahmen aufstocken, den Aufwertungsdruck auf den Franken zu bremsen. Wir erwarten, dass die SNB im 1. Halbjahr ihre Zinsen ein weiteres Mal senkt.

Andere Länder wachsen schneller

Das Wirtschaftswachstum war in der Schweiz im Jahr 2016 viel verhaltener als erwartet. Im vierten Quartal legte das Schweizer BIP wie auch schon im dritten Quartal nur gerade +0,1 Prozent zu. Dieses schwache Wachstum steht in starkem Kontrast zu den ökonomischen Vorlaufindikatoren, welche in der Schweiz auf eine kräftige wirtschaftliche Expansion deuteten. Auch im Vergleich zu anderen Ländern war das Schweizer Wirtschaftswachstum enttäuschend. Für das Gesamtjahr 2016 resultierte in der Schweiz ein Wachstum von 1,3 Prozent, während das BIP in der Eurozone 1,7 Prozent gewachsen ist.

Die Bauinvestitionen und der private Konsum haben das Wachstum gebremst während es im Jahr 2016 neben dem Staatskonsum und den Ausrüstungsinvestitionen von einem hohen Nettoexportüberschuss getragen wurde. Die hohe Exportaktivität in der Schweiz darf jedoch nicht zu einer voreiligen Schlussfolgerung führen, die starke Währung sei kein Problem für die Schweizer Wirtschaft oder der Franken sei womöglich gar nicht so überteuert, wie gedacht. Wäre das der Fall, könnte die Schweizerische Nationalbank aufhören am Markt zu intervenieren und damit den Franken aufwerten lassen.

Pharmaindustrie erfolgreich

Jedoch war das bemerkenswerte Wachstum der Exporte von insgesamt +4.6 Prozent im vergangenen Jahr vorwiegend von der Pharmaindustrie getragen. Aufgrund der hohen Margen und den fehlenden Substituten sind Pharmaexporte kaum von den Währungsentwicklungen tangiert. Die guten Exportdaten sind vielmehr auf den Entscheid zurückzuführen, in den vergangenen Jahren mehr Produktion in die Schweiz zu verlagern. Novartis zum Beispiel hatte  500 Millionen Franken in eine neue Produktionsstätte in Stein (AG) investiert. Ob eine höhere Produktionstätigkeit in der Schweiz ein struktureller Trend sein wird, wird sich erst noch zeigen. Grenzübergreifende Steuern in den USA oder eine unvorteilhafte Unternehmenssteuerreform in der Schweiz, könnte den Ausblick für den Schweizer Produktionsstandort trüben.

Andere Sektoren spüren jedoch den Gegenwind des starken Frankens. Auch die jüngste Publikation des Bundesamts für Statistik bezüglich der wachstumsstärksten Unternehmen zeigt einen  geringeren Anstieg in den Sektoren Industrie und Energie sowie Gastgewerbe und Beherbergung an. Währungssensitive Sektoren bleiben unter Druck. Dementsprechend ist unser wirtschaftlicher Ausblick für das laufende Jahr etwas verhaltener als der Konsens. Wir erwarten ein jährliches Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent, während der Konsens 1,5 Prozent prognostiziert. Bewahrheitet sich dieses Szenario, dürfte sich die SNB weiterhin gegen die hohe Franken-Nachfrage stemmen. Wir erwarten, dass die SNB im ersten Halbjahr 2017 ihre Zinsen um weitere 25 Basispunkte senken wird.

Ursina Kubli ist Ökonomin bei der Bank J. Safra Sarasin AG, Basel

Foto: Bank J. Safra Sarasin AG

Ihre Meinung



 

Versicherungen

CHARTA AG setzt auf den Covomo-Vergleichsrechner

Der Covomo Versicherungsvergleich aus Frankfurt hat einen weiteren Kooperationspartner gewonnen. Ab sofort befindet sich der digitale Online-Vergleichsrechner auf dem Maklerportal des Düsseldorfer Maklerverbunds CHARTA Börse für Versicherungen AG.

mehr ...

Immobilien

Trotz Kurssturz: Corestate operativ auf Kurs

Die Corestate Capital Holding S.A., unter anderem Muttergesellschaft des Fondsanbieters Hannover Leasing, betont vor dem Hintergrund der gestrigen Kursentwicklung “den durchweg positiven operativen Geschäftsverlauf in 2019 und die attraktiven Wachstumsaussichten über alle Geschäftsfelder und Produkte hinweg”.

mehr ...

Investmentfonds

Deutsche unterschätzen Erträge bei der Geldanlage

Die Zinsen für Spareinlagen sinken auf immer neue Tiefstände. Doch davon wollen viele Sparer nichts wissen und erwarten satte Erträge, so eine aktuelle Postbank Umfrage. Insbesondere junge Anleger rechnen mit fantastischen Gewinnen nahe der Zehn-Prozent-Marke – eine riskante Fehleinschätzung.

mehr ...

Berater

P&R: Weitere Anlegerklage gegen den Vertrieb abgewiesen

Ein Vertrieb, der Container der inzwischen insolventen P&R-Gruppe an eine Anlegerin verkauft hatte, hat seine Pflicht zur Plausibilitätsprüfung nicht verletzt. Das geht aus einem weiteren klageabweisenden Urteil hervor, das die Kanzlei Dr. Roller & Partner aus München erstritten hat.

mehr ...

Sachwertanlagen

Holger Fuchs verlässt Deutsche Finance

Nach mehr als 13 Jahren Tätigkeit für die Deutsche Finance Group – unter anderem als Vorstand Marketing und zuletzt Geschäftsführer der Deutsche Finance Networks – geht Holger Fuchs andere Wege.

mehr ...

Recht

BTC-Echo: BaFin löscht ihre eigene Warnung

Die Finanzaufsicht BaFin hat die Meldung zu dem “begründeten Verdacht”, die BTC-Echo GmbH biete ein Wertpapier in Form eines “Security Token” ohne einen (erforderlichen) Prospekt öffentlich an, wieder von ihrer Website genommen.

mehr ...