Neues Vertrauen in Argentinien

Eigentlich ist Mark Lawrence nach Argentinien gereist, um rauszufinden, welche Titel er lieber verkaufen sollte. Doch aus der Verkaufs- wurde eine Einkaufstour. Wie es dazu kam und welche Sektoren besonders interessant sind:

Ölpumpe in der argentinischen Wüste. Der argentinische Energiesektor ist für Investoren interessant.

2017 war der argentinische Aktienmarkt Spitzenreiter im MSCI Frontier Markets Index. „Seit unserer ersten Reise nach Argentinien 2014 ist die konjunkturelle Erholung des Landes bemerkenswert“, sagt Mark Lawrence, Senior Analyst bei T. Rowe Price.

Vertrauen in Steuerreform

Unternehmen und Bürger würden den Plänen für eine Steuerreform von Präsident Mauricio Macri vertrauen. „Während die Steuerreform und die Deregulierung Wirkung zeigen, bleibt die Geldpolitik jedoch ein Problem. Auch die Inflationsrate ist mit 20 Prozent zu hoch und müsste reduziert werden, um die Ziele der Zentralbanken zu halten, die bereits nach oben korrigiert wurden“, sagt Lawrence.

Viele Unternehmen hätten in den vergangenen zwei Jahren Führungswechsel durchlaufen, die eng mit dem Amtsantritt von Präsident Mauricio Macri verzahnt seien. Eine Reihe ehemaliger Angestellter von Privatunternehmen hätten Schlüsselpositionen im öffentlichen Sektor übernommen.

„Der stellvertretende Vorstand der Zentralbank war in seiner vorherigen Tätigkeit bei einem Hedgefonds. Der Leiter des staatlichen Pensionsfonds ist ein ehemaliger Anleihemanager von BAML und auch das Duo, das die Finanzaufsicht leitet, kommt von Privatunternehmen. Nicht zuletzt war der aktuelle Finanzminister Nicolás Dujovne einer unserer bevorzugten Ökonomen“, sagt Lawrence.

Stabiler Bankensektor

„Sogar die staatseigenen Unternehmen Telecom Argentina und YPF Sociedad Anónima haben neue Vorstände. Wir haben uns mit den jeweiligen CFOs getroffen, die uns zeigten, dass sie bereits seit zwei Jahren Fünfjahrespläne verfolgen.“

Ein Schwerpunkt des letzten Besuchs lag auf dem Bankensektor. Die anhaltend hohe Inflationsrate habe die Eigenkapitalrendite und das Kurs-Buchwert-Verhältnis der argentinischen Banken steigen lassen, sodass die Bewertungen auf den ersten Blick hoch erschienen.

Auf der anderen Seite werde ein Kreditwachstum erwartet, das sich in den nächsten zwei Jahren um 40 Prozent beschleunigen könnte. Hinzu komme, dass die Liquidität der Institute stark und die Qualität der Anlagen gut sei. Auch das Kosten-Ertragsverhältnis habe noch Verbesserungsspielraum. Lawrence ist vom Finanzinstitut Galicia überzeugt.

Einkaufs- statt Verkaufstour

Auf der Tagesordnung standen zudem Treffen mit Energieunternehmen. „Wir haben einen sehr positiven Eindruck von YPF Sociedad Anónima“, sagt Lawrence. Ermutigt habe ihn, dass das Management entschieden hat, den Zugang zur Schiefergasreserve Vaca Muerta für Dritte zu öffnen. „Wir erwarten, dass weitere Erschließungen dieses Schlüssel-Assets ein Katalysator für zukünftiges Ertragswachstum sind.“

Darüber hinaus traf sich das Frontier Team mit Vertretern aus dem Telekommunikationssektor. Ein großes Thema sei die Fusion des Kabelnetzbetreibers Cablevision mit dem Mobilfunkunternehmen Telecom Argentina gewesen.

„Während wir anfangs dachten, dass der Besuch in Argentinien uns helfen würde, mögliche Verkaufsideen zu finden, hat er stattdessen unser Vertrauen in das Land gestärkt – sowohl aus der Bottom-up- als auch Top-down-Perspektive“, resümiert Lawrence.

Foto: Shutterstock

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