Anzeige
17. April 2018, 08:19
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Superwahljahr in den Emerging Markets

Russland, Ägypten und China haben bereits in den vergangenen Wochen ihre Staatsoberhäupter im Amt bestätigt. Im laufenden Jahr folgen vor allem in Lateinamerika noch entscheidende Wahlen. Welche Auswirkungen könnten die Ergebnisse für die weltweiten Finanzmärkte haben? Ein Gastbeitrag von René Lichtschlag, Union Investment

Lichtschlag IMG 9964 Gro -Kopie in Superwahljahr in den Emerging Markets

René Lichtschlag, Union Investment: “Das Superwahljahr 2018 wird entscheidend für die weitere Entwicklung der Länder Lateinamerikas sein.”

Die Situation für Investoren in den Schwellenländern ist schon seit längerer Zeit gut. Der weltweite synchrone Wirtschaftsaufschwung, der schwache US-Dollar und die gestiegenen Rohstoffpreise unterstützen die Emerging Markets (EM). Auch die Suche nach höherverzinslichen Anlagen von Investoren aus dem Euroraum, wo die Zinsen historisch niedrig sind, wirken unterstützend. Die Kurse der Hartwährungs-Staatsanleihen aus den EMs sind seit Anfang 2017 über acht Prozent im Plus. Der MSCI Emerging Markets-Index ist im gleichen Zeitraum in lokaler Währung um fast 30 Prozent gestiegen. Schwellenländer-Investments dürften auch 2018 vom guten Fundamentalbild profitieren.

Unsicherheit könnte hingegen von den anstehenden Wahlen, vor allem in Lateinamerika, ausgehen. Dem erwartbaren Ausgang der Russlandwahl Mitte März wurde von den internationalen Finanzmärkten eher wenig Beachtung geschenkt. In Lateinamerika dagegen sind die Wahlausgänge ungewiss. Dies birgt Überraschungspotenzial und kann zu höheren Volatilitäten an den Finanzmärkten führen.

Große Politikverdrossenheit

2018 und 2019 wählen fast alle lateinamerikanischen Länder neue Präsidenten beziehungsweise Parlamente. Und das betrifft vor allem Staaten, in denen sich zuletzt eine große Unzufriedenheit aufgestaut hat. In Brasilien, Kolumbien und Mexiko liegt die Zustimmungsrate für den Präsidenten teilweise sogar unter der 20-Prozent-Marke. Durch die allgemeine Politikverdrossenheit sind Quereinsteiger aus den unterschiedlichsten Richtungen als Kandidaten besonders erfolgreich: In Argentinien und Chile haben 2017 die Unternehmer Mauricio Macri und Sebastián Piñera gewonnen, in Guatemala der TV-Komiker Jimmy Morales.

Mexiko

Der Plan des derzeitigen mexikanischen Präsidenten Peña Nieto war es, die Korruption und die Macht der Drogenkartelle einzudämmen. Er stand dann aber bald selbst unter dem Verdacht der Vorteilsnahme. Seine “Partei der Institutionalisierten Revolution” (PRI) lässt sogar einen anderen, nämlich den ehemaligen Finanzminister José Antonio Meade, als Präsidentschaftskandidaten für die Wahl am 1. Juli 2018 antreten.

In aktuellen Umfragen liegt allerdings der Linkspopulist Andrés Manuel López Obrador (“AMLO”) mit etwa 35 Prozent vorne. Auf dem zweiten und dritten Platz folgen die beiden Kandidaten der christdemokratischen “Partido Acción Nacional” (PAN) und eben der PRI, die das politische Establishment verkörpern. Auch wenn Wahlprognosen in Lateinamerika generell mit Vorsicht zu genießen sind, wird es derzeit als recht wahrscheinlich angesehen, dass AMLO mit einem der Kandidaten von PAN und PRI in die Stichwahl kommt.

Hohe Wettbewerbsfähigkeit

Die hohe Wettbewerbsfähigkeit und Integration in die amerikanische Vorleistungskette verhalf Mexiko in den letzten Jahren zu einer stabilen Position in globalen Stressszenarien. Da aber die erwarteten Reformen ausblieben, verharrte die wirtschaftliche Dynamik auf einem niedrigen Niveau. Falls AMLO im Juli zum Präsidenten gewählt werden würde, dürfte dies das Wachstum Mexikos weiter schwächen. Denn zum einen plant AMLO, die Sozialausgaben zu erhöhen, zum anderen will er bereits verabschiedete Reformen und Infrastrukturprojekte erneut auf den Prüfstand stellen und möglicherweise wieder zurücknehmen.

Aus Investorensicht wäre es deswegen eher zu begrüßen, wenn eine der beiden etablierten Parteien PRI oder PAN die Wahl gewännen. Denn diese wollen die bereits begonnenen Reformen weiter voranbringen. Noch spielt der anstehende Urnengang am mexikanischen Kapitalmarkt allerdings nur eine untergeordnete Rolle – die NAFTA-Neuverhandlung mit den USA und Kanada, die Diskussion um Strafzölle seitens der USA sowie Donald Trumps Mauerbau-Vorhaben stehen eher im Fokus.

Seite zwei: Erholung am Zuckerhut

Weiter lesen: 1 2

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 08/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Emerging Markets – Altersvorsorge – Bausparen – Recruiting

Ab dem 20. Juli im Handel.

Special Investmentfonds

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Nachhaltig anlegen: Mehr Rendite mit gutem Gewissen
Gewinne im Fokus: Die besten Dividenden-Fonds

Versicherungen

Digitalisierung: “Versicherer müssen kulturelle Hürden überwinden”

Möchten Versicherer an Schlagkraft gewinnen, müssen sie die digitale Transformation deutlich konsequenter angehen und vor allem die Managementkapazitäten zielgerichtet einsetzen. Denn bisher hat nur jede zweite Versicherung eine Digitalisierungsstrategie entwickelt.

Gastbeitrag von Stefan Geipel, zeb

mehr ...

Immobilien

Wohneigentum: Preise im Norden und Osten steigen weiter

Im zweiten Quartal 2018 haben die Immobilienpreise in Hamburg, Hannover, Berlin und Dresden angezogen – wenn auch mit unterschiedlicher Dynamik. Welche Besonderheiten sich daraus für die Finanzierung ergeben, erklärt Frank Lösche, Spezialist für Baufinanzierung bei Dr. Klein in Hamburg.

mehr ...

Investmentfonds

Trump kritisiert Zinspolitik der US-Notenbank

Der US-Präsident sagt mitunter Dinge, die er besser für sich behalten sollte. Diesmal rüffelt er die unabhängige Notenbank Fed, weil diese die Leitzinsen erhöht hat. Seine Sprecherin muss es wieder richten.

mehr ...

Berater

Grundfähigkeiten: Essenziell und schützenswert

Für die meisten von uns ist der Beruf nicht nur die Basis des Lebensunterhalts, sondern auch ein wichtiger Pfeiler der Identität. Kein Wunder also, dass die Absicherung der Arbeitskraft eine höchst individuelle Angelegenheit ist und deshalb von so gut wie allen Experten empfohlen wird.

Die Wald-Kolumne

mehr ...

Sachwertanlagen

DFV kauft Hotel für weiteren Publikumsfonds

Die DFV Deutsche Fondsvermögen GmbH, eine Tochtergesellschaft der Immac Holding, hat das Rilano Hotel in Oberursel erworben. Es soll Objekt eines weiteren alternativen Investmentfonds (AIF) werden.

mehr ...

Recht

Unerlaubte Geschäfte: Zieht Olaf Scholz die Zügel an?

Die Anzahl der Verfügungen der Finanzaufsicht BaFin wegen unerlaubter Geschäfte hat in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen. Die Gesamtzahl des Jahres 2017 wurde bereits überschritten.

mehr ...