Anzeige
20. März 2018, 08:44
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Weltwassertag: Kreisläufe schließen – Wertvolles zurückholen

Die Vereinten Nationen (UN) rufen die Staatengemeinschaft zur Unterstützung des Weltwassertags am 22. März 2018 auf, der anlässlich der Weltkonferenz “Umwelt und Entwicklung” 1992 in Rio de Janeiro ins Leben gerufen wurde. Der Weltwasserstag 2018 steht unter dem Motto “Nature for Water”. Der aktuellen World Water Development Reports der UN konzentriert sich ebenso auf die Thematik und lautet für 2018  “Nature-Based Solutions for Water”.  Ein Gastkommentar von Mathias Pianowski und eine Einschätzung von Nedim Kaplan, beide Ökoworld

Image002 in Weltwassertag: Kreisläufe schließen – Wertvolles zurückholen

Mathias Pianowski, Ökoworld, über das Investmentpotenzial von Wasser.

Schon die Goldschürfer der Klondike wussten: Nicht nur Wasser ist wertvoll. Sondern auch das, was darin enthalten ist. Mehr als 500 Tonnen Gold rangen sie dem Klondike-Gebiet im Laufe der Jahre ab. Heute gewinnen Unternehmen aus den Abwässern ihrer industriellen Prozesse Gold und andere Edelmetalle zurück. In Industrieländern ist das Standard. Weil es sich rechnet und weil zum Schutz der Gesundheit und Gewässer Gesetze befolgt werden müssen.

Viel zu lange schon warten aber ganz andere Schätze in unseren Abwässern, um die sich der Gesetzgeber besser frühzeitig hätte kümmern sollen. Nun endlich nimmt die Politik einen Stoff ins Visier, der vor 350 Jahren auf der Suche nach dem Stein der Weisen entdeckt wurde: Phosphor.

Element Phosphor
Phosphor ist ein unentbehrlicher Stoff. Ohne das Element können Pflanzen, Tiere und Menschen nicht leben. Phosphor dient uns vor allem als Mineraldünger.

Das Problem: Deutschland ist bei der Versorgung mit Mineraldüngerphosphat vollständig von Importen abhängig – wie fast alle anderen EU-Staaten auch. Fast alle Quellen stammen aus politisch instabilen Regionen. Die Vorkommen konzentrieren sich auf wenige Länder in Nordafrika und im östlichen Mittelmeerraum sowie auf China. Das Angebot verknappt sich stark. Die weltweiten Reserven sind endlich und reichen laut Umweltbundesamt schätzungsweise noch 50 bis 200 Jahre.

Offensichtlich besteht hier ein Risiko, das gesteuert werden muss. Die Lösung wäre das Umsetzen einer Kreislaufwirtschaft, wobei die Nutzung von Abwasser als Rohstoffquelle eine tragende Funktion hätte.

Wie würde der Prozess bei Phosphor aussehen?
Phosphor gelangt über menschliche Ausscheidungen in der Abwasser. Bei der heutigen Standard-Reinigung kommunaler Abwässer entsteht am Ende Klärschlamm. Dieser besteht aus Feststoffen aus dem Abwasser und aus Mikroorganismen. Die Düngung mit Klärschlamm wird aufgrund der Belastung durch Schadstoffe wie Schwermetalle und Arzneimittelreste heute allerdings überwiegend abgelehnt.

In Deutschland läuft die Genehmigung zum Düngen bis 2029 für große Kläranlagen aus. Der Klärschlamm – genauer der darin enthaltene Kohlenstoff – wird heute zunehmend verbrannt und damit zumindest noch thermisch verwertet. Bei der Mitverbrennung von Klärschlamm in Kohlekraftwerken, Zementwerken oder Müllverbrennungsanlagen geht Phosphor aber verloren – neben anderen Rohstoffen wie Stickstoff.

Abfall ist kein Müll mehr: Phosphorrückgewinnung ab 2029 gesetzlich vorgeschrieben
In Deutschland ist die Rückgewinnung von Phosphor aus Abwasser, Klärschlamm oder Klärschlammasche ebenfalls ab 2029 gesetzlich vorgeschrieben. Aus der Klärschlammasche soll Phosphor – vereinfacht gesagt – zu 80 Prozent rückgewonnen werden. Aus einer umwelt- und volkswirtschaftlichen Logik heraus ist das sehr spät. Deutschland zählt damit im internationalen Vergleich aber immer noch zu den Vorreitern.

Die entsprechenden Technologien sind derzeit noch unterschiedlich ausgereift. Tendenziell am weitesten fortgeschritten sind Technologien zur Rückgewinnung von Phosphor aus Abwasser und Schlammwasser. Allerdings ist bei vielen Prozessen die Einbindung in Kläranlagen noch wenig erprobt. Wahrscheinlich wird langfristig die Phosphor-Rückgewinnung aus Klärschlammasche – zumindest bei der Monoverbrennung – der bedeutendste Recyclingpfad werden.

Wegen dieser technologischen Lücke soll es bald möglich sein, Klärschlamm für eine begrenzte Zeit zu lagern, um später daraus Phosphor zurückzugewinnen. Auch das ist ein Beleg dafür, wie groß das Problem eigentlich ist und wie hoch die Verknappung in der Zukunft sein wird.

Klar ist in jedem Fall: Abfall ist schon längst kein Müll mehr.

Seite zwei: Wasser ist Leben

Weiter lesen: 1 2

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 09/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

PKV – Nachhaltige Geldanlage – Wohnen auf Zeit – Hitliste der Maklerpools

Ab dem 16. August im Handel.

Special Investmentfonds

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Nachhaltig anlegen: Mehr Rendite mit gutem Gewissen
Gewinne im Fokus: Die besten Dividenden-Fonds

Versicherungen

Olaf Scholz’ Rentenpläne: Für DIA eine “unverantwortliche Vorfestlegung”

Die rentenpolitischen Überlegungen von Bundesfinanzminister Olaf Scholz sorgen für deutlichen Widerspruch. Nachdem sich bereits Union und Grüne heftig über den Vorschlag echauffierten, warnt nun das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) deutlich vor Steuererhöhungen zur Finanzierung der künftigen Renten.

mehr ...

Immobilien

LBS: Nur jeder dritte Immobilienkäufer zahlt Maklergebühr

Der Kauf einer Immobilie ist mit einer Reihe von Nebenkosten verbunden. In jedem dritten Fall wird nach einer Analyse der LBS neben der Grunderwerbsteuer auch Maklergebühr fällig. Ist die Vergütung gerechtfertigt?

mehr ...

Investmentfonds

Absolute-Return-Strategien verlieren relativ an Bedeutung

Die Nachfrage nach Absolute-Return-Strategien und alternativen UCITS-Fonds wächst kontinuierlich und damit auch das von ihnen verwaltete Kapital. Das sind Ergebnisse einer Studie von Lupus alpha, die auch aufdeckt, warum klassiche Absolute-Return-Fonds relativ an Bedeutung verlieren, obwohl auch sie wachsen:

mehr ...

Berater

Firmenkunden erwarten digitale Lösungen

80 Prozent der kleinen Unternehmen und Gewerbekunden in Deutschland nutzen inzwischen Online-Banking. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Star Finanz, einem Anbieter von Online- und Mobile-Banking-Lösungen. Bei Star Finanz wird erwartet, dass sich der Digitalisierungsgrad im Firmenkundengeschäft weiter erhöhen wird. 

mehr ...

Sachwertanlagen

Weitere Zweitmarkt-Schuldverschreibung von Secundus

Die Secundus Erste Beteiligungsgesellschaft mbH emittiert das „SubstanzPortfolio 3“. Investiert wird unter anderem in Zweitmarktanteile der Anlageklassen Immobilien, Schiffe, Flugzeuge, Erneuerbare Energien und Private Equity/Infrastruktur.

mehr ...

Recht

Umsatzsteuerkartell aufgeflogen – Betrug im größten Stil

Jahrelang wurde ermittelt. Nun wird ein Riesenerfolg im Kampf gegen Steuerhinterziehung vermeldet. Die Betrüger hatten es auf einen begehrten Rohstoff abgesehen. Der Schaden könnte mehrere 100 Millionen Euro betragen.

mehr ...