„Big Data wirkt sich auf alle Sektoren aus“

Die Welt wird zunehmend durch Daten bestimmt. Der Sammlung, Verarbeitung und Nutzung kommt zukünftig unter dem Begriff „Big Data“ eine Schlüsselrolle zu. Cash. sprach mit Jacques-Aurélien Marcireau, Co-Head Equities und Fondsmanager des EdR Fund Big Data sowie Xiadong Bao, Co-Fondsmanager des EdR Fund Big Data, darüber inwieweit dieses Thema bereits heute für Anleger interessant sein kann.

Xiadong Bao, Co-Fondsmanager des EdR Fund Big Data.

Künstliche Intelligenz taucht als Begriff beinahe täglich in unterschiedlichen Kontexten auf. Gleiches gilt für Big Data. Was verstehen Sie darunter und wo liegt das Potenzial in diesem Bereich?

Marcireau: Innerhalb der letzten 15 Jahre haben wir uns von einer Welt, in der Informationen eher Mangelware waren zu einer Welt mit schier unendlichem Datenreichtum entwickelt. 2,5 Trillionen Bytes an Daten werden täglich auf der ganzen Welt generiert.

Die Wachstumsrate ist so groß, dass 90 Prozent der heute vorhandenen Daten allein in den letzten beiden Jahren erzeugt wurden. Das Themengebiet Big Data umfasst aus unserer Sicht drei Sphären:

  1. Volumen: die Menge der erzeugten Daten wächst exponentiell.
  2. Vielfalt: Quellen (Internet, Objektspeicher, Unternehmen etc.) und Formate vervielfachen sich und
  3. Geschwindigkeit: die Schnelligkeit, mit der Daten erzeugt und geteilt werden, nimmt zu.

Sie kritisieren, dass die meisten Anleger nur die GAFA-Aktien im Fokus haben, warum?

Bao: Das stimmt, die meisten Anleger haben sich auf die wenig homogene Gruppe der Technologie-Giganten Google, Apple, Facebook und Amazon fokussiert. Doch sie sind nur die Spitze des Eisbergs, was dazu führt, dass sie den meisten Investoren bestens bekannt sind und so auch keine Marktineffizienzen bieten, die sich nutzen ließen.

Aus unserer Sicht sind die Bewertungen von Unternehmen, die als Infrastrukturprovider Daten zugänglich machen oder Firmen, die Daten nutzen, um sich dadurch einen strategischen Vorteil zu verschaffen, deutlich niedriger und daher viel eher eine Investmentgelegenheit.

Welche Unternehmen sind für Sie im Gegensatz dazu die Game Changer bzw. in welchen Sektoren sind diese unterwegs?

Marcireau: Big Data wirkt sich mittlerweile auf beinahe alle Sektoren aus, beispielsweise in der Instandhaltung von Maschinen, kundenbezogene Angebote, in den Bereichen Energieeffizienz, medizinische Vorsorge oder autonomes Fahren. Dort wird der Einfluss von Big Data in den kommenden Jahren noch deutlich zunehmen.

Deshalb gehen wir bei der Aktienauswahl sehr selektiv vor und präferieren insbesondere drei Unternehmenstypen:

  1. Infrastruktur: Unternehmen, die Daten sammeln und von „Big Data-Firmen“ erzeugte Daten bereitstellen
  2. Analysen: Unternehmen, die die Software zur Analyse der Daten erstellen und
  3. Datennutzer: Non-Technologie-Unternehmen, die Big Data bereits in ihr Kerngeschäft integriert haben, um einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen.

Sie sprechen davon, dass „Big Data“ eine neue Form der Wertschöpfung darstellt. Können Sie das näher erläutern?

Bao: Google und Facebook waren Vorreiter in der effizienten Nutzung von Daten und haben so neue Produkte und Services kreieren können. Der enorme Zuwachs ihrer Marktkapitalisierung spricht hier eine deutliche Sprache.

Mit Hilfe von Big Data können nun auch andere Unternehmen diesen Weg bestreiten und neue Wachstumspotenziale heben.

 

Seite 2: Wie sich Edmond de Rothschild der Herausforderung stellt

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