Blockchain: Liechtenstein als Vorbild?

Frank Wagner, CEO und Mitbegründer des Investment Managers INVAO, kommentiert, warum die einstimmige Verabschiedung des Token and TT Service Provider Act-TVTG in Liechtenstein große Bedeutung für die Blockchain-Branche und -Technologie haben wird.

Die einstimmige Verabschiedung zugunsten des ersten Blockchain-Gesetzes der Welt ist ein großartiges Zeichen für den gesamten Markt. Das ausgerechnet Liechtenstein, eines der kleinsten Länder Europas, diesen Weg geht, ist dabei alles andere als überraschend. Wir selbst haben Liechtenstein für unseren Unternehmenssitz gewählt. Das bekannte Liechtensteiner Gesetz von 1928, nach dem immaterielle Güter als Finanzprodukte gelten dürfen – und somit auch Kryptowährungen – ist sicherlich der medienwirksamste Grund, tatsächlich ist die positive Einstellung des Fürstentums gegenüber der Technologie aber bereits seit Jahren spürbar. Liechtenstein entwickelt sich zum optimalen Blockchain-Ökosystem und geht mit der aktuellen Entscheidung einen weiteren konsequenten Schritt von vielen, die folgen werden.

Rechtssicherheit für die Branche

Mit dem Token and TT Service Provider Act-TVTG schafft Liechtenstein Rechtssicherheit für eine Branche, die noch in ihren Kinderschuhen steckt und dieser Struktur dringend bedarf. Besonders hervorzuheben ist, dass das Gesetz der Geschwindigkeit der Branche Rechnung trägt. Token werden sehr weitläufig als Container definiert, die ganz unterschiedliche Arten von Rechten verbriefen können. Außerdem hat das Liechtensteiner Parlament sehr technologieneutral formuliert. Die Rechtsprechung richtet sich also nicht nur an bestehende Anwendungen, sondern ist klar zukunftsgewandt.

Nur in einem geregelten Markt können die Blockchain-Technologie und ihre dazugehörige Branche jene immensen Potenziale entfalten, die ihrer Bedeutung häufig Vergleiche mit der des Internets einbringen. Anders als häufig angenommen, suchen seriöse Unternehmen der Branche nämlich gerade ein solches reguliertes Umfeld. Das ist auch der Grund, warum das Wertpapierprospekt unseres IVO-Token komplett von der FMA Liechtenstein gebilligt wurde und wir konsequent mit gleichgesinnten Unternehmen kooperieren, die ebenfalls regulierte Wege beschreiten wollen.

Andere Länder können kaum Schritt halten

So freudig die Entscheidung des Liechtensteiner Parlaments und so positiv die Entwicklung des Landes in Bezug auf Blockchain auch ist, muss jedoch gleichermaßen gesehen werden, wie sehr andere Länder mit der Entwicklung nicht Schritt halten. Zwar wird in der deutschen Politiklandschaft Blockchain langsam zum Thema, der Dialog über die Bedeutung der Technologie und der für die Branche notwendigen politischen Schritte muss jedoch dringend intensiviert und in politische Handlungen umgesetzt werden, wenn Deutschland diesen nächsten technologischen Megatrend nicht verschlafen möchte. Es bleibt zu hoffen, dass sich die großen Länder Europas ein Beispiel an einem der kleinsten nehmen.

Foto: Shutterstock

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