„Die Welt sozial und ökologisch besser machen“

Und natürlich spielt die finanzielle Performance auch bei uns eine Rolle: Wir verkaufen bei einem übermäßigen Verschuldungsgrad des Unternehmens, schwachen Werttreibern oder zu hohen Bewertungen der Aktie.

Darüber hinaus trennen wir uns von einem Unternehmen, wenn wir von der Stärke seines Geschäftsmodells oder der Qualität des Managements nicht mehr überzeugt sind.

Inwieweit arbeiten Sie mit einem Think Tank o.ä. zusammen, um sämtlicher Facetten des Impact Investing weltweit gewahr zu werden und keine Anlagechancen zu verpassen?

Van der Riet: Es reicht nicht aus, sich nur auf Sell-Side-Broker zu verlassen. Wir setzen daher auch auf eigenes Research und sammeln Ideen aus einer Vielzahl von Quellen aus Wissenschaft, Beratungs- und Research-Häusern, unabhängigen Branchenexperten und Nichtregierungsorganisationen (NGOs).

Wir veröffentlichen alle entsprechenden Kooperationen von NN IP in diesem Bereich in unserem Responsible Investing Report 2018, der auf unserer Website verfügbar ist. Ein Beispiel für eine langfristige Partnerschaft ist jene mit dem European Centre for Corporate Engagement (ECCE). Hier untersuchen wir zum Beispiel den Einfluss von ESG-Faktoren auf die finanzielle Performance.

Ein anderes Beispiel ist unsere neu gestartete Kooperation mit der Yale University. Das dortige Projekt untersucht, wie die Integration von ESG-Aspekten in den Investmentprozess das Risiko-Ertrags-Verhältnis von Investmentportfolios verbessert.

Beim Thema ESG hat es sehr lange gedauert und tut es noch, bis es beim Privatanleger ankommt. Wie viel Überzeugungsarbeit ist bei Impact Investing notwendig, um das aus dem professionellen bzw. semiprofessionellen Segment stammende Anlagethema für breitere Anlegerkreise als attraktives Investment bekannt zu machen?

Van der Riet: Einerseits sind Privatanleger möglicherweise vom oft verwirrenden Fachjargon bei nachhaltigen und Impact-orientierten Anlagen irritiert. Wir wollen daher transparent sein und die Kommunikation klar und verständlich halten. Wir sind uns bewusst, dass es die Tendenz gibt, Fonds ein grünes Label zu verpassen, obwohl sie diese Bezeichnung nicht tragen sollten.

Es liegt auf der Hand, dass hier Gatekeeper und Multiplikatoren eine wichtige Rolle spielen. Eine andere Sorge der Anleger ist, dass ein positiver Impact finanzielle Rendite kosten kann. Das ist jedoch nicht der Fall.

Wir konzentrieren uns auf Unternehmen mit innovativen Lösungen, die sowohl einen positiven Impact als auch eine attraktive finanzielle Rendite liefern. Gerade im aktuellen gesellschaftlichen Umfeld, in dem das Thema Nachhaltigkeit auch in der Breite massiv Fahrt aufnimmt, dürfte diese Kombination Investoren anziehen.

Für welche Anlegergruppe und in welchem Anlagezeitraum ist das Impact Investing für den Retailkunden zu empfehlen?

Van der Riet: Impact Investing ist für alle Arten von Privatanlegern geeignet, die sich von der Idee angezogen fühlen, in eine bessere Welt zu investieren.

In Bezug auf den Anlagehorizont gibt es einen kleinen Unterschied zwischen einem Impact-Aktienfonds und einem traditionellen Aktienfonds, der Anlagehorizont bei einer Impact-Strategie ist tendenziell etwas längerfristiger.

Wie schätzen Sie überhaupt das Marktpotenzial für Impact Investing ein und warum sehen wir bislang im Retailbereich nur sehr wenige Wettbewerber in diesem Segment?

Van der Riet: Das Marktpotenzial ist grundsätzlich enorm und wird von der gesellschaftlichen Erkenntnis getrieben, dass Unternehmen und das Finanzsystem mehr tun sollten, auch einen gesellschaftlichen und nicht nur einen finanziellen Mehrwert zu erzielen. Dies zeigt sich insbesondere in der Nachfrage der jüngeren Generation vermögender Privatkunden.

Vom Zeitpunkt der Erkenntnis, dass eine Nachfrage besteht, bis zur Entscheidung, einen solchen Fonds an den Start zu bringen, dauert es seine Zeit. Da es sich um ein neues, komplexes und sich rasch entwickelndes Gebiet handelt, z.B. in den Bereichen Impact Reporting und Messung, bedarf es erheblicher Anstrengungen und Zeit, um einen seriösen Impact-Fonds aufzubauen.

Interview: Frank O. Milewski, Cash.

Foto: NN Investment Partners

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