„Digitale Transformation der Finanzbranche passiert jetzt“

Auf dem 13. Regulatorischen Symposium der Börse Stuttgart diskutierten rund 250 Experten aus Politik, Aufsicht und Finanzbranche über aktuelle Regulierungsvorhaben und digitale Herausforderungen.

Welche Strukturen und Geschäftsmodelle in der Finanzindustrie stellt die Digitalisierung in Frage? Haben die Bedürfnisse privater Anleger in der EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID II ausreichend Beachtung gefunden? Und wie könnte eine Wunschliste für den notwendigen MiFID-II-Refit aussehen? Das sind nur einige der Fragen, zu denen sich die rund 250 Teilnehmer beim regulatorischen Symposium der Börse Stuttgart am Montag austauschten.

In seiner Keynote zu Banking im digitalen Zeitalter betonte Prof. Dr. Joachim Wuermeling, Vorstand der Deutschen Bundesbank: „Die digitale Transformation der deutschen Finanzbranche ist kein fernes Zukunftsszenario, sondern sie passiert jetzt. Die Wucht der Veränderung lässt sich bislang kaum abschätzen. Wir in Europa sind gefragt, die Digitalisierung zu einem Erfolg zu machen.“

Auswirkungen von MiFID II

Einen weiteren Schwerpunkt auf dem Kongress bildeten die Auswirkungen der MiFID-II-Regelungen. Steven Maijoor, Chair der europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA, beleuchtete den aktuellen Stand: „Jetzt ist ein guter Zeitpunkt zu prüfen, was MiFID II und MiFIR bewirkt haben und wo Anpassungen mit Blick auf Sekundärmärkte und Anlegerschutz notwendig sein könnten.“ Insgesamt sei die Umsetzung der Regulierung recht reibungslos verlaufen und habe Anlegern höhere Markttransparenz gebracht. „Mögliche Verbesserungen stehen weit oben auf unserer Agenda. Zu den Kernfeldern von MiFID II und MiFIR werden wir im Jahr 2020 auch die neue Europäische Kommission beraten,“ so Maijoor.

Ein gemischtes Fazit zog Dr. Michael Völter, Vorsitzender des Vorstands der Vereinigung Baden-Württembergische Wertpapierbörse e.V.: „MiFID II hat die Wertpapierkultur nicht gestärkt. Im Gegenteil: Privatanleger fühlen sich oft von der Vielzahl an Informationen überfordert, die sie beim Kauf von Wertpapieren zwingend von Banken erhalten. Zudem können sie einfache Finanzprodukte wie Unternehmensanleihen teilweise nicht mehr handeln, weil Zielmarktdefinitionen fehlen. Hier sind Korrekturen an der Richtlinie im Sinne privater Anleger nötig.“

Wie wichtig jedoch die grundlegenden Zielsetzungen von MiFID II seien, zeige sich aktuell auch abseits des Wertpapierhandels bei digitalen Vermögenswerten: „Wenn Deutschland in diesem Markt eine Rolle spielen möchte, dann müssen wir Kryptowährungen und Token so schnell wie möglich eine gesetzliche Grundlage und eine praxistaugliche Regulierung geben, die Transparenz und Anlegerschutz gewährleisten.“

Foto: Shutterstock

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