9. Dezember 2019, 15:52
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Kampf ums Weiße Haus: Was für Anleger wichtig wird

Im November 2020 stehen in den Vereinigten Staaten die Präsidentschaftswahlen an. Was das für die amerikanische Wirtschaft und die Märkte bedeuten könnte, analysieren Alan Berro und Joyce Gordon, beide Aktien-Portfoliomanager sowie Darrell Spence, Volkswirt bei Capital Group und raten den Blick über den Wahlzyklus hinaus zu richten.

White-House-1 in Kampf ums Weiße Haus: Was für Anleger wichtig wird

In der Vergangenheit hätten Präsidentschaftswahlen nämlich keinen wesentlichen Einfluss auf langfristige Anlagerenditen gehabt – egal ob ein Demokrat oder ein Republikaner die Wahl gewonnen habe. „Es kann am Nervenkostüm zerren, während eines Wahljahres Anlagen zu tätigen“, sagt Berro. „Aber das ist hauptsächlich viel Lärm um nichts – und die Märkte machen so weiter wie bisher. Langfristige Aktienrenditen werden vom Wert einzelner Unternehmen im Zeitverlauf bestimmt. Es ist also besser, die Anlage zu halten.“

Politische Gegenwinde beeinflussen die Wirtschaft

Neben dem Wahlzyklus, der einen Großteil der Aufmerksamkeit auf sich ziehen werde, sollten Anleger aber noch weitere Entwicklungen im Blick behalten. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China, politische Turbulenzen in Europa und ein langsameres Wachstum im Ausland würden sich spürbar auf die amerikanische Wirtschaft auswirken – insbesondere im verarbeiteten Gewerbe. Spence hält eine Rezession im Jahr 2020 wegen der gelockerten Geldpolitik der amerikanischen und vieler weiterer Zentralbanken zwar für unwahrscheinlich und den Zinsausblick weiterhin für längerfristig niedrig, rosig seien die Bedingungen jedoch nicht. „Es dauert eine Weile, bis Zinssenkungen Wirkung zeigen“, so Spence. „Die Maßnahmen der Zentralbanken, die wir in diesem Jahr gesehen haben, werden erst in der ersten Hälfte des Jahres 2020 greifen. Ob dies ausreicht, um die negativen Faktoren für das globale Wachstum auszugleichen, bleibt abzuwarten.“

Das eigene Portfolio auf Verteidigung ausrichten

Insbesondere in Anbetracht des Konjunkturzyklus, der zunehmend auf eine späte Phase hindeute und des sich verlangsamenden externen Wachstums, sei es für Anleger ratsamer, ihr Portfolio frühzeitig auf Abschwünge vorzubereiten, als später mit den Einschätzungen falsch gelegen zu haben. Während viele Investoren zu wertorientierten Anlagen tendierten, diese sich in der Vergangenheit angesichts von Volatilität häufig jedoch nicht defensiv verhalten hätten, empfiehlt Gordon Unternehmen in defensiven Marktbereichen, die Dividenden aufrechterhalten können. „Ich suche nach Unternehmen, die defensiv agieren können, wenn die Volatilität steigt, aber aktiv werden können, wenn der Markt zulegt“, so die Portfoliomanagerin. „Ich konzentriere mich auf Unternehmen mit Dividendenausschüttungen, die einen starken freien Cashflow und ein grundlegendes Gewinnwachstum aufweisen und die vorangegangenen Baissen überstanden haben.“ Beispiele für solche Unternehmen seien UnitedHealth, Microsoft, Procter and Gamble oder Home Depot.

Preissetzungsmacht ist entscheidend 

Unternehmen, die über Preissetzungsmacht verfügten, seien ebenfalls in der Lage trotz Gewitterwolken am wirtschaftlichen Horizont erfolgreich zu arbeiten. Beispielhaft dafür sei die Halbleiterbranche. Nachdem dutzende Wettbewerber angesichts von volatilen Auf- und Abschwüngen den Markt verlassen hätten, genössen die verbleibenden Unternehmen – darunter Taiwan Semiconductor und Intel – heute einen relativ problemfreien Zyklus. Und die Nachfrage steige in Zukunft weiterhin. „Der Bedarf an diesen Chips wird steigen“, sagt Gordon. „Und dank der besseren Disziplin unter den Wettbewerbern haben wir bei nachlassender Nachfrage keinen Preisverfall erlebt. Diese Preissetzungsmacht kann in Zeiten historisch niedriger Zinssätze sogar noch stärker sein.“

Weitere Branchen, in denen es solche Unternehmen gäbe, seien der Online-Einzelhandel mit dem dominierenden Anbieter Amazon und die Luft- und Raumfahrt, in der Boeing und Airbus die weltweit einzigen Produzenten von Flugzeugen seien und von der steigenden Nachfrage in Asien profitierten. Bereits heute hätten die beiden Flugzeugbauer einen Auftragsbestand, dessen Abarbeitung mehr als acht Produktionsjahre in Anspruch nehmen werde.

Foto: Shutterstock

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