8. September 2019, 12:00
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Keine Fata Morgana: Grün-blaue Oasen in der urbanen Betonwüste

Kampf gegen die Versiegelung von Flächen in deutschen Städten. Wie das Prinzip der Schwamm-Stadt auch hierzlande helfen kann. Ein Gastbeitrag von Vera Klöttschen, Referentin Wasser bei der Ökoworld AG.

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Jeden Tag werden in Deutschland etwa 65 Hektar Land zu Siedlungs- und Verkehrsflächen umgewandelt. Das Umweltbundesamt schätzt, dass davon die Hälfte versiegelt wird. Das sind pro Tag 35 Hektar oder 50 Fußballfelder,  rund 1.100 Hektar pro Monat und 13.000 Hektar pro Jahr – was ungefähr der Größe von Ingolstadt oder Krefeld entspricht.

Versiegelte Flächen bringen die natürliche Wasserbilanz aus dem Gleichgewicht: Zu wenig Regenwasser versickert vor Ort, fließt stattdessen oberflächig ab und wird durch die Kanalisation aus der Stadt zur Kläranlage geführt. Bei zu hoher Auslastung  wird es auch ohne Klärung direkt in Gewässer eingeleitet. Die Reinigung als auch die Auslegungsgröße des Rohrnetzes der zentralen Regenwasserbewirtschaftung sind mit hohen Investitions- und Betriebskosten verbunden. Die Reduktion der abzuführenden Wassermassen ist somit nicht nur ein ökologischer sondern auch ein wirtschaftlicher Aspekt.

Schwamm statt Versiegelung

Abhilfe bietet das Schwamm-Prinzip. Niederschläge werden strategisch in der Stadt gespeichert, was nicht nur dem Überschwemmungsschutz, sowie der Hitze- und Dürrevorsorge dient, sondern auch das Stadtklima verbessert. Eine wichtige Maßnahme des Prinzips ist die Entkopplung der Entwässerung von der Kanalisation. Die Umsetzung erfolgt durch den Schutz von bestehenden Versickerungsflächen vor Bebauung und die zumindest teilweise Rück- oder Umwandlung von versiegelter Fläche.

Zum Beispiel in Grünflächen, die naturnahe Versickerung  ermöglichen. Anlagen und Systeme können hierbei offen oder geschlossen gestaltet werden und Regenwasserabfluss von umliegenden Flächen dort hingeleitet werden. Der gewünschte Effekt ist, dass Bodenfeuchte, auch in tiefere Schichten, verstärkt wird und das Grundwasser vor Ort neugebildet wird. Wo es möglich ist, können Mulden, Senken oder Tiefbeete angelegt werden, oft in und mit Parkanlagen kombinierbar.

In dicht besiedelten Stadt-Gebieten, wo keine Entsiegelung realisierbar ist, kann die Aufnahme-Kapazität kleinster Flächen mit Hilfe von Schacht- und Rohrrigolen-Systemen gesteigert werden. So nehmen diese Flächen weit mehr als einfache Versickerungsanlagen auf, indem sie das Wasser direkt in tiefere Schichten weiterleiten. Bepflanzte Versickerungsanlagen sind nicht nur funktional, sondern sorgen zudem mit Schatten und Kühlung für eine bessere Lebensqualität. Als bunt-blühende Verkehrsinseln oder kleine Parks und Grünflächen erweisen sie sich auch für die Tier- und Pflanzenwelt als nützlich, denn Pflanzen können so längerfristig ihren Wasser-Bedarf decken.

Seite zwei: Zukunftsmusik – Wie Stadtplaner den Ton angeben

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