22. Oktober 2019, 14:11
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„Multi-Asset-Income-Fonds sind kein Anleihenersatz“

Häufig werden Multi-Asset-Income-Fonds als Rundum-Sorglos-Paket verkauft. Sollten Anleger oder Berater darauf vertrauen?

Claus: Nein, auf gar keinen Fall. Ein Rundum-Sorglospaket, wie beispielsweise früher die sechsprozentigen Bundesanleihen, gibt es im aktuellen Marktumfeld nicht mehr und risikolose bzw. risikoarme Renditen sind für Anleger nicht mehr zu erzielen. Anleger sollten sich auch nicht von der Höhe der Rendite eines Fonds oder der Höhe des Ausschüttungsziels blenden lassen, sondern kritisch hinterfragen, wie die Rendite zustandekommt und ob das Ausschüttungsziel realistisch ist. Das heißt auch, sich einen Überblick zu verschaffen, wie riskant der Fonds investiert ist und ob sie im Krisenfall bereit wären, dieses Risiko zu tragen.

Multi-Asset-Income-Fonds sind kein Anleihenersatz und können sich fallenden Märkten nicht entziehen, sondern lediglich von Diversifikationsaspekten und aktivem Risikomanagement durch den Fondsmanager profitieren. Ein Blick ins Portfolio in Kombination mit einer Abschätzung, wie sich einzelne Anlagesegmente wie z.B. Dividendenaktien oder High-Yield-Anleihen bislang in negativen Marktphasen entwickelt haben, ist in jedem Fall hilfreich. Mit Einschränkungen können Multi-Asset-Income-Fonds jedoch durchaus für Anleger attraktiv sein, sofern diese ein diversifiziertes Produkt mit realistischen Ertragszielen auswählen und über einen langen Anlagehorizont verfügen, um Kursschwankungen aussitzen zu können.

Nicht selten wird kritisiert, dass diese Fonds die Ausschüttungsziele – wenngleich nicht fest versprochen – nicht einhalten. Ist das eine Einschätzung, die Sie teilen?

Claus: Grundsätzlich hängt das davon ab, wie hoch die Fonds ihre Ausschüttungsziele vorab festgelegt haben und welche Erwartungen sie damit bei den Anlegern geschürt haben. Die Höhe des Ausschüttungsziels differiert bei den einzelnen Fonds, jedoch hat die Mehrzahl der von mir untersuchten Multi-Asset-Income-Fonds Bandbreiten angegeben, oft zwischen vier bis sechs Prozent pro Jahr. Wie zu erwarten, bewegen sich die Ausschüttungen mittlerweile aufgrund des Niedrigzinsumfelds am unteren Ende dieser Bandbreite, da auch die Fonds nicht mehr Rendite erzielen können, als die Märkte hergeben. Aktuell sind auch die vier Prozent am unteren Ende nicht ohne ein gewisses Risiko zu erreichen, die meisten Multi-Asset –Income-Fonds sind daher gegenüber klassischen Mischfonds beispielsweise in den riskanteren High-Yield- oder Schwellenländeranleihen übergewichtet.

Gerade in 2018 sollen viele Fondsmanager aufgrund der Zinspolitik der Fed in ihrem Handeln die Risikovorsorge hinter der Renditeerzielung zurückgestellt haben. Inwieweit konnten Sie das beobachten? 

Claus: Grundsätzlich haben wir in den letzten Jahren eine Bewegung in den Portfolios hin zu risikoreicheren Anlagen gesehen, was sich in den meisten Jahren auch ausgezahlt hat. Die deutlichen Verluste der Mischfonds im letzten Jahr sprechen dabei für sich. Die Fondsmanager befanden sich in den letzten Jahren zunehmend im Dilemma, ob sie verstärkt ins Risiko gehen oder weiterhin in kaum rentierliche, sichere Anlagen zu Lasten der aktuellen Portfoliorendite investieren wollten. Anlageformen wie Kasse oder viele Staatsanleihen rentieren seit einiger Zeit negativ, was das Performancepotenzial der Fonds weiter schmälert. Bei den untersuchten Multi-Asset-Fonds überwiegen daher weiterhin die Anlageformen Aktien- und Unternehmensanleihen, was sich auch in den derzeit noch recht attraktiven Portfoliorenditen, oft um die vier Prozent, zeigt.

Zudem ist zu beobachten, dass die Manager verstärkt versuchen, alternative Ertragsquellen wie beispielweise Optionsstrategien, Schwellenländeranleihen oder Infrastrukturinvestments zu erschließen. Gefährlich für Anleger im aktuellen Marktumfeld kann es werden, wenn die Ausschüttungsziele zu hoch angesetzt und wenig flexibel sind. Zu ambitionierte Ziele können Manager geradezu ins Risiko drängen oder einen Verzehr des Kapitalstocks zur Folge haben, wenn mehr ausgeschüttet als eingenommen wird. Durch die aktuell expansive Zinspolitik der EZB und zuletzt auch der FED halte ich es jedoch für möglich, dass die Fonds die Bandbreiten ihrer Ausschüttungsziele noch weiter nach unten anpassen müssen.

Interview: Frank O. Milewski, Cash.

Foto: Morningstar

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