4. November 2019, 12:02
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Spanische Staatsanleihen: Drei Gründe machen sie attraktiv

Spanische Staatsanleihen sind derzeit eine interessante und attraktive Investmentoption für Anleger auf der Suche nach einem sicheren Hafen. Welche Gründe dafür sprechen.

Madrid-spanien-shutt 554453284 in Spanische Staatsanleihen: Drei Gründe machen sie attraktiv

Madrid

„Für uns sind drei Gründe ausschlaggebend für die Attraktivität 10-jähriger spanischer Staatsanleihen“, sagt Dr. Volker Schmidt, Senior Portfolio Manager bei Ethenea. „Erstens bescheren sie ihren Investoren weiterhin eine, wenn auch kleine, positive Rendite. Damit sind die Anleihen gerade im Vergleich zu negativ rentierenden Bundesanleihen interessant.“ Begünstigend auf die Kurse auswirken dürfte sich zudem, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Anleihekaufprogramm im November wieder starten werde. „Im Zuge ihres Public Sector Purchase Program (PSPP) hat die EZB 21 Prozent aller ausstehenden spanischen Staatsanleihen aufgekauft. In den vergangenen Monaten reinvestierte die Zentralbank lediglich fällig werdende Gelder, ab November wird sie aber monatlich wieder Anleihen kaufen – in einem Gesamtvolumen von 20 Milliarden Euro. Spanische Staatspapiere dürften dabei auf dem Einkaufszettel der EZB nicht fehlen“, sagt Schmidt.

Wirtschaftsaussichten und Finanzierungsbedarf Spaniens

Zweitens sprächen die Wirtschaftsaussichten und der Finanzierungsbedarf Spaniens für den Kauf der Staatsanleihen. „Das Kaufprogramm der EZB fällt zusammen mit einer stetig steigenden Kreditwürdigkeit Spaniens.“ Diese Entwicklung basiere auf dem schnell sinkenden Staatsdefizit und einem überdurchschnittlichen Wachstum der spanischen Wirtschaft. „In seiner neuesten Prognose schätzt der Internationale Währungsfonds das Wachstum des realen spanischen Bruttosozialproduktes auf 2,2 Prozent in diesem und 1,8 Prozent im nächsten Jahr. Das Wachstum der gesamten Eurozone wird hingegen lediglich auf 1,2 Prozent in 2019 und 1,4 Prozent in 2020 geschätzt“, sagt Schmidt. Die öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt gehe bereits zurück, von einer Quote von 100,4 Prozent im Jahr 2014 auf geschätzte 95,9 Prozent zum Ende dieses Jahres. 

„Die Ratingagentur S&P hat diese Verbesserung bereits durch eine zweimalige Heraufstufung ihres Ratings auf die aktuelle Bonitätsstufe A bestätigt. Die Ratingagentur Moody’s dürfte mit einer Verbesserung des Ratings im November folgen“, sagt der Experte. Aber nicht nur die öffentliche Hand habe sich in Spanien entschuldet, viel stärker noch hätten die privaten Haushalte und Unternehmen außerhalb des Finanzsektors ihre Schulden abgebaut. „Das unterstützt die stabile wirtschaftliche Entwicklung im Land.“ 

Besser als Frankreich

Diese positive Dynamik zeige sich auch im deutlich gesunkenen Emissionsvolumen spanischer Staatsanleihen. „2019 wird der spanische Staat noch netto, also Neuemissionen abzüglich der Fälligkeiten, 20 Milliarden Euro emittieren. Im kommenden Jahr gehen wir davon aus, dass die Nettoemissionen unter 10 Milliarden Euro liegen werden.“ Die Renditen 10-jähriger spanischer Staatsanleihen waren auf dem Höhepunkt der Staatsschuldenkrise 2012 bis auf 7,5 Prozent gestiegen. Im Zuge der eingeleiteten Hilfsmaßnahmen sanken sie bereits 2014 unter 2 Prozent. „Durch die Ankäufe der EZB zwischen März 2015 und Dezember 2018 blieben die Renditen konstant unter 2 Prozent, bevor sie in diesem Jahr auf aktuell 0,25 Prozent gefallen sind“, sagt Schmidt. „Damit liegen sie aber immer noch rund 35 Basispunkte über der Rendite französischer Staatsanleihen, die noch über ein besseres Rating (AA) verfügen.“

Die Verschuldungsdynamik spreche jedoch im Vergleich zu Frankreich klar für Spanien, dessen Staatsverschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt nun unter der Quote des Nachbarlandes liege. „Die kommenden Ankäufe durch die EZB werden hier zu einer Angleichung der Renditen führen.“

Kaufprogramm der EZB als Motor

Schließlich sei drittens die erwartete Konstruktion des PSPP der EZB ein Grund für die Attraktivität der Staatsanleihen. „Im Rahmen dieses Purchase Programs kauft die EZB Staatsanleihen und Anleihen staatlicher und halbstaatlicher Institutionen an“, erklärt Schmidt. „In Spanien kommen, neben den Staatsanleihen, nur die Anleihen dreier Institutionen für das Ankaufprogramm in Frage. Aufgrund dieser vergleichsweise geringen Auswahl wird der überwiegende Teil der Ankäufe auf Staatsanleihen entfallen.“

Zur Aufteilung der geplanten Käufe der EZB gebe es zwar noch keine Details, die Zentralbank hätte aber angekündigt, die Ankäufe im bisherigen Verhältnis wiederaufnehmen zu wollen. „Wenn die EZB weiterhin rund 12 Prozent aller PSPP-Ankäufe auf Spanien verteilt, entfällt auf spanische Staatsanleihen ein monatliches Ankaufvolumen von knapp 2 Milliarden Euro. Die drei staatlichen und halbstaatlichen Institutionen können hier vernachlässigt werden“, erklärt Schmidt. „Damit liegen die zu erwartenden Ankäufe über dem erwarteten Nettoemissionsvolumen. Auch das ist ein weiterer Faktor, der spanische Staatsanleihen zu einem so attraktiven Investment macht.“

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Betriebsschließungsversicherung: Zeit für unkonventionelle Lösungen?

Das Betriebsschließungen und entsprechende Versicherungen dagegen sind in Corona-Zeiten ein sehr heißes Eisen, wie ein Interview von Dietmar Diegel, Vorstand der CHARTA AG in Düsseldorf zeigt.

mehr ...

Immobilien

Preise, Bauen, Recht: Die Folgen von Corona für Immobilienanleger

Die Auswirkungen der Coronakrise treffen nahezu alle Bereiche der deutschen Wirtschaft. Finanzexperten sind sich einig, dass es dieses Jahr eine Rezession geben wird – die Frage ist nur noch, wie stark sie ausfällt. Aktuell ist die Lage unübersichtlich, denn Informationen der Virologen, politische Entscheidungen und wirtschaftliche Entwicklungen ändern sich schnell. Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender von Dr. Klein, beantwortet drei Fragen zur aktuellen Situation.

mehr ...

Investmentfonds

ifo Institut: Corona kostet Europa Hunderte von Milliarden Euro an Ausfällen

Die Bekämpfung des Coronavirus wird zu Produktionsausfällen führen. Sie werden die Länder Europas Hunderte von Milliarden Euro kosten. Das haben neue Berechnungen des ifo Instituts ergeben. Was das Virus außerhalb Detschlands wirtschaftlich anrichtet.

mehr ...

Berater

Schroeder-Wildberg übernimmt MLP-Aktienpaket

MLP-Vorstandschef Dr. Uwe Schroeder-Wildberg erwirbt 1,95 Millionen Aktien an der MLP SE von der Gründerfamilie Lautenschläger. Nach Vollzug der Transaktion wird er insgesamt 1,86 Prozent der Aktien halten, die Familie Lautenschläger verfügt dann über einen Anteil von rund 27,4 Prozent.

mehr ...

Sachwertanlagen

KGAL kauft 178 Wohnungen in Wiesbaden

Die KGAL Investment Management hat für den von ihr verwalteten Spezialfonds KGAL/HI Wohnen Core 2 im Rahmen eines Asset Deals die im Jahr 2017 fertiggestellte Wohnanlage “Rheingold” in Wiesbaden-Schierstein erworben.

mehr ...

Recht

Coronavirus: Die Rechte und Pflichten von Arbeitnehmern

Muss ich ins Büro, wenn der Kollege hustet? Wie muss mich mein Arbeitgeber vor dem Coronavirus schützen? Was ist, wenn ich nicht ins Büro komme, weil Bus und Bahn nicht mehr fahren? Muss ich meinem Chef meine Handynummer geben, wenn er mich ins Home-Office schickt? Darf ich mich weigern, zu Hause zu arbeiten? Muss ich Überstunden wegen der Corona-Krise machen? Wer zahlt meinen Lohn, wenn ich in Quarantäne geschickt werde? Fragen über Fragen, die sich in einer sehr besonderen Zeit wohl jeder Arbeitnehmer früher oder später stellt. Die Arag-Experten gaben Antworten.

mehr ...