USA: Mehr Volatilität durch sinkende Unternehmensgewinne

Aus diesem Grund ist ihre Aussagekraft auch eher begrenzt. Die Betrachtung dieser Unternehmenskennzahlen wird als Bottom-up-Analyse bezeichnet, im Gegensatz zur Top-down-Analyse, die professionelle Investoren vornehmen.

Telefonkonferenzen zu den Finanzergebnissen und die jeweiligen Ergebnisprognosen helfen dabei, ein vorwärts gerichtetes Bild zu gewinnen, sowohl von ausgereiften Branchen als auch von Wachstumsbranchen und deren jeweiligen Herausforderungen.

Kit Kat zum Beispiel hat Preissetzungsmacht in den USA, nicht aber in Europa oder Japan. Mit diesem Cluster qualitativer Daten kann man die Top-down-Sicht überprüfen und verbessern. In einigen ausgereiften Sektoren, die weniger hohe Qualifikationen erfordern, gibt es zwar Anzeichen von Inflationsdruck, allerdings kaum Anzeichen für hohe Investitionsausgaben.

Die Entwicklung des amerikanischen Aktienkurses weist in Abhängigkeit zur weltpolitischen Lage Schwankungen auf.

Gefahr für die Aktienmärkte geht derzeit weniger von der Entwicklung der Unternehmensgewinne aus als vielmehr von geopolitischer Seite. Die Verhängung höherer Zölle gegen China – und dies trotz des Besuchs von Vizepremier Liu in Washington D.C., der in die Staaten gereist war, um einen Deal auszuhandeln – führt zu einem negativen Bild im Reich der Mitte.

Die USA müssten China etwas entgegenkommen, damit letzteres das Gesicht wahren kann, und tatsächlich sehen wir den Ansatz einer Strategie in diese Richtung. Erstens gibt es keine peinliche undichte Stelle in der US-Regierung, und zweitens wird es nun so dargestellt, als habe Präsident Trump die Erhöhung der Zölle im Alleingang und auf seine impulsive Art veranlasst.

China hat den Bogen überspannt

Umgekehrt hat China in letzter Zeit den Bogen tatsächlich überspannt und könnte dies erneut tun – unter der Annahme, dass die Regierung unter Trump Angst vor einer Korrektur des Aktienmarktes habe. In Wirklichkeit konzentriert sich die Trump-Administration vor allem darauf, dass ihr Oberhaupt wiedergewählt wird, und das kann durchaus bedeuten, die Zölle weiter zu erhöhen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wird China zuerst nachgeben, da es kurzfristiges Wachstum möglicherweise über längerfristige Ziele stellt? Die nächsten Tage könnten angesichts dieser geopolitischen Entwicklungen leider sehr volatil sein.

 

Fotos: Nordea

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