25. Oktober 2019, 10:52
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Verlässliche Aktien in schwierigen Zeiten finden

In schwierigen Zeiten die richtigen Aktien zu finden, ist naturgemäß eine knifflige Aufgabe. Und wer kennt nicht das Gefühl, sich im Nachhinein eingestehen zu müssen: Hätte ich damals nur die Aktie X oder die Aktie Y gekauft. Nifty-Fifty-Aktien könnten das Dilemma lösen.

AGaertner Benjardin Querformat in Verlässliche Aktien in schwierigen Zeiten finden

Benjardin Gärtner, Union Investment

Dieses Gefühl ist selbstverständlich auch professionellen Investoren nicht fremd. Zwar schmerzt der Blick in den Rückspiegel zuweilen, aber er kann auch helfen, Parallelen aufzudecken und damit Fehler nicht zu wiederholen. Denn der Anspruch muss sein, Fehleinschätzungen zu vermeiden. Und wer sich mit dem aktuellen Kapitalmarktumfeld auseinandersetzt, entdeckt tatsächlich Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen zu vergangenen Börsenphasen.

Blick in die Börsengeschichte liefert Anlageideen

Ganz konkret geht es um eine Börsenphase in den Jahren 1964 bis Anfang 1972. Seinerzeit sah sich die Welt konfrontiert mit sinkenden realen Wachstumsraten, niedrigen realen Zinsen am Rentenmarkt, hoher Unsicherheit angesichts des Kalten Krieges und Börsenkursen, die über Jahre nicht wirklich vom Fleck kamen. Nur die so genannten Nifty Fifty bildeten eine Ausnahme. Bei den „Schicken 50“ handelte es sich um eine Gruppe von 50 großen Unternehmen, die den widrigen Umständen trotzten und in den acht Jahren eine durchschnittliche jährliche Outperformance von 189 Prozent oder annualisierten 15 Prozent gegenüber dem S&P 500 erzielten.

Bildschirmfoto-2019-10-25-um-10 50 31 in Verlässliche Aktien in schwierigen Zeiten finden

Zu der sagenumwobenen Gruppe zählten seinerzeit Namen, die heute noch verlässlich Gewinne liefern wie etwa Coca-Cola, McDonald‘s oder Walt Disney. Sie umfasste aber auch Adressen, die auf dem Weg ins digitale Zeitalter Federn gelassen haben, etwa Eastman Kodak oder Xerox.

Die Bewertung der Nifty Fifty stieg in den 1960er und 1970er Jahren in astronomische Höhen. In der Spitze musste ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von mehr als 40 für die Top-Aktien gezahlt werden. Die durchschnittliche Bewertung der 50 überstieg die des S&P 500 um 96 Prozent. Offensichtlich  waren die hohen Preise der Papiere seinerzeit gerechtfertigt – die Kurse stiegen, die Gewinne sprudelten. 

Entscheidende Charakteristika der Börsenlieblinge

Rückblickend stellt sich also die Frage: Was hatten diese 50 Konzerne, was die anderen 450 Unternehmen im S&P 500 nicht hatten? Das nämlich führt zu den Charakteristika, die mit einiger Wahrscheinlichkeit auch die Börsenlieblinge der kommenden Jahre auszeichnen.

Da wäre zum einen eine starke Marktstellung und die damit verbundene Preissetzungsmacht. Zum anderen wiesen die Adressen einen positiven Track Record, also eine Erfolgshistorie hinsichtlich ihres Umsatzwachstums auf. Die These: Wer Quartal für Quartal steigende Umsätze verzeichnet, wird in einer konjunkturellen Schwächephase stabiler bleiben als Konzerne mit stärkeren Schwankungen in den Erträgen. Zudem lässt sich der Cashflow besser prognostizieren. Dies alles führte dazu, dass das Gewinnwachstum über den gesamten Zeitraum deutlich über dem Durchschnitt lag, was die Investoren honorierten.

Hinzu kommen idealerweise Charakteristika wie etwa eine gesunde Bilanz, finanzielle Stärke sowie eine nachhaltige und attraktive Dividende. Letztere bewirkt, dass diese Aktien in einer Schwächephase erst am Ende aus den Portfolios der Investoren aussortiert werden – schließlich liefern sie im Gegensatz zu vielen anderen Konzernen laufend Erträge. Entsprechend sind sie widerstandsfähiger gegenüber externen Schocks.

Aktien mit stabilen Erträgen auch unter erschwerten Bedingungen 

Wer sind also die Nifty Fifty der Gegenwart, die auch unter widrigen Umständen weiter wachsen? Viele der Namen überraschen nicht. In Europa haben beispielsweise Adidas, Nestlé oder ASML in den vergangenen Jahren stabile Erträge geliefert und – das ist entscheidend – werden das auch in den kommenden Jahren unter erschwerten Bedingungen tun. Es ist schwer, ein Szenario zu konstruieren, in denen diese Unternehmen ernsthaft in Schwierigkeiten geraten. Microsoft ist ebenfalls ein Kandidat, das gleiche gilt für Mastercard oder auch Unternehmen aus der Medizintechnikbranche wie Stryker. Sie alle nehmen in ihren Branchen dominante Positionen ein. Die Schlussfolgerung: Wenn Konkurrenten es in den zurückliegenden guten Jahren nicht geschafft haben, den Konzernen die Marktstellung streitig zu machen, dann werden sie es auch in einem schwierigen Umfeld nicht schaffen.

Für Menschen, die das schnelle Börsenabenteuer suchen, mögen diese robusten Aktien nichts sein – mitunter langweilig klingen. Vielleicht sind sie das auch, aber sie bieten Verlässlichkeit in schwierigen Zeiten. In einer Zeit, in der die Gewinne nicht mehr wachsen, in der die wirtschaftliche Dynamik nachlässt und geopolitische Risiken die Kurse ins Wanken bringen, sind Langeweile und Verlässlichkeit keine schlechten Begleiter. Zumal wenn sie, wie die Nifty Fifty seinerzeit, eine signifikante jährliche Outperformance mitbringen.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Die Nifty Fifty bereiteten Anlegern lange Zeit viel Freude. Dann folgte der Bärenmarkt in der zweiten Hälfte des 1970er Jahre. Auch die „Schicken 50“ konnten sich dem nicht länger entziehen und werteten spürbar ab. Bis zum Ende der Dekade notierten sie wieder nahe am Durchschnitt aller S&P500 Aktien. Damals wie heute gehört zum Anlageerfolg neben einer guten fundamentalen Analyse eben auch das Gespür für das richtige Timing.

Autor Benjardin Gärtner ist Leiter Portfoliomanagement Aktien und Mitglied des Union Investment Committee.

Foto: Union Investment, Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Versicherer kommen Kunden in der Krise entgegen

Gegen eine Pandemie sind nur sehr wenige Unternehmen versichert. Privatbürger haben zwar ihre Krankenversicherung, aber keinen Schutz gegen Einkommensverluste. In dieser Lage wollen führende Unternehmen der Branche großzügig sein.

mehr ...

Immobilien

DIC Asset senkt wegen Corona-Krise Gewinnprognose – Dividende bleibt

03Die Immobiliengesellschaft Dic Asset rechnet im laufenden Jahr wegen der Auswirkungen der Corona-Krise nicht mehr mit einer Gewinnsteigerung im Vergleich zu 2019. Die branchenübliche Kennziffer FFO (Funds from Operations) werde 2020 zwischen 94 und 96 Millionen Euro liegen, teilte das Unternehmen am späten Freitagabend in Frankfurt mit. Bisher hatte DIC Asset mit 104 bis 106 Millionen Euro gerechnet. Im Vorjahr waren hier 95,0 Millionen Euro erzielt worden.

mehr ...

Investmentfonds

Corona-Lockdown: Wie der Exit gelingen kann

Die Corona-Krise trifft alle: Um die Verbreitung des Virus zu bremsen, hat Deutschland sich umfassende Beschränkungen auferlegt. Sie tragen dazu bei, dass viele Menschen und Firmen um ihre ökonomische Zukunft fürchten. Die Politik muss deshalb zweierlei schaffen: Einerseits die Gesundheit der Bürger so weit wie möglich schützen und sie andererseits vor noch größeren volkswirtschaftlichen Schäden bewahren, die letztlich zu gesellschaftlichen werden. In diesem Kontext werden Wege aus dem Lockdown debattiert – das IW hat einen entsprechenden Exit-Plan entwickelt. Ein Beitrag von Professor Dr. Michael Hüther, Direktor und Mitglied des Präsidiums, und Dr. Hubertus Bardt, Geschäftsführer und Leiter Wissenschaft.

mehr ...

Berater

DIN-Norm 77230: Prüfungen jetzt online möglich

Wegen der Coronakrise bietet das Defino Institut für Finanznorm Prüfungen für die Zertifizierung zum “Spezialisten für die private Finanzanalyse – DIN 77230” ab sofort auch im Online-Verfahren an.

mehr ...

Sachwertanlagen

BVT schließt institutionellen US-Fonds und investiert erneut in Boston

Die BVT Unternehmensgruppe, München, hat über ihre Kapitalverwaltungsgesellschaft Derigo für den von ihr verwalteten geschlossenen Spezialfonds BVT Residential USA 12 die dritte Investition vorgenommen. Ein Nachfolge-Spezialfonds ist geplant.

mehr ...

Recht

Homeoffice: Der richtige Versicherungsschutz für Laptop und Co.   

Um in der Heimarbeit effektiv und produktiv arbeiten zu können, bedarf es der richtigen Grundausstattung. Hier stehen Arbeitgeber in der Pflicht, ihren Mitarbeitern alle notwendigen Arbeitsmittel zur Verfügung zu stellen. Welcher Mitarbeiter benötigt neben Laptop oder PC noch ein Headset oder gar einen Multifunktionsdrucker? Welche Software wird benötigt, um einen reibungslosen Kommunikationsfluss zu schaffen? Ein Überprüfen der bisherigen Arbeitsprozesse schafft hierbei Klarheit über die bereits vorhandenen Grundvoraussetzungen sowie fehlendes Equipment.

mehr ...