Anstieg des Goldpreises in US-Dollar: Wie lange noch?

Mit 10-jährigen US-Renditen von ca. 1,8 %, einer erwarteten US-Inflationsrate von 2,4 % im Januar 2020 (2,3 % im Dezember 2019) und der aktuellen Stärke des US-$, gemessen am Bloomberg US-$ Index signalisiert das IKB-Modell einen fundamentalen Goldpreis von rund 1.500 US-$ pro Unze im Januar 2020. Der aktuelle Goldpreis von 1.550 US-$ ist also durchaus konsistent mit seinen von der IKB unterstellten fundamentalen Treibern, und er deutet trotz des Anstiegs seit Anfang 2020 auf keine nennenswerte Übertreibung hin. Es gibt folglich auf Grundlage der Zinsentwicklung kein bedeutendes kurzfristiges Korrekturpotenzial. Entscheidend ist dabei jedoch weniger die aktuelle als vielmehr die zu erwartende Zins- und Inflationsentwicklung.

In höheren Lagen wird die Luft nicht unbedingt dünner

Für einen anhaltenden Anstieg des Goldpreises braucht es eine deutliche Zinssenkung der Fed, die die US-Renditen unter Druck setzt. Dies wiederum erfordert eine sich eintrübende US-Konjunktur. Aktuell wird von der Fed keine bedeutende Veränderung ihrer Zinspolitik für 2020 erwartet. Dennoch schätzt die IKB das Risiko von Zinssenkungen im Fall einer Verlangsamung des USWirtschaftswachstums – vor allem im Jahr 2021 – höher ein als das Risiko weiterer Zinserhöhungen. Infolge eines sich ausweitenden US-Haushaltsdefizits sowie einer nur moderat wachsenden US-Wirtschaft ist grundsätzlich von anhaltend niedrigen USRenditen auszugehen. Damit sollte der Goldpreis aus fundamentaler und langfristiger Sicht nach wie vor viel Unterstützung erfahren. Die herausfordernde Frage ist dabei, ob der Goldpreis nach dem Anstieg zu Jahresanfang weiter Aufwärtspotenzial zeigt oder doch eher Abwärtspotenzial.

Sinkende Renditen würden eigentlich für einen schwächeren US-$ sprechen, was wiederum den US-$-Goldpreis stützen könnte. Allerdings bleibt fraglich, inwieweit die Fed den US- durch ihre Zinspolitik unter Druck setzen kann. Das Zinsdifferenzial vor allem zum Euro ist nun schon seit Jahren relativ stabil und beträchtlich. Eine bedeutende US-$-Abwertung zumindest gegenüber dem Euro bleibt angesichts der geldpolitischen Ausrichtung der EZB eher unwahrscheinlich (s. IKB-Kapitalmarkt-News 23. August 2019) .

Es bräuchte eine US- bzw. globale Rezession, um den Goldpreis weiter nach oben zu katapultieren. Somit sind es eher die Gefahr einer Deflation und eine daraus resultierende Zinspolitik, die den Goldpreis kurzfristig stützen werden. Die IKB hat drei Szenarien berücksichtigt, um das Risiko zukünftiger Goldpreisbewegungen einzuschätzen. Im Basisszenario sinken die US-Renditen infolge sich aufbauender Konjunktursorgen moderat bis Ende 2020 auf 1,5 %. Der US-$-Devisenkurs verliert nur 5 % an Wert und die Inflation steigt von 1,8 % im letzten Jahr auf 2,3 % in 2020. Dabei ist über die Hälfte dieses Anstieges Folge von Basiseffekten und somit kein Indiz für steigenden Inflationsdruck.

Im ersten alternativen Szenario fallen die Zinsen stärker, 10-jährige USRenditen beenden das Jahr 2020 bei 1,2 %, die Inflation liegt bei 1,7 % in 2020, und der US-$ wertet mit 10 % ab. Im zweiten alternativen Szenario steigen die Renditen aufgrund von erwarteten Fed-Zinsanhebungen in Verbindung mit einer positiven Konjunkturentwicklung bis Ende 2020auf 2,8 %, der US-$ wertet um 5 % auf, die Inflation steigt 2020 auf 2,6 %.

Einschätzung

Simulationsergebnisse zeigen, dass zwischen Basisszenario und der ersten Alternative kein grundsätzlicher Unterschied bei der Entwicklung des Goldpreises zu erkennen ist. Bei der zweiten Alternative würde der Goldpreis hingegen unter Druck geraten. Der aktuelle Goldpreis von 1.550 US-$ stützt eher Alternative 1; der Goldmarkt scheint also eher skeptisch gegenüber dem US-Konjunkturverlauf gestimmt zu sein.

Es bedarf einer neutralen bis skeptischen Einschätzung der US-Konjunktur und tendenziell sinkender US-Renditen, damit der Goldpreis in diesem Jahr weiter steigt. Schon ein moderater Rückgang der Renditen im IKB-Basisszenario reicht aus, um den seit Mitte 2018 anhaltenden Anstieg des US-$-Goldpreises aufrecht zu halten. Das Abwärtsrisiko für den Goldpreis 2020 bleibt hingegen überschaubar: Hierfür wären deutliche Anstiege der US-Renditen erforderlich

Foto: Shutterstock

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