9. März 2020, 12:33
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Börsencrash – Panik vor Ölpreiskrieg und Coronavirus

Schwarzer Montag am deutschen Aktienmarkt: Panikartig haben die Anleger zu Wochenbeginn auf wachsende Rezessionssorgen und die zusätzliche Gefahr eines Ölpreiskrieges reagiert. Gleich zum Handelsstart kam es zum Börsencrash. Der Dax raste in wenigen Minuten fast 1000 Punkte auf unter 10 600 Punkte abwärts. Die Gewinne aus dem vergangenen Jahr sind damit weg. Am Ölmarkt waren zuvor die Preise zeitweise um 30 Prozent eingebrochen und damit so stark wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. “Der heutige Handelstag dürfte in die Geschichtsbücher eingehen”, konstatierte ein Marktbeobachter.Shutterstock 85721332 in Börsencrash - Panik vor Ölpreiskrieg und Coronavirus

Gegen Mittag erholte sich der deutsche Leitindex etwas und büßte 6,50 Prozent auf 10 791,53 Punkte ein. Der MDax der mittelgroßen Börsentitel ging um 5,16 Prozent auf Talfahrt und stand bei 23 474,20 Punkten. Auch europaweit standen die Aktienmärkte – wie zuvor bereits in Asien – stark unter Druck. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sackte zur Mittagszeit um 6,65 Prozent ab.

Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners sprach von einem “regelrechten Blutbad”. Zum Kampf gegen das neuartige Coronavirus und die Rezessionssorgen komme jetzt noch der Ölpreiskrieg dazu. “Die Anleger fliehen aus allem, was Risiko hat.” Die Kurse von Bundesanleihen stiegen zugleich extrem kräftig, und auch der Euro legte zu und wird wieder deutlich über 1,14 US-Dollar gehandelt. Auch er gilt als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten.

Mit Panik reagierten die Anleger einerseits auf die zunehmende Virusinfektionswelle und die Sterberate. In Europa stieg vor allem im besonders stark betroffenen Italien die Zahl der Todesfälle sprunghaft an. Große Teile Norditaliens sind inzwischen abgeriegelt. Rein und raus darf man nur noch im Notfall oder aus Arbeitsgründen. Andererseits schockiert, dass nach den gescheiterten Verhandlungen von Ölförderstaaten am Freitag nun der Streit zwischen Saudi-Arabien und Russland über die künftige Fördermenge eskaliert. Angeblich erwägt Saudi-Arabien, seine Fördermenge in den kommenden Monaten zu erhöhen.

Nachrichten zu einzelnen Unternehmen oder Bilanzen spielten angesichts des so ausgelösten Ausverkaufs von Aktien so gut wie keine Rolle. “Alles wird vom Crash überschattet”, sagte ein Händler. In der Dax-Familie gab es auch zur Mittagszeit keine Gewinner.

Besonders schwere Verluste erlitten erneut die Aktien der Deutschen Bank. Sie sackten zeitweise bei 5,61 Euro auf ein Rekordtief und büßten zuletzt rund 12 Prozent auf 5,96 Euro ein. Den Aktien der Commerzbank erging es im MDax nicht besser. Auch sie erreichten ein Rekordtief. Zuletzt ging es dann um 9,3 Prozent auf 3,90 Euro abwärts. Die Aussicht auf noch tiefere Zinsen belastet. Zudem steigt das Risiko von Kreditausfällen, und das nicht nur wegen einer möglichen virusbedingten Rezession.

Steil abwärts ging es auch für die konjunktursensiblen Papiere der Autobranche. Der bereits durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie den Wandel in Richtung Elektromobilität schwer gebeutelte Sektor büßte 8 Prozent ein. Im Dax ging es für die Anteile von Daimler um knapp 10 Prozent abwärts. VW folgten mit minus 8,2 Prozent, Continental sackten um 6,9 Prozent ab und BMW um 7,1 Prozent.

Vergleichsweise milde fiel der Verlust für die bereits schwer von der Virus-Epidemie betroffenen Lufthansa aus. Die Aktie verlor 2,2 Prozent. Der Ölpreiseinbruch weckte die Hoffnung auf eine niedrigere Kerosinrechnung. Die Fluggesellschaft hatte am Freitag bereits mitgeteilt, dass sie wegen des heftigen Nachfrageeinbruchs infolge der Corona-Epidemie in den nächsten Wochen die Kapazität um bis zu 50 Prozent reduziert.

Aktien von Immobilienunternehmen hielten sich am Montag ebenfalls besser als der Gesamtmarkt: Vonovia erlitten mit minus 4,2 Prozent unterdurchschnittliche Verluste. Im Index der mittelgroßen Werte gaben LEG mit minus 2,6 Prozent unterdurchschnittlich nach. Der Immobilienkonzern hatte seinen Geschäftsbericht vorgelegt und für 2019 einen Gewinnzuwachs gemeldet.

Endgültige Zahlen und ein vorsichtiger Ausblick auf 2020 kamen zudem vom Waferhersteller Siltronic, dessen Papiere um 10,5 Prozent absackten. Nordex büßten nach schwachen Zahlen und einem trüben Ausblick im tiefroten Markt fast 12 Prozent ein. Der Finanzdienstleister Hypoport konnte in dieser Marktlage ebenfalls nicht überzeugen. Zudem enttäuschten die Ergebnisziele 2020, hieß es. Die Aktie sackte um 7,3 Prozent ab. (dpa-AFX)

Foto: Shutterstock

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