Deutsche Wirtschaft: Ausländische Unternehmen fahren Investitionen zurück

Investitionen ausländischer Unternehmen gehen zurück und die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland nimmt im EU-Vergleich ab. Das zeigt die aktuelle Ausgabe der Umfrage Business Destination Germany, für die im vergangenen Jahr 340 Führungskräfte der größten internationalen Konzerne in Deutschland befragt wurden.

Im EU-Vergleich sinkt die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.

So plant nur noch rund jedes fünfte ausländische Unternehmen (22 %) hierzulande jährliche Investitionen von zehn Millionen Euro oder mehr. Zum Vergleich: 2017 gaben das noch ein Drittel der befragten Unternehmen (34 %) an. Jedes Dritte kündigt zudem an, jährlich weniger als eine Million Euro oder gar nicht in Deutschland zu investieren (36 %).

Gleichzeitig jedoch schätzt eine deutliche Mehrheit der ausländischen Konzerne in Deutschland (69 %, 2017: 67 %) ihre aktuelle wirtschaftliche Lage als gut oder sehr gut ein. Ähnliches zeigt sich bei ihrem Ausblick auf die kommenden drei Jahre (70 %, 2017: 68 %).

„Ausländische Unternehmen blicken in Deutschland immer noch positiv in die Zukunft. Gleichwohl ist ihre sinkende Investitionsbereitschaft ein Warnzeichen für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Der Rückgang zeigt, dass der Fokus international tätiger Unternehmen nicht mehr so stark wie früher auf Deutschland liegt“, erläutert Andreas Glunz, Bereichsvorstand International Business bei der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. „Zwar gilt Deutschland weiterhin als ‚sicherer Hafen‘, es besteht jedoch deutlicher Reformbedarf, damit das so bleibt und Deutschland im EU-Wettbewerb langfristig bestehen kann. Besonders auch mit dem Blick darauf, dass in Deutschland mehr als 36.000 ausländische Unternehmen ansässig sind und mehr als ein Viertel der Wirtschaftsleistung der Bundesrepublik Deutschland erwirtschaften.“

Erneuerung der Infrastruktur und Steuerreform müssen höchste Priorität haben

Die Ergebnisse zeigen: Um als Standort in Europa weiterhin wettbewerbsfähig
und attraktiv zu bleiben, hat Deutschland Nachholbedarf:

  • Nur etwas mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen (56 %) bewerten die Infrastruktur in Deutschland als mindestens eine der besten fünf in der EU. Ein Verlust von zwanzig Prozentpunkten im Vergleich zur letzten Umfrage (2017: 76 %).
  • Weitere Herausforderungen betreffen vor allem die Wettbewerbsfähigkeit des Steuersystems hinsichtlich Steuerhöhe und Komplexität (nur 19 % sehen Deutschland hier mindestens unter den Top 5 der EU-Länder, 2017: 27 %) und die Verfügbarkeit von Fachkräften (25 %, 2017: 44 %).
    „Die Erneuerung und Modernisierung der Infrastruktur, insbesondere im Hinblick auf Logistik und digitale Infrastruktur, die Vereinfachung des Steuersystems und die Senkung der Steuersätze müssen höchste Priorität haben. Andernfalls droht die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschlands im EU-Vergleich weiter zu fallen“, sagt Andreas Glunz. 

Im Vergleich der direkten Nachbarländer beurteilen niederländische und österreichische Unternehmen den deutschen Standort tendenziell schlechter als der Durchschnitt; französische und schweizerische hingegen positiver.

Stabilität als Synonym für Stillstand?

Fast die Hälfte der befragten ausländischen Unternehmen (49 %) nutzt den Standort Deutschland als Europazentrale für ihr internationales Geschäft. Hauptgründe für den Wirtschaftsstandort Deutschland sind vor allem die grundlegenden Standortfaktoren wie eine hohe Lebensqualität (80 % sehen Deutschland mindestens unter den Top 5), Arbeitsproduktivität (75 %) und politische Stabilität (73 %).

„Vor dem Hintergrund der unterlassenen Reformen und Investitionen stellt sich jedoch die Frage, ob die wahrgenommene politische Stabilität in Deutschland heute noch als Standortvorteil gewertet werden kann“, sagt Andreas Glunz. „Dazu kommt: Deutschland bietet internationalen Konzernen zwar einen zentralen Zugang zum europäischen Binnenmarkt. Wenn sich jedoch nur jedes fünfte Unternehmen (21 %) ausreichend gefördert fühlt, um sich hierzulande neuanzusiedeln und zugleich die Arbeitsproduktivität – wie zuletzt geschehen – im EU-Vergleich zurückfällt, dann besteht Handlungsbedarf.“ 

Der attraktivste Investitionsstandort hierzulande ist und bleibt für gut ein Drittel der Befragten Bayern (31 %), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (27 %), Baden-Württemberg (20 %) und Hessen (16 %). Ausländische Investoren nutzen weiterhin selten die attraktiven Optionen für Ansiedlungen in den neuen Bundesländern.

Foto: Shutterstock

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