1. April 2020, 16:46
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

ifo Institut: Corona kostet Europa Hunderte von Milliarden Euro an Ausfällen

Die Bekämpfung des Coronavirus wird zu Produktionsausfällen führen. Sie werden die Länder Europas Hunderte von Milliarden Euro kosten. Das haben neue Berechnungen des ifo Instituts ergeben. Was das Virus außerhalb Detschlands wirtschaftlich anrichtet.

Shutterstock 1679467453 in ifo Institut: Corona kostet Europa Hunderte von Milliarden Euro an Ausfällen

„Neben medizinischen sprechen auch ökonomische Gründe dafür, massiv in den Gesundheitsschutz zu investieren. So lässt sich die Epidemie eindämmen – und gleichzeitig könnten wir danach Schließungen von Schulen und Betrieben schrittweise aufheben“, sagt ifo-Präsident Clemens Fuest. Untersucht wurden Österreich, die Schweiz, Italien, Spanien, Frankreich und das Vereinigte Königreich.

„Dringlich sind auch Vorkehrungen in den Unternehmen, die es erlauben, eine Wiederaufnahme der Produktion mit einer weiteren Eindämmung der Epidemie zu verbinden“, fügt Fuest an. „Wenn die Firmen für länger als einen Monat geschlossen bleiben, erreichen die Produktionsausfälle schnell Dimensionen, die deutlich jenseits der Wachstumseinbrüche liegen, die aus früheren Rezessionen oder Naturkatastrophen in der Geschichte der Europäischen Union bekannt sind.“

Das ifo Institut berechnete, wie viel Wertschöpfung entfällt, wenn die Produktion unterbrochen ist. Zusätzlich schätzte es die Folgekosten, die durch eine verzögerte Rückkehr zu normaler wirtschaftlicher Tätigkeit oder durch dauerhafte Beeinträchtigungen entstehen, etwa durch Pleiten oder durch den Verlust von Geschäftsbeziehungen während der Krisenzeit.

Für Österreich sieht das ifo Institut Kosten von 34 bis 57 Milliarden Euro bei einer Teilschließung von zwei Monaten. Das verringert die Jahreswachstumsrate zwischen 8,5 und 14,2 Prozentpunkten. Bei drei Monaten erreichen die Kosten bereits 47 bis 83 Milliarden Euro oder 11,9 bis 20,9 Prozentpunkte Wachstumsverlust. Eine einzige Woche Verlängerung verursacht in Österreich zusätzliche Kosten von 3 bis 7 Milliarden Euro und damit einen Rückgang des Wachstums von 0,8 bis 1,7 Prozentpunkten. Eine Verlängerung von einem auf zwei Monate erhöht die Kosten um bis zu 26 Milliarden Euro oder 6,6 Prozentpunkte Wachstum.

Für die Schweiz ergeben die ifo-Berechnungen bei einer Teil-Schließung von zwei Monaten Kosten je nach Szenario zwischen 49 und 81 Milliarden Euro und verringern die Jahreswachstumsrate um 7,8 bis 12,9 Prozentpunkte; bei drei Monaten erreichen sie bereits 69 bis 119 Milliarden Euro, was 11,0 bis 19,0 Prozentpunkte Wachstumsverlust bedeutet. Es zeigt sich, dass eine einzige Woche Verlängerung in der Schweiz zusätzliche Kosten in Höhe von 5 bis 10 Milliarden Euro und damit einen Rückgang des Wachstums von 0,8 bis 1,5 Prozentpunkten verursacht. Eine Verlängerung von einem auf zwei Monate erhöht die Kosten um bis zu 38 Milliarden Euro oder 6,1 Prozentpunkte Wachstum.

Im schwer gebeutelten Italien erreichen die Kosten laut ifo bei einer Teilschließung von zwei Monaten je nach Szenario zwischen 143 und 234 Milliarden Euro und verringern die Jahreswachstumsrate um 8,0 bis 13,1 Prozentpunkte; bei drei Monaten erreichen die Kosten bereits 200 bis 342 Milliarden Euro oder 11,2 bis 19,1 Prozentpunkte Wachstumsverlust. Eine einzige Woche Verlängerung verursacht in Italien zusätzliche Kosten in Höhe von 14 bis 27 Milliarden Euro und damit einen Rückgang des Wachstums von 0,8 bis 1,5 Prozentpunkten. Eine Verlängerung von einem auf zwei Monate erhöht die Kosten um bis zu 108 Milliarden Euro oder 6,3 Prozentpunkte Wachstum.

Im ebenfalls stark betroffenen Spanien erwartet das ifo Institut bei zwei Monaten Teilschließung Kosten zwischen 101 und 171 Milliarden Euro, was die Jahreswachstumsrate senkt um 8,1 und 13,8 Prozentpunkte. Bei drei Monaten erreichen die Kosten bereits 141 bis 250 Milliarden Euro oder verringern das Wachstum um 11,3 bis 20,0 Prozentpunkte. Eine einzige Woche Verlängerung verursacht in Spanien zusätzliche Kosten in Höhe von 10 bis 20 Milliarden Euro und damit einen Rückgang des Wachstums von 0,8 bis 1,6 Prozentpunkten. Eine Verlängerung von einem auf zwei Monate erhöht die Kosten um bis zu 78 Milliarden Euro oder 6,1 Prozentpunkte Wachstum.

Für Frankreich erreichen die Kosten laut ifo Institut bei zwei Monaten Teilschließung der Unternehmen je nach Szenario zwischen 176 und 298 Milliarden Euro und verringern die Jahreswachstumsrate um 7,3 bis 12,3 Prozentpunkte; bei drei Monaten erreichen sie bereits 247 bis 436 Milliarden Euro oder 10,2 bis 18,0 Prozentpunkte Wachstumsverlust. Eine einzige Woche Verlängerung verursacht in Frankreich zusätzliche Kosten in Höhe von 18 bis 35 Milliarden Euro und damit einen Rückgang des Wachstums von 0,7 bis 1,4 Prozentpunkten. Eine Verlängerung von einem auf zwei Monate erhöht die Kosten um bis zu 138 Milliarden Euro oder 5,7 Prozentpunkte Wachstum.

Im Vereinigten Königreich verursachen zwei Monate Teilschließung laut ifo Institut Ausfälle zwischen 193 und 328 Milliarden Euro. Das verringert  die Jahreswachstumsrate um 7,7 bis 13,0 Prozentpunkte; Bei drei Monaten erreichen die Kosten bereits 271 bis 480 Milliarden  Euro oder 10,7 bis 19,0 Prozentpunkte Wachstumsverlust. Eine einzige Woche Verlängerung verursacht zusätzliche Kosten von 19 bis 38 Milliarden Euro und damit einen Rückgang des Wachstums von 0,8 bis 1,5 Prozentpunkten. Eine Verlängerung von einem auf zwei Monate erhöht die Kosten um bis zu 152 Milliarden Euro oder 6,0 Prozentpunkte Wachstum.

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Pensionskassen: Mit Volldampf in den Untergang?

Der Niedrigzins beschäftigt Pensionskassen seit 10 Jahren. Diese Entwicklung nimmt durch die Corona-Krise weiter an Fahrt auf. Arbeitgeber sollten jetzt Risiken evaluieren und Handlungsoptionen prüfen, meint das Beratungshaus auxilion.

mehr ...

Immobilien

Miete oft höher als 30 Prozent des Einkommens

Zwei Drittel der Wohnungssuchenden bereit, mehr für Miete zu zahlen als empfohlen Eine Faustregel lautet: Die Kaltmiete einer Wohnung sollte nicht höher als 30 Prozent des Nettoeinkommens des Mieters sein.

mehr ...

Investmentfonds

Wasserstoff-Durchbruch in Sicht?

Wie aus einer neuen Infografik von Block-Builders.de hervorgeht, zeichneten sich im Bereich der Wasserstoff-Technologie zuletzt zahlreiche Fortschritte ab. Wird Wasserstoff jetzt auch für PKWs nutzbar?

mehr ...

Berater

Die unbequeme Wahrheit über Erfolg in der Selbstständigkeit

Wenn Sie als selbstständiger Finanzdienstleister sich wirklich von der Konkurrenz abheben und zu den besten gehören möchten, dann geht das nur außerhalb der Komfortzone. Gastbeitrag von Trainer und Berater Dieter Kiwus

mehr ...

Sachwertanlagen

Finexity bringt dritten digitalen “Club-Deal”

Das Fintech Finexity AG erweitert sein “Club-Deal”-Angebot um ein Neubauprojekt in Hamburg. Das Projekt ist mit einem Volumen von über acht Millionen Euro das bisher größte im Portfolio des Hamburger Unternehmens und steht Investoren mit Anlagesummen ab 100.000 Euro offen.

mehr ...

Recht

Hälfte der Steuerzahler will Soli-Ersparnis zurücklegen

Mehr als die Hälfte der Steuerzahler, die im kommenden Jahr durch den Wegfall des Solidaritätszuschlags mit einer Entlastung rechnen, will das zusätzliche Nettoeinkommen zurücklegen. Das ergab die jüngste Umfrage im Deutschland-Trend des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA), die von INSA Consulere im Auftrag des DIA durchgeführt worden ist.

mehr ...