Herausforderung Mikroplastik: Innovative Wasseraufbereitung gefragt

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Die Mikroplastikverschmutzung nimmt weltweit zu – mit gravierenden Folgen für Mensch und Umwelt. Was jetzt noch helfen kann.

Das Hauptproblem von Mikroplastik ist, dass es auf natürlichem Weg kaum abbaubar ist. Zusätzlich weisen die Teilchen eine ähnliche Dichte auf wie Wasser, weshalb sie sich leicht mit Wasser vermischen und dadurch ungehindert in Gewässern verteilen.

Dies führte dazu, dass sowohl in Trinkwasser (Hahnenwasser und in Flaschen abgefülltem Wasser), aber auch in Fließgewässern, Meerwasser, Abwasser, Nahrungsmitteln und in der Luft bereits Mikroplastik nachgewiesen werden konnte.

„Aktuelle Studien zeigen, dass in entwickelten Ländern, wo die Wasseraufbereitung gut ausgebaut ist, die Mikroplastikproblematik im Trink- und Abwasser aktuell unter Kontrolle ist und die Bedenklichkeitsgrenzwerte, basierend auf dem aktuellen Wissensstand, meist deutlich unterschritten werden.

Anders sieht es in weniger entwickelten Regionen aus. Insbesondere in bevölkerungsreichen asiatischen Ländern werden wiederholt überhöhte Grenzwerte gemessen“, so Jonas Knüsel, Manager des Swisscanto (LU Equity Fund Sustainable Global Water.

Mikroplastik bereits im Nahrungskreislauf

Problematisch ist auch, dass sich Mikroplastik inzwischen weltweit in den Ozeanen wiederfindet und somit in den Nahrungskreislauf gelangt. Selbst in entwickelten Ländern wird längst nicht alles Wasser ausreichend aufbereitet, bevor es in den Wasserkreislauf gelangt. So landen beispielsweise Teilchen aus dem Autoreifenabrieb direkt im Boden und damit im Wasser- und Nahrungskreislauf.

Eine amerikanische Studie fand heraus, dass ein/e durchschnittlicher Amerikaner/in durch Trinken, Essen und Atmung etwa 74.000 Mikroplastik-Partikel konsumiert – und dies pro Jahr! Eine australische Studie unter Beteiligung des WWF (World Wide Fund for Nature) kam sogar zum Ergebnis, dass eine Person bis zu fünf Gramm Mikroplastik pro Woche konsumiert, was ungefähr dem Gewicht einer Kreditkarte entspricht.

Die langfristigen Auswirkungen von Mikroplastik auf den menschlichen Organismus sind noch nicht vollständig erforscht. Es wird vermutet, dass die Teilchen physischen Schaden an Organen und Gefäßen anrichten können. Weiter enthalten sie bei der Herstellung eingesetzte Chemikalien, deren langfristiger Einfluss auf den Menschen bisher nur teilweise verstanden ist.

Auch können kleine Mikroorganismen an den Teilen anhaften und so in den menschlichen Körper gelangen. Gemäß aktuellem Stand der Wissenschaft sind insbesondere die physischen Schäden und der Konsum von Chemikalien ernst zu nehmen.

Bedeutende Rolle im nachhaltigen Wasser-Anlageuniversum

Es ist wichtig, dass Strategien entwickelt werden, mit denen der Ausstoß von Mikroplastik vermieden oder wenigstens reduziert werden kann. Ein Lösungsansatz ist Plastik, wo es möglich ist, durch alternative Materialien zu ersetzen, welche biologisch abbaubar sind. Weiter muss der Sammel- und Recyclingprozess für Plastik ausgebaut werden, sodass weniger Abfälle in der Umwelt landen.

Es ist positiv zu werten, dass bereits mehr als 60 Länder Steuern oder einen Bann auf Einwegplastik eingeführt haben. Neben den Vermeidungs- und Reduktionsstrategien müssen innovative Lösungen gefunden werden, um Mikroplastik aus dem Wasserkreislauf zu entfernen.

„Wie erwähnt, werden dafür Wasseraufbereitungssysteme als hoch wirksam eingeschätzt. Studien ermittelten eine Wirksamkeit von über 90 Prozent, wobei die tertiäre Reinigungsstufe der Filtration den höchsten Nutzen aufweist. Allerdings bleibt diese Lösung aufgrund der Bezahlbarkeit bisher den entwickelten Ländern vorbehalten. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung in weniger entwickelten Ländern hat noch immer keinen Zugang zu Abwasserreinigung und nur 20 Prozent konsumieren Trinkwasser, welches mehr als eine primäre Reinigungsstufe durchlaufen hat“, sagt Knüsel.

Es gibt neue innovative Ansätze, wie beispielweise eine Lösung basierend auf Hybridkieselgel, die preiswert und umweltverträglich sein soll und dafür sorgt, dass sich Mikroplastikteilchen verklumpen und an der Wasseroberfläche sammeln.

Ein solches Gel könnte aufgrund der tiefen Kosten auch in weniger entwickelten Regionen eingesetzt werden, und die Umweltunbedenklichkeit eröffnet neue Anwendungsmöglichkeiten in der freien Natur.

„Das Thema Mikroplastik spielt auch für das nachhaltige Wasser-Anlageuniversum von Swisscanto Invest eine bedeutende Rolle. Wasserversorger wie American Water Works und Essential Utilities, aber auch Ausrüstungslieferanten wie Danaher, Evoqua Water Technologies und Xylem sind ausgewählte Unternehmen, die mit Ihren Produkten und Dienstleistungen zur Bewältigung der Mikroplastikproblematik beitragen“, so Knüsel.

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