Liquide Infrastruktur: treuer Begleiter auf dem Weg in die Inflation

Foto: Steinbeis & Häcker
Markus Merkel, Steinbeis & Häcker Vermögensverwatung

Das abgeschlossene Börsenjahr 2020 war von zwei Phasen geprägt, die unterschiedlicher nicht hätten ausfallen können. Ein Gastbeitrag von Markus Merkel, CEFA, Leiter Mandate und Kooperationspartner der steinbeis & häcker vermögensverwaltung gmbH in München.

Im ersten Halbjahr war eine Kernschmelze der Finanzsysteme aufgrund der Virus-Pandemie und den sie begleitenden Maßnahmen zu befürchten. Im zweiten Halbjahr führten konzertierte Aktionen von Fiskal- und Geldpolitik sowie die Bereitschaft der Notenbanken eine ausufernde Verschuldung mit den zu erwartenden Spätfolgen in Kauf zu nehmen zu einem ebenso rasanten Wiederanstieg der internationalen Börsenkurse. Die Aussicht auf wirksame Impfstoffe tat ein Übriges.

Die wissentliche und willentliche Abschaffung des Zinses als Steuerungsinstrument in unserer Sozialen Marktwirtschaft wird die Generation der derzeitigen Kapitalmarktakteure mit völlig neuen Szenarien konfrontieren, für die niemand Erfahrungswerte besitzt.

Soviel kann gesagt werden: Die internationale Finanzordnung steuert auf eine massive Inflationierung sachwertbezogener Vermögenswerte nebst einer Vielzahl an Währungen zu. Sollte eine ungehemmte Verschuldung die Ultima Ratio darstellen, so wäre zumindest eine Lenkung dieser Schulden in produktive und zukunftsgerichtete Infrastruktur-Investitionen wünschenswert. Insbesondere die USA sind hier gefordert.

„Die Letzten werden die Ersten sein“.  Sektor-Rotation geboten

Nun stellt jede Krise, wie der geschilderte Verfall der Geldwerte, auch eine Chance dar. Wir präferieren konsequenterweise Qualitätswerte der Realwirtschaft und antizipierten eine Sektor-Rotation hin zu lange zeit vernachlässigten Substanzwerten wie zyklischen Value-Aktien der Industriestaaten, Schwellenländer-Titeln, Rohstoffen und Edelmetallen. Diese fundamental abgesicherten, werthaltigen Assets mit robusten Cash-flows, stetiger

Dividendenfähigkeit, defensivem Grundcharakter und geringen konjunkturellen Schwankungen scheinen uns als klassische liquide Substanzwerte derzeit investitionswürdig. Erweitert werden kann dieses Spektrum perspektivisch um so genannte Inflation Linked Bonds und sehr selektiv eventuell auch um Kryptowährungen.

Infrastruktur-Aktien: Spezialisten unter den Substanzwerten

Betrachten wir nun etwas eingehender das Sub-Segment der Infrastruktur-Aktien innerhalb liquider Sachwertanlagen. Infrastruktur begleitet uns täglich und idealerweise ohne dass es uns überhaupt bewusst wird. Für ein reibungsloses Funktionieren von essentiellen Dienstleistungen und einer Basisversorgung aus den Bereichen Transport, Energie/Versorgung, Telekommunikation oder auch Soziale Infrastruktur sind freilich permanente Instandhaltung, Modernisierung und Ausbau erforderlich.

Nur so können die unabdingbaren Grundlagen für erfolgreiches Wirtschaften aufrecht erhalten bleiben. Infrastruktur-Aktien scheinen uns in der anbrechenden neuen Zeit und unter dem Primat der Inflation somit in besonderer Weise attraktiv.

Das Beispiel US-Midstream Nachstehend sei exemplarisch das Geschäftsmodell eines Midstream-Infrastruktur-Unternehmens für Öl und Gas in Nordamerika angeführt. Midstream-Infrastrukturanlagen sind unverzichtbar, um Öl, Erdgas sowie Mineralölprodukte zu transportieren, zu verarbeiten und zu lagern. Die Firma vereinnahmt eine Zahlung, wann immer Öl und Gas durch seine Pipelinesysteme fließt, was es ermöglicht, einen stetigen Cashflow zu generieren, mit dem es seinerseits eine attraktive Ausschüttung bedienen und zugleich in weiteres Wachstum investieren kann.

Dieser Expansionskurs ist robust und planbar, da die USA und Kanada noch viele Jahre in die Erneuerung energiebezogener Infrastrukturen investieren müssen. Neben einem breitgefächerten Zugang zum attraktiven nordamerikanischen Energieinfrastruktursegment bietet die Firma Investoren zusätzlich eine willkommene Diversifizierung, denn auch ein Geschäftsbereich „Erneuerbare Energien“ gehört dem Konzern an.

Risiken liegen in denkbaren regulatorischen Eingriffen seitens Regierungsstellen, ausufernden Kosten der Projekte oder angespannter Refinanzierungs-möglichkeiten bei kreditfinanzierten Vorhaben. Wir bevorzugen daher im Rahmen unserer Substanzwert-Strategie solche Infrastrukturunternehmen, die über ein einwandfreies Finanzprofil bei zugleich langer und untadeliger Leistungsbilanz einer Vielzahl erfolgreich realisierter Projekte verfügen.

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