Anlegen in Zeiten der Inflation

Foto: Fürst Fugger Privatbank
Norbert Frey, Fürst Fugger Privatbank: „Ein Blick in die Börsenhistorie zeigt, dass bei Inflationsraten von 6 % oder mehr nur Rohstoffe eine durchgängige Outperformance bieten – dies trifft insbesondere auf Energiewerte zu, aber auch in geringerem Maße auf Gold.“

Bis vor wenigen Monaten spielte das Thema Inflation lediglich eine untergeordnete Rolle bei der Anlageentscheidung. Das hat sich mittlerweile grundlegend geändert. Wie Anleger sich jetzt verhalten sollten

Während sich in den USA längst die Anzeichen auf eine Zinswende mehrten, hielt die EZB die Inflation für temporärer Natur und sah sich nicht veranlasst, ihre expansive Geldpolitik zu ändern. Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine steigen die Inflationsraten von Monat zu Monat. Dabei sorgten die massive Verteuerung sowohl auf der Energieseite wie auch im Lebensmittelsektor für starke Einbrüche an den Aktien- aber auch Rentenmärkten. Solch einen synchronen Abverkauf habe es seit 20 Jahren nicht gegeben, beobachtet Norbert Frey, Leiter Fondsmanagement der Fürst Fugger Privatbank: „Ein Blick in die Börsenhistorie zeigt, dass bei Inflationsraten von 6 % oder mehr nur Rohstoffe eine durchgängige Outperformance bieten – dies trifft insbesondere auf Energiewerte zu, aber auch in geringerem Maße auf Gold.“

Von einer Korrektur an den Rohstoffmärkten sei auch bei einer Rückkehr zu Inflationsraten um die 2 % nicht auszugehen. „Wir stehen vor einer Zeitenwende an den Rohstoffmärkten“, betont Frey. Rohstoffe seien aus unserem Alltag nicht wegzudenken und nähmen Einfluss auf so gut wie jeden wirtschaftlichen Prozess, nicht nur in der Industrie, sondern auch im Bereich Dienstleistungen. Norbert Frey weiter: „Wirtschaftliche und politische Veränderungen haben Einfluss auf die Rohstoffmärkte, aber dieser Zusammenhang gilt auch umgekehrt. Rohstoffmärkte beeinflussen wirtschaftliche und politische Entscheidungen und Prozesse.“

Der Krieg in der Ukraine und die gegen Russland verhängten Sanktionen hätten schlagartig die enorme Abhängigkeit Europas von Energielieferungen aus Russland verdeutlicht. Bereits seit Beginn der Corona-Pandemie seien die Rohstoffpreise aufgrund von Lieferkettenstörungen gestiegen, erläutert Norbert Frey: „Eine Entspannung der Rohstoffpreise, wie sie manche Ökonomen erwarten, kann ich aktuell nicht sehen.“ Das Gegenteil sei der Fall: Der Ukraine-Krieg und die Sanktionen gegen Russland verteuerten die Preise wichtiger Rohstoffe, so Frey – und er ergänzt: „Die Null-Covid-Politik Chinas hat das Problem der gestörten Lieferketten nochmals verschlimmert.“

Für Anleger sei dies jedoch ein klares Indiz für Investitionen, meint Frey: „Die Transformation im Energiesektor beginnt und das Angebot auf dem Weltmarkt ist jetzt schon knapp. Rohstoffe sind derzeit eine vielversprechende Anlageklasse.“

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