Bitcoin: Das moderne Gold oder die Knappheit von „Nichts“?

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Immer wieder wird der Bitcoin mit Gold verglichen. Gold hat es geschafft, langfristig den Eigentümer vor Kaufkraftverlusten zu schützen und in schwierigen Phasen als Versicherung des Vermögens zu dienen. Hier stellt sich die Frage, ob auch der Bitcoin aufgrund seiner Eigenschaften in der Lage ist, die steigende Inflation abzufedern und bei geopolitischen Risiken Stabilität in das Gesamtvermögen zu bringen. Ein Beitrag von Leopold Zellwecker, Leiter Portfoliomanagement Privatkunden der steinbeis & häcker vermögensverwaltung in München.

Bereits 1992 verfasste Timothy C. May das kryptoanarische Manifest. Menschen sollen in absoluter Anonymität miteinander kommunizieren können. Durch ein sogenanntes Re-Routing verschlüsselter und fälschungssicherer Pakete mit kryptografischen Protokollen kann die Interaktion zweier Parteien nicht nachvollzogen werden. In den folgenden Jahren gab es verschiedene Projekte eine digitale Währung zu erschaffen. Mit dieser sollten, ähnlich einer Bargeldzahlung, anonyme Zahlungen getätigt werden können. Anfang 2009 gelang es dem bis dato unbekannten Programmierer Satoshi Nakamoto die erste Version der Bitcoinsoftware zu programmieren. Nachdem er die ersten Bitcoins erzeugt hatte, gab er die Software auf einer Open Source Plattform frei. Das Geld sollte durch feste Regeln und mathematische Formeln die Nutzer überzeugen, während der Wert des sogenannten Fiat Geldes auf dem Vertrauen in die entsprechenden Notenbanken und Politik beruht. Ein Vertrauen, das während der Finanzkrise 2008/2009 bei einem Großteil der Bevölkerung stark verloren ging. Der Bitcoin hingegen ist eine demokratische Währung, welche keinen Interventionen der Notenbanken und Regierungen ausgesetzt ist. Der Wert eines Bitcoins entsteht hauptsächlich durch Angebot und Nachfrage.

Es handelt sich hier um eine digitale Währung, die elektronisch geschaffen und verwahrt wird. Anders als Fiat-Währungen, wie Euro oder US-Dollar, werden Bitcoins nicht physisch gedruckt oder von Zentralbanken erzeugt, sondern dezentral von vielen Menschen weltweit durch das Lösen von komplexen Rechenprozessen mit Computerleistung geschürft.

Auf der Suche nach Schutz vor Inflation

Im April 2022 stieg die Inflationsrate in der Eurozone um 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aber auch in den Monaten davor waren die Preissteigerungen erheblich. Seit August 2021 verzeichnete die Eurozone Inflationsraten von über 3 Prozent bis hin zu 7,5 Prozent gegenüber dem jeweiligen Vorjahr. Nach Jahren lockerer Geldpolitik, niedrigen Zinsen und der damit einhergegangenen hohen Verschuldung, stehen die Notenbanken und auch Vermögensinhaber unter Druck. Das Parken von Vermögen in der Währung Euro kostet den Vermögensinhaber, neben möglichen Strafzinsen, vor allem erheblich an Kaufkraft bei Inflationsraten jenseits von 7 Prozent. Neben Aktien, Immobilien, Rohstoffen und Edelmetallen rückt hier der Bitcoin als vermeintlicher Inflationshedge immer mehr in den Fokus einiger Anleger.

Bislang hohe Korrelation zu Technologieaktien

Gerne wird der Bitcoin auch als digitales Gold bezeichnet. Ein Grund ist die Limitiertheit aller jemals verfügbaren Bitcoins. Das Bitcoin-Skript sieht hier eine Maximalanzahl von 21 Millionen Bitcoins vor. Die limitierte Anzahl von Bitcoins soll in der Theorie den Inhaber vor Inflationierung seiner Ersparnisse schützen. Eine Vermehrung, wie man sie aus dem Papiergeld bzw. Fiat-Geld-System kennt, ist demnach nicht möglich. Die Tauscheigenschaften sind, wie bei Fiat-Geld und Gold, hoch. Als Wertspeicher und in der Transportfähigkeit ist der Bitcoin sowohl Gold als auch Fiat-Geldern überlegen, während er in der Preisstabilität durch seine hohe Volatilität deutlich schlechter als Gold und Papiergeld abschneidet. Ein Bitcoin Anleger muss dementsprechend mit hohen Kursschwankungen leben können.

Trotz ähnlicher Eigenschaften, wie Limitiertheit und der Unabhängigkeit von Notenbanken, sind Bitcoin und Gold nahezu unkorreliert auf Jahressicht. Vergleicht man hingegen den Nasdaq 100 mit dem Bitcoin, kann man hier mit einem Korrelations-Wert von ca. 0,7 durchaus eine deutliche Korrelation feststellen. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass Tech-Investoren offener gegenüber der Blockchain-Technologie und Kryptowährungen sind. Aber auch zu den meisten anderen Aktienmärkten ist der Bitcoin, wenn auch schwächer, positiv korreliert. Der Diversifikationseffekt zu einem Aktienportfolio ist demnach deutlich schwächer als der von Gold.

Möglichkeiten Bitcoins zu erwerben

Grundsätzlich stehen dem Anleger diverse Möglichkeiten offen in Bitcoins zu investieren. Bei dem direkten Kauf von Bitcoins über eine Kryptobörse werden die Bitcoins in einer digitalen Wallet gespeichert. Ist dieser Weg dem Anleger zu aufwendig, besteht auch die Möglichkeit an der Wertentwicklung über Bitcoin ETN`s und ETC´s zu partizipieren. Im Gegensatz zu ETF`s, welche Sondervermögen darstellen, sind ETN`s und ETC´s Inhaberschuldverschreibungen. In der Regel wird jedoch der größte Teil der Investments in physischen Bitcoins gehalten. Weiters kann der Anleger auch durch den Erwerb von „Bitcoin“-Aktien an der Wertentwicklung des Bitcoins partizipieren.

Resümee

Mit dem Bitcoin bzw. den Kryptowährungen ist neben den bekannten Anlageklassen, wie Immobilien, Aktien, Rohstoffen und Edelmetallen eine neue Anlageklasse entstanden. Nach dem Motto: „Don`t put all eggs in one basket“ hat der Anleger nun die Möglichkeit sein Vermögen breiter zu streuen. Im Gegensatz zu Gold fällt der Diversifikationseffekt bei Bitcoins in einem Aktienportfolio jedoch deutlich geringer aus. Weswegen der Bitcoin derzeit in der Vermögensallokation wohl nicht als Ersatz für Gold bzw. Edelmetalle gesehen werden kann. Vielmehr wird der Bitcoin in der Zukunft beweisen müssen, dass er von der Gesellschaft als Vermögensspeicher und Zahlungsmittel akzeptiert wird. Am Ende wird die Zeit zeigen, ob der Bitcoin nur die Limitierung von „Nichts“ war oder durch den technologischen Wandel in der Lage ist Gold als „ultimative“ Währung abzulösen.

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