Kryptomarkt: Indirektes Investment schont die Nerven

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Kryptowährungen stellen das klassische Finanzsystem auf den Kopf. Während Anleger begeistert sind und nach immer neuen Möglichkeiten suchen, um in den Sektor zu investieren, sind Staatschefs und Finanzhüter aufgrund mangelnder Regulierung eher besorgt. Der für das Brokerhaus GKFX tätige Marktanalyst Florian Eberhard bleibt skeptisch.

Ob sie jemals den Status eines allgemein anerkannten Zahlungsmittels erreichen werden, bleibt abzuwarten. Bis dahin werden die Kryptowährungen, besonders in einem kurzfristigen Anlagehorizont, weiterhin ein interessantes Anlageprodukt bleiben.

Keine Frage, Kryptos liegen immer noch im Trend: Digitale Währungen und Investments erfreuen sich großer Beliebtheit und erleben nicht zuletzt befeuert durch die Pandemie einen regelrechten Hype. Längst haben sie ihren Ruf als Spielzeug für technikaffine Nerds abgelegt und sich zu einer ernsthaften Größe entwickelt: So hat etwa der Kreditkartenriese Mastercard jüngst angekündigt, die Bezahlungsmethode Maestro in den Ruhestand zu schicken und stattdessen groß in den Sektor der Digitalwährungen einzusteigen.[1] Auch Tesla-Chef Elon Musk steckt sein Geld regelmäßig in verschiedenste Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum & Co. und gilt in Branchenkreisen als wichtiger Influencer für den Markt.[2]

Kryptos als Zahlungsmittel?

„Der Kryptomarkt ist sehr differenziert zu betrachten. Von den rund 6.690 verschiedenen digitalen Währungen[3], die aktuell erhältlich sind, wird sich nur ein Bruchteil etablieren können. Bitcoin hat das schon erreicht und ist in den Köpfen der Anleger angekommen“, sagt der für das Brokerhaus GKFX tätige Marktanalyst Florian Eberhard. Ob der Bitcoin jedoch einen wirklichen Nutzen für den Zahler bringe, bleibe fraglich: „Selbst, wenn große Händler wie Amazon Zahlungen mit Bitcoin anbieten, stellt sich immer noch die Frage, warum der Kunde den Euro erst in Bitcoin transferieren soll, um anschließend mit Bitcoin bezahlen zu können. Ob Unternehmen Krypto-Zahlungen akzeptieren sollten, wenn etwa der in Bitcoin bezahlte Neuwagen aufgrund starker Volatilität am nächsten Tag um 30 Prozent weniger wert ist, darf ebenfalls diskutiert werden“, erläutert Eberhard. 

Wer kontrolliert den Bitcoin?

Anders gesagt: Kryptowährungen würden als Zahlungsmittel noch nicht die nötigen Voraussetzungen erfüllen. „Gerade der vermeintliche Vorteil der Kryptowährungen, nämlich Anonymisierung und Dezentralisierung, verhinderte bisher den Durchbruch als tatsächliche Währung. Wir haben darüber hinaus eine zu geringe Akzeptanz über alle Marktbeteiligten hinweg, zu viel Volatilität und eine Marktmacht weniger großer Wallet-Besitzer. Ziel des Bitcoins war es, staatlicher Kontrolle zu entgehen. Die Frage, die man sich stellen sollte, lautet:
Wer kontrolliert den Bitcoin?“, sagt Eberhard. Denn 2.225 Bitcoin-Adressen kontrollieren aktuell circa 30 Prozent der Kryptowährung.[4]   

Mehr Regulierung nötig?

Dass der Markt unreguliert und somit auch anfällig für Betrügereien und Geldwäsche ist, beschäftigt aktuell weltweit ranghohe Politiker und Finanzmarktaufseher.[5] Eberhard versteht die Bedenken: Die Sorge diverser Staatschefs sei nachvollziehbar, aber eine Regulierung würde der ursprünglichen Idee eines nicht staatlich regulierten Zahlungsmittels widersprechen. Kryptowährungen komplett zu verbieten, wie es etwa die Volksrepublik China vormacht[6], werde an der Verbreitung nichts ändern, so der Marktanalyst weiter. Die Staatengemeinschaft müsse sich vielmehr eigene Alternativen schaffen, die Elemente der Blockchain-Technologie aufgreifen und zusätzlich die Ausfallsicherheit ganzer Volkswirtschaften bieten, so der Marktanalyst.  

Sicherheit für Anleger

Apropos Sicherheit: Auch für Anleger gibt es Risiken. Eberhard: „Bei einem direkten Investment über eine Krypto-Börse ist der Kunde selbst für die Sicherung seiner Bestände verantwortlich. Geht etwa das Speichermedium oder das Passwort verloren, so ist das Geld weg. Auch Hackerangriffen ist man dabei leichter ausgesetzt.“ Zudem sei eine weitere Gefahr gegeben: „Der Großteil des Bitcoin-Vermögens ist auf ein paar tausend Wallets verteilt. Die Eigentümer sind unbekannt. Das bietet Raum für Marktmanipulation“, so Eberhard.

Indirekt investieren – Risiko minimieren

Gerade im kurzfristigen Investment, beispielsweise dem Daytrading, würden Kryptowährungen deutlich schwächeln. Daher macht für Eberhard ein indirektes Investment in Kryptowährungen am meisten Sinn. „Krypto-CFDs haben generell weniger Sicherheitsprobleme. Man braucht kein Wallet, was das Handling deutlich einfacher macht. Außerdem kann man schneller ein- und aussteigen sowie auf fallende Kurse setzen. Das macht Krypto-CFDs für kurzfristige Investments geeigneter als der direkte Invest in Kryptos. Das schont auch die Nerven. Zudem hat man die Möglichkeit, parallel dazu Aktien-CFDs von Unternehmen aus der Krypto-Branche zu halten, wie beispielsweise Coinbase, eine der weltgrößten Krypto-Börsen“, so Eberhard abschließend.


[1] https://www.faz.net/aktuell/finanzen/digital-bezahlen/mastercard-setzt-auf-kryptowaehrungen-17603540.html

[2] https://www.futurezone.de/digital-life/article193004/elon-musk-auf-welche-3-kryptowaehrungen-setzt-der-tesla-ceo.html

[3] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1018542/umfrage/anzahl-unterschiedlicher-kryptowaehrungen/

[4] https://buyshares.co.nz/only-2225-bitcoin-addresses-control-almost-30-of-all-btc/

[5] https://www.faz.net/aktuell/finanzen/bitcoin-kryptowaehrung-beschaeftigt-ranghohe-politiker-und-banker-17587263.html

[6] https://www.faz.net/aktuell/finanzen/chinas-verbot-von-krypto-anlagen-bitcoin-ist-unbeeindruckt-17557892.html

[2] dto

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